Mein Leben ist ein konfettidekorierter Taxistand – Julia Engelmann im Waschhaus

Eines muss ich zugeben, ich war nicht vorbereitet! Normalerweise recherchiere ich vor Konzerten oder Veranstaltungen, was auf mich zukommen wird. Ich muss schließlich informiert sein! Werde ich lachen? Muss ich vielleicht weinen? Planung ist alles! Das habe ich diesmal etwas vernachlässigt. Gottseidank! Als ich mich auf meinen, zugegebenermaßen sehr unbequemen Stuhl im Waschhaus Potsdam setzte, verschränkte ich erstmal die Arme. Na mal schauen, was da kommen mag, dachte ich. Auf die Bühne kam Julia Engelmann, bekannte Poetrie Slammerin aus Bremen. Sie wirkte zu Beginn etwas verloren vor der liebevoll gestalteten Dekoration. Viel zu schnell warf Julia mich ins Geschehen, indem sie direkt mit einem Text loslegte. „Na das kann ja was werden“, dachte ich. Bei ihren ersten Zeilen, kam ich gedanklich einfach nicht hinterher. Mir fehlte die Ruhe, ihr fehlte die Ruhe. Doch als sie kurz danach zur Gitarre griff, entfaltete der Abend so langsam seine Magie und begann mich an die Stuhl zu fesseln. „Viva la vida“ von Coldplay war wie geschaffen für die Atmosphäre im Saal. Gespannt lauschte das Publikum Julias engelsgleicher Stimme. Ich habe zwar vermutet, dass sie relativ musikalisch sein muss, aber mit solch einer Stimmgewalt, hatte ich nicht gerechnet. Als sie nach der Gesangseinlage mit den Zeilen „Ich kann allein sein“ fortfuhr, war ich komplett gefangen. Ihre Worte hallten in meinem Kopf wie ein Mantra, welches sich ins Hirn einbrennt. Plötzlich fühlte sich der Veranstaltungssaal leer an, nur Julia und ich. Das von ihr geworfene Konfetti verlieh der Stimmung etwas festliches, aber auch etwas Denkwürdiges.

Witzige Anekdoten wurden von tiefgreifenden Momenten abgelöst. Ihre Fragerunde machte den Abend so persönlich, wie ich es auf ähnlichen Veranstaltungen selten erlebt habe. Mein Leben ist ein Taxistand, der glamouröseste, aufregendste und schönste! Da hast du Recht, liebe Julia.

Der Song „Vorschlussliebe“, schien allein auf mein Liebesleben zu referieren. Das war mir vorher gar nicht so bewusst, aber dazu sind solche Veranstaltungen ja da: mal nachdenken, mal fallen lassen, mal sich selbst erkennen. „Lass mal ne Nacht drüber tanzen!“, war meine Weisheit des Abends. Und am Ende wird alles gut, am Ende gräbt das Eichhörnchen nicht mehr an seinem Pfötchen nach einer Nuss. Am Ende steht der Saal applaudierend und gerührt vor einer extrem tollen Künstlerin, die das schafft, was sie sich vorgenommen hat: Etwas zu sagen! Und nicht nur etwas zu sagen, sondern das zu sagen, was uns bewegt. Liebe Julia, auch wenn du es von der Bühne aus nicht mitbekommen hast, der Saal hat gelacht, der Saal hat geweint, es roch nach arbeitenden Gehirnen. „One Day baby we’ll be old…“, und denken an all die tollen Geschichten, die wir über diesen Abend erzählen werden. Danke dafür!

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