Das nächste große Partnersuche-Ding: Facebook Dating

Facebook ist tot! So lautet zumindest eine weit verbreitete Meinung, wenn es um den Marktführer in den sozialen Medien geht. Wenn ich mir meine Timeline so anschaue, könnte ich in die Versuchung kommen, diese Meinung zu teilen. Viel Werbung, wenig Inhalte. Dass Facebook trotz alledem weiterhin steigende Nutzerzahlen ausweist und auch die Anzahl der aktiven Nutzer, also derjenigen, die sich regelmäßig in dem sozialen Netzwerk anmelden, zumindest konstant ist, hat einen Grund: die ständige Weiterentwicklung Facebooks.

Das nächste große Facebook-Ding steht in den Startlöchern: Die Datingfunktion

Veränderte Algorithmen, die sich noch besser an unsere Interessen anpassen, der Zukauf von Plattformen wie WhatsApp und Instagram, all diese Veränderungen sind es, die dafür sorgen, dass wir weiterhin auf „Gefällt mir“ drücken, oder unseren Freunden in der Timeline zum Geburtstag gratulieren. Das nächste große Facebook-Ding steht schon in den Startlöchern: die Datingfunktion.

Die perfekte Nutzerbasis für die Suche nach dem perfekten Partner

23 Millionen Menschen in Deutschland nutzen Facebook täglich. Kein anderes soziales Netzwerk hat eine solche breitflächige Durchdringung in fast allen Alters- und Bildungsschichten. Ja sogar meine Großtante mit ihren über 70 Jahren liked meine Katzenbilder. So scheint es der einzig schlüssige Schritt, diese Nutzerbasis für etwas ziemlich sinnvolles zu nutzen: zum Suchen und Finden des perfekten Partners.

Andere digitale Partnersuchen haben eine eingeschränkte Zielgruppe

Klar, es gibt zich Möglichkeiten, um im Internet sein perfect Match zu finden. Allein tinder erreicht Millionen von Singles und die, die es bald werden wollen. Doch das Problem ist: Partnerbörsen, Datingapps oder die ganzen anderen digitalen Spielereien zum Kennenlernen haben einen gewaltigen Nachteil: sie sind nur für eine bestimmte Ziel- und Altersgruppe ausgelegt. Wenn ich meinen Traumpartner auf tinder suche, kann es durchaus sein, dass sich dieser gerade auf Parship angemeldet hat. Das Ergebnis ist, dass wir uns wohl nie matchen werden, da wir auf zwei unterschiedlichen Kanälen unterwegs sind.

Facebook-Dating bietet eine geringe Einstiegshürde

Warum die Facebook Datingfunktion dies verhindern kann? Weil die Nutzerbasis viel höher ist. Besonders für Menschen im gehobenen Alter ist das ein großer Vorteil. Das Misstrauen gegenüber Partnervermittlungen oder Datingapps ist in der Altersgruppe Ü50 viel ausgeprägter, als in meiner Generation. Auf Facebook sind die allermeisten jedoch trotzdem angemeldet. Die Einstiegshürde für den neuen Service ist somit denkbar gering.

Wir waren vor 5 Jahren auf dem gleichen Konzert? Facebook weiß es

Schon die Erstellung eines Datingprofils wird kinderleicht. Ein Foto? Haben wir auf Facebook schon. Alter, Lieblingsfilm, Musikgeschmack….all das ist den Algorithmen schon bekannt, sodass wir keinen großen Aufwand haben, ein geeignetes Profil anzulegen. Anhand der großen Datenbasis, die Facebook über die Jahre gesammelt hat, wird es für den Algorithmus ein leichtes, einen für uns möglicherweise passenden Partner herauszufiltern. Das zukünftige Match war vor 5 Jahren auf dem gleichen Konzert wie wir? Facebook weiß es. Das zukünftige Match ist über zwei Ecken mit unserem Freundeskreis verbandelt? Auch das sind Informationen, die Facebook locker aus dem Hut zaubern kann. Wir können also davon ausgehen, dass die Qualität der Partnervorschläge hoch sein wird. Und das sorgt dafür, dass wir keine unnötige Zeit mit unpassenden Kandidat*innen verschwenden. Unsere Facebook-Freunde bekommen von unseren Datingaktivitäten natürlich nichts mit, da das Datingprofil für sie nicht sichtbar ist.

