Vom Umgang mit (fast) fremder Kritik am eigenen Partner

Ich liebe meinen Freundeskreis. Ich liebe ihn für seine Herzlichkeit, seine Geduld mit mir und vor allem: für seine Ehrlichkeit. Lernte ich während meiner Single-Zeit einen potenziellen Partner kennen, wurden mir die Meinungen meiner Freunde radikal aufs Brot geschmiert. Zu alt, zu dumm, zu arrogant, zu hässlich…ich könnte die Aufzählung noch lange fortführen. Auch wenn diese ehrlichen Meinungsbekundungen mich das ein oder andere Mal hart trafen, sie sollten sich in 99% der Fälle als wahr erweisen. Man könnte behaupten, mein Freundeskreis hat sozusagen zum Gelingen meiner derzeitigen Beziehung beigetragen. Wenn sich in den letzten Monaten nicht eine weniger angenehme Entwicklung gezeigt hätte.

Was, wenn Eigenschaften, Ansichten oder Verhaltensweisen des Partners auf Missfallen im Freundeskreis stoßen?

Es gibt Menschen, denen wir an der Nasenspitze ansehen, ob wir mit ihnen Pferde stehlen könnten. Sie sind uns einfach von Grund auf sympathisch. Das trifft auf die wenigsten Kontakte zu, die wir eingehen. Meist braucht es Zeit, um Vertrauen zu fassen und das Gegenüber richtig einschätzen zu können. Der sogenannte zweite Blick ist es, der auf Dauer entscheidet. Soweit so gut. Was aber, wenn der zweite Blick des Freundeskreises Aspekte am geliebten Partner ergibt, die kritikwürdig scheinen? Eine Eigenschaft, die auf Missfallen stößt, eine politische Ansicht, die Diskussionen auslöst, oder eine Verhaltensweise, die zu Beginn unbemