Ihr könnt eure Tussenfreundinnen behalten! Ich bin nicht instagramgefiltert, nicht Make-Up zugekleistert, nicht geselfiestickt, nicht Germanys Next Topmodel.

Ich hasse soziale Medien! Ich hasse sie wirklich! Manchmal könnte ich meinen Computer einfach so aus dem Fenster feuern. Bei 5 Etagen Fallhöhe, hat er schließlich genug Zeit sich zu überlegen, was er denn falsch gemacht hätte. Mit hoch rotem Kopf starre ich auf das geöffnete Facebookfenster und weiß nicht, ob ich ein psychisches Problem habe, oder einfach nur eine typische Frau bin. Ich stalke. Ich stalke mit Leidenschaft. Vor mir ist keine Person sicher, für die ich mich interessiere. In den letzten Jahren habe ich das Stalken perfektioniert. Namen bei google suchen, da lache ich doch drüber! Ich kenne gefühlt jede kleine hinterste Ecke des Internets, in der sich Informationen finden lassen. Das schützt mich natürlich vor Menschen die vorgeben etwas zu sein, es aber nicht sind. Soweit, so gut. Aber seitdem es Facebook gibt, ist stalken zu einfach geworden. Heute schaue ich mir das Profil eines Menschen an und weiß tendenziell so ziemlich alles, was es zu wissen gibt. Es ist zum kotzen! Nicht weil es mir den Spaß am Durchforsten des Internets nimmt, sondern weil ich eben so sehr viel finden kann.

Kennt ihr das, wenn ihr jemanden interessant findet und dann versucht aus jeder Kleinigkeit etwas zu schließen? Wann war er wo auf welcher Party und warum überhaupt? Wer sind seine Freunde? Und ganz wichtig: wer sind seine Ex-Freundinnen? Habe ich einmal damit angefangen, kann ich nicht mehr aufhören. Aha, mit der war er also im Urlaub und mit der anderen geht er gerne Eis essen. Ich reiße ihr demnächst alle Haare aus! Ups, sorry, manche Gedanken sollten vielleicht doch nicht aufgeschrieben werden. Ich bin kein eifersüchtiger Mensch, aber bei mir führen solche Situationen gerne mal zu Selbstzweifeln. Wenn er normalerweise nur mit solchen Instagram-Models rumhängt, was will er dann mit mir? Ich glaube, man bescheißt sich sehr gerne selbst, wenn es in so einer Situation um die Attraktivitätseinschätzung anderer Menschen geht. Gerade die geschönten Facebookpersönlichkeiten, sehen vermutlich im realen Leben mitnichten so sexy und unwiderstehlich aus, wie ich sie in diesen Momenten wahrnehme. Doch jedes perfekte filtergepushte Selfie nährt die Selbstzweifel in mir. Da kann ich nicht mithalten! Im Vergleich sehe ich ein kleines graues Entchen vor dem Rechner sitzen, welches sich durch die vorhandenen Speckringe kaum mehr fortbewegen kann. Irgendwann wird er das merken und mich gegen so ein möchtegern-Model austauschen. Eigentlich, hab ich da gar keine Chance! Eigentlich, ist das sowieso alles sinnlos. Ich hasse mein Hirn dafür, dass es mir so etwas einredet. Bin ich doch normalerweise das Selbstbewusstsein in Person.

Dass ich toll bin, muss man mir normalerweise nicht noch aufs Brot schmieren. Zumindest nicht so lange, bis ich mich ernsthaft für einen Mann interessiere. Früher, als Facebook noch Quark im Schaufenster war, wusste man wenig über das Objekt der Begierde, und das war gut so! Man hatte keine dummen Selfies im Kopf, zu denen man sich noch eine besonders romantische Randgeschichte ausdachte. Ein Kopfkino, welches wenig Material hat, produziert gottseidank nur kurze Filme. In diesem Sinne kann ich sagen: Danke für nichts liebes Facebook! Wegen dir quälen mich nun Selbstzweifel! Es ist wie eine Sucht, ständig die Profile der möglichen Konkurrenz auszuchecken. Es ist ekelhaft. Es fühlt sich auch ekelhaft an. Doch ich kann es nicht lassen. Es ist ein bisschen wie in „Anleitung zum Unglücklich sein“ von Paul Watzlawick. Ein Mann redet sich so lange ein, dass sein Nachbar ihm sicherlich keinen Hammer leihen würde, bis er fest davon überzeugt ist. Er steht nun vor der Tür des nichtsahnenden Nachbarn von gegenüber und brüllt: „Ich will deinen Hammer nicht! Du kannst deinen verdammten Hammer behalten!“. Also liebe Männer: Ihr könnt eure Tussenfreundinnen behalten! Ich bin nicht instagramgefiltert, nicht Make-Up zugekleistert, nicht geselfiestickt, nicht Germanys Next Topmodel.

Tja liebes Laptop, das hättest du dir überlegen sollen, bevor du mich hast stalken lassen. Nun beschwer dich nicht, dass du nicht besonders gut fliegen kannst.

10 Gedanken zu „Ihr könnt eure Tussenfreundinnen behalten! Ich bin nicht instagramgefiltert, nicht Make-Up zugekleistert, nicht geselfiestickt, nicht Germanys Next Topmodel.

  1. dosenkunst sagt:

    Das arme Notebook, da muss man sich wohl Sorgen machen. 🙂
    Ansonsten der erste Gedanke der mir einfiel: Vielleicht einen Freund suchen, der weniger bei Facebook Selfies mit anderen postet und dafür deine Gedanken zum Thema mit dir diskutiert? Aber dieser Rat hilftwahrscheinlich genausoviel wie: Das Notebook braucht Gesellschaft, schick das Smartphone hinterher…… 😉

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