Mein Funktions-Favorit: Secret Crushes

Was aber, wenn wir mit unserem heimlichen Schwarm schon digital verbunden sind, uns aber nicht trauen, unsere Gefühle zu gestehen? Genau für diesen Fall hat Facebook die für mich spannendste Funktion im Ärmel: Secret Crushes. Mit der Secret Crushes-Funktion können wir die Menschen aus unserer Freundesliste markieren, in die wir ganz heimlich ein bisschen verknallt sind. Das hat so lange keine Auswirkungen, bis der heimliche Schwarm es uns gleichtut. Facebook verschickt nämlich erst dann eine Information, wenn sich zwei Menschen gegenseitig als Schwarm markieren.

Du findest die Facebook Datingfunktionen genauso spannend wie ich? Dann musst du dich leider noch gemeinsam mit mir ein bisschen gedulden. In einigen Ländern ist Facebook Dating zwar schon verfügbar, aber Deutschland hängt wie immer ein bisschen hinterher. Geplant ist eine Veröffentlichung für Anfang 2020, aber wer Facebook kennt, der weiß: die Plattform ist täglich im Wandel. Auf ein bestimmtes Datum würde ich mich also nicht festnageln lassen. Es bleibt also spannend.

Das ist doch Hype von gestern – Was die Schnelllebigkeit mit mir macht

Dieser Artikel erschien zuerst bei der HuffingtonPost. Durch die Abschaltung der deutschen Ausgabe der HuffingtonPost zieht er nun zur Autorin „zurück“

Jeden Tag verbringe ich gefühlte Stunden damit, aktuelle News zu lesen. Ich forste mich von der Zeit, zur F.A.Z. über die Welt, bis zur Süddeutschen. Hinzu kommen diverse Links, die ich durch Teilungen meiner Freunde auf Facebook anklicke. An mir geht keine neue Entwicklung, kein Hype vorbei.

Manchmal habe ich allerdings das Gefühl, ich würde mich durch diese Informationsflut selbst überholen. Was ich gestern noch als Hip und neu empfand, geht mir durch den stetigen Input der immer gleichen Informationen morgen schon wieder gehörig auf den Geist. Kenn ich schon, hab ich schon, gibt’s nichts neues?

Jim Pandzko als Beispiel für die Schnelllebigkeit des heutigen Hypes

In meiner Jugend, es waren die fantastischen 90er, dauerte es, bis sich ein Hype wirklich durchsetzte. Es dauerte, bis alle ein bunt leuchtendes Jojo besaßen. Es dauerte, bis jeder einmal den neuen Song gehört hatte, der gerade die Charts stürmte. Damals entdeckte ich durch Chartshows neue Musik. Alles ging entspannt seinen Gang, früher oder später. Heute kann ich die Songs, die eine Chart-Platzierung erreichen, schon lange nicht mehr hören. Nehmen wir das Beispiel Jim Pandzko feat. Jan Böhmermann mit ihrem Hit „Menschen Leben Tanzen Welt“. Ich gehörte zu den Ersten, die durch die Mediathek-Ausstrahlung des Neo Magazins Royal in den Genuss dieses wahrhaft künstlerischen Musikstückes kamen. Es dauerte keine zwei Stunden, bis sich meine Timeline mit Pandzkos YouTube-Video füllte. Ich fühlte mich wie im Rausch, während ich das Internet nach Reaktionen zu Böhmermanns Coup durchsuchte. Er trendete auf twitter, erstellte sogar einen eigenen Account, um die Vermarktung des Songs anzutreiben.

Kennst du nicht? Du lebst wohl hinterm Mond

Es war Donnerstag-Abend und ich summte Menschen Leben Tanzen Welt, als wäre es der neueste Michael Jackson Hit. Doch schon am nächsten Tag ging mir das ganze Tara auf die Nerven. Nicht der Song, sondern die vielen Reaktionen darauf waren es, die mir nur ein Augenrollen entlockten. Ja liebe Welt, hast du es auch schon mitbekommen? Da gibt’s ein tolles Lied und so…gähn. Es war nicht einmal 15 Stunden her, dass der Hype begann, für mich war er jedoch schon wieder vorbei. Als ich eine Woche später während einer Party den Musikwunsch „Menschen Leben Tanzen Welt“ äußerte, schaute mich der DJ fragend an. Jim Pandzko? Ham wa nich. Ich war schockiert. Ich unterstellte dem Plattenmann mangelnden Musikgeschmack und wendete mich beleidigt ab.

Für mich waren all diejenigen, die erst Tage später auf diesen Hype stießen, irgendwie hinterm Mond. Die Begeisterung, die Böhmermanns Aktion in den folgenden Tagen auslöste, empfand ich nur noch als öde. Am liebsten hätte ich den Medien, welche nun auch langsam anfingen zu berichten, ein lustloses: „Na ihr seid ja von der ganz schnellen Sorte.“, hinterhergeworfen.

Ich brauche Input, um mich nicht mit mir beschäftigen zu müssen

Ist diese Schnelllebigkeit nicht bedenklich? Erledigt sich ein Hype, braucht es schließlich einen neuen, der die Begeisterung der Menschen herauskitzeln kann. Jetzt ist es vielleicht das Coachella Festival, auf dessen Zug alle möglichen Modelabels aufspringen. Gähn, alte Kamellen, habe ich schon gestern etwas drüber gelesen. Die moderne Gesellschaft braucht stetig Futter, um ihre Geschwindigkeit zu halten. Was soll ich auch tun, während ich mit der Bahn zur Arbeit fahre? Ich schaue auf mein Telefon und brauche Input, damit ich mich nicht mit meinen Mitmenschen beschäftigen muss.

Alle diese Hypes lenken ab von dem, was eigentlich wichtig ist: von uns selbst. Beschäftige ich mich mit den neuesten veganen Körner-Schleim-Getränken, bleibt gar keine Zeit, mir mal Gedanken über mein eigenes Leben zu machen.

Zukunftsvision

Wie sich das wohl in Zukunft entwickeln wird? Brauche ich in ein paar Jahren vielleicht alle 3 Stunden einen neuen Hype, um nicht in Langeweile zu verfallen? Weiß ich in 10 Jahren überhaupt noch, welcher angesagte Fruchtsmoothie gerade Instagram flutet, oder ziehen die Hypes so schnell an mir vorbei, dass ich sie gar nicht mehr wahrnehme?

Flamingos, Halsbänder, Einhörner, Pokemon Go, Coachella, Bibi und Tina, Influencer Lisa und Lena… oh je, mir ist schon ganz schwindelig.

 

Wenn Zusagen keine Zusagen mehr sind – Warum ich keine Veranstaltungen mehr auf Facebook erstelle

Meine geliebten Freunde, ihr habt es nicht anders gewollt. Ich gebe auf. Von mir werdet ihr nicht mehr mit Veranstaltungseinladungen genervt, die ihr sowieso nur mit einem „Vielleicht“ oder überhaupt nicht beantwortet. Eine Party zu veranstalten oder die liebsten Menschen im Leben für ein kleines Event zusammenkommen zu lassen, macht mich glücklich. Ich genieße es, dafür zu sorgen, dass diejenigen, die mir wichtig sind, eine tolle Zeit zusammen haben. Seitdem Facebook die Möglichkeit bietet nach Belieben Veranstaltungen zu erstellen, waren wir zusammen aus Escape Rooms flüchten, haben mehrere Schweine und Rinder gegrillt oder einfach nur ordentlich abgefeiert. Rückblickend betrachtet, scheint die Veranstaltungsfunktion auf Facebook mein Leben sehr bereichert zu haben. Doch das ist ein Trugschluss. Vor ausufernden Grillabenden und feucht fröhlichen Geburtstagspartys verbreitete sich Unsicherheit.

Die 3 Stufen der Verzweiflung

Erstellt man eine private Veranstaltung auf der größten Social Media Plattform, gibt es drei Stufen der Verzweiflung

  1. Die Einladung: sobald das Event erstellt ist, beginnt das unruhige Grummeln im Bauch. Wie viele Zusagen werde ich erhalten? Hier zählen die ersten 24 Stunden. Wer nach 24 Stunden noch nicht zu- oder abgesagt hat, den kann man für die Veranstaltung eigentlich so gut wie vergessen
  2. Die Erinnerung: einige Tage bevor das Event starten soll, ist Facebook so lieb und erinnert daran, dass man demnächst etwas vorhaben könnte. Dieser Moment ist die nächste Stufe auf der Bauchgrummel-Skala. Wer sich bis jetzt noch nicht entschieden hat, ob er sich die Zeit nehmen möchte, der klickt nun auf den entsprechenden Button. Mit großer Wahrscheinlichkeit übrigens „Absage“.
  3. Die Stunde davor: Die grausamste Zeit vor dem Beginn einer eigenen Veranstaltung ist die Stunde davor. Voll in den Vorbereitungen steckend, steigt die Anspannung. Wie viele Gäste wohl zu erwarten sind? Nur mal schnell checken, wie viele Zusagen man erhalten hat. Sich kurz vor Beginn des Events auf Facebook einzuloggen, ist übrigens gar keine gute Idee. Plötzlich sinkt die Zahl der teilnehmenden Gäste und die Kommentare zu den getätigten Absagen steigen. „Sorry, bin krank.“, „Bin gerade im Urlaub.“, „Ach, das war heute?“, sind nur einige Aussagen, die die Verzweiflungsskala in ungeahnte Höhen treiben.

Was nach diesen drei Stufen der Verzweiflung folgt, ist Resignation und der feste Glaube, die Party alleine feiern zu müssen.

„Vielleicht“ ist ein höflich gemeintes „leider nicht“

Kann man diesem 3-Stufen-Modell aus dem Weg gehen? Nein. Was habe ich nicht alles versucht. Ich habe die Einladungen ein Jahr vorher verschickt, um sicherzustellen, dass sich alle Gäste den Termin freihalten können. Ich habe regelmäßig witzige Erinnerungen verschickt, um die Vorfreude zu erhöhen. Gebracht hat das alles nichts. Am Ende hatte ich für die letzte von mir eingestellte Veranstaltung knapp 30 Zusagen, 40 Vielleicht und 80 Eingeladene, die gar nicht reagierten. Unter den 30 Zusagen waren mindestens 10 Personen, von denen ich wusste, dass sie zum Zeitpunkt der Veranstaltung gar nicht im Land waren. Aus meinen Erfahrungen heraus war mir ebenfalls bewusst, dass die 40 „Vielleicht“ höflich gemeinte „leider nicht“ bedeuteten. Die einzige große Unbekannte waren die lieben Menschen, die gar nicht reagiert hatten. Nachdem ich die 3-Stufen der Verzweiflung durchlaufen hatten, war meine Laune im Keller. Ich stand neben einem liebevoll aufgebauten Buffet, über mir eine Partydeko, die die Location in eine kleine Traumwelt verwandelte. In meinem Kopf spielten sich gruselige Szenen ab. Kugelrund gefressen würde ich ganz allein neben leeren Nudelsalatschüsseln liegen, mit einem halb leeren Gin Tonic in der Hand. Ich würde mich fragen, womit ich das eigentlich verdient hätte. War ich die letzten Jahre keine gute Freundin gewesen? Ich zweifelte an mir als Gastgeberin, ich zweifelte an meinen Mitmenschen.

Zuverlässig scheinen genau die, die sich nicht der Social Media Welt ergeben

Von den erwarteten und erhofften 50 Gästen, erschienen am Ende um die 30. Ca 10 davon hatten im Vorfeld zugesagt. Der Rest war dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass es auch abseits von Social Media Menschen gab, die so eine besondere gemeinsame Zeit zu schätzen wussten. War wirklich niemandem bewusst, welche Phasen der Verzweiflung ich zuvor durchmachen musste? Rechnete jeder Eingeladene damit, dass die anderen schon für eine gute Veranstaltung sorgen würden? Ich habe keine Lust mehr auf unzählige „Vielleicht“, keine Lust mehr auf kurzfristige Absagen, keine Lust mehr auf die latente Angst, am Ende allein dazustehen. Meine geliebten Freunde, ihr habt es nicht anders gewollt. Ich gebe auf. Von mir werdet ihr nicht mehr mit Veranstaltungseinladungen genervt, die ihr sowieso nicht beantwortet.

Ihr könnt eure Tussenfreundinnen behalten! Ich bin nicht instagramgefiltert, nicht Make-Up zugekleistert, nicht geselfiestickt, nicht Germanys Next Topmodel.

Ich hasse soziale Medien! Ich hasse sie wirklich! Manchmal könnte ich meinen Computer einfach so aus dem Fenster feuern. Bei 5 Etagen Fallhöhe, hat er schließlich genug Zeit sich zu überlegen, was er denn falsch gemacht hätte. Mit hoch rotem Kopf starre ich auf das geöffnete Facebookfenster und weiß nicht, ob ich ein psychisches Problem habe, oder einfach nur eine typische Frau bin. Ich stalke. Ich stalke mit Leidenschaft. Vor mir ist keine Person sicher, für die ich mich interessiere. In den letzten Jahren habe ich das Stalken perfektioniert. Namen bei google suchen, da lache ich doch drüber! Ich kenne gefühlt jede kleine hinterste Ecke des Internets, in der sich Informationen finden lassen. Das schützt mich natürlich vor Menschen die vorgeben etwas zu sein, es aber nicht sind. Soweit, so gut. Aber seitdem es Facebook gibt, ist stalken zu einfach geworden. Heute schaue ich mir das Profil eines Menschen an und weiß tendenziell so ziemlich alles, was es zu wissen gibt. Es ist zum kotzen! Nicht weil es mir den Spaß am Durchforsten des Internets nimmt, sondern weil ich eben so sehr viel finden kann.

Kennt ihr das, wenn ihr jemanden interessant findet und dann versucht aus jeder Kleinigkeit etwas zu schließen? Wann war er wo auf welcher Party und warum überhaupt? Wer sind seine Freunde? Und ganz wichtig: wer sind seine Ex-Freundinnen? Habe ich einmal damit angefangen, kann ich nicht mehr aufhören. Aha, mit der war er also im Urlaub und mit der anderen geht er gerne Eis essen. Ich reiße ihr demnächst alle Haare aus! Ups, sorry, manche Gedanken sollten vielleicht doch nicht aufgeschrieben werden. Ich bin kein eifersüchtiger Mensch, aber bei mir führen solche Situationen gerne mal zu Selbstzweifeln. Wenn er normalerweise nur mit solchen Instagram-Models rumhängt, was will er dann mit mir? Ich glaube, man bescheißt sich sehr gerne selbst, wenn es in so einer Situation um die Attraktivitätseinschätzung anderer Menschen geht. Gerade die geschönten Facebookpersönlichkeiten, sehen vermutlich im realen Leben mitnichten so sexy und unwiderstehlich aus, wie ich sie in diesen Momenten wahrnehme. Doch jedes perfekte filtergepushte Selfie nährt die Selbstzweifel in mir. Da kann ich nicht mithalten! Im Vergleich sehe ich ein kleines graues Entchen vor dem Rechner sitzen, welches sich durch die vorhandenen Speckringe kaum mehr fortbewegen kann. Irgendwann wird er das merken und mich gegen so ein möchtegern-Model austauschen. Eigentlich, hab ich da gar keine Chance! Eigentlich, ist das sowieso alles sinnlos. Ich hasse mein Hirn dafür, dass es mir so etwas einredet. Bin ich doch normalerweise das Selbstbewusstsein in Person.

Dass ich toll bin, muss man mir normalerweise nicht noch aufs Brot schmieren. Zumindest nicht so lange, bis ich mich ernsthaft für einen Mann interessiere. Früher, als Facebook noch Quark im Schaufenster war, wusste man wenig über das Objekt der Begierde, und das war gut so! Man hatte keine dummen Selfies im Kopf, zu denen man sich noch eine besonders romantische Randgeschichte ausdachte. Ein Kopfkino, welches wenig Material hat, produziert gottseidank nur kurze Filme. In diesem Sinne kann ich sagen: Danke für nichts liebes Facebook! Wegen dir quälen mich nun Selbstzweifel! Es ist wie eine Sucht, ständig die Profile der möglichen Konkurrenz auszuchecken. Es ist ekelhaft. Es fühlt sich auch ekelhaft an. Doch ich kann es nicht lassen. Es ist ein bisschen wie in „Anleitung zum Unglücklich sein“ von Paul Watzlawick. Ein Mann redet sich so lange ein, dass sein Nachbar ihm sicherlich keinen Hammer leihen würde, bis er fest davon überzeugt ist. Er steht nun vor der Tür des nichtsahnenden Nachbarn von gegenüber und brüllt: „Ich will deinen Hammer nicht! Du kannst deinen verdammten Hammer behalten!“. Also liebe Männer: Ihr könnt eure Tussenfreundinnen behalten! Ich bin nicht instagramgefiltert, nicht Make-Up zugekleistert, nicht geselfiestickt, nicht Germanys Next Topmodel.

Tja liebes Laptop, das hättest du dir überlegen sollen, bevor du mich hast stalken lassen. Nun beschwer dich nicht, dass du nicht besonders gut fliegen kannst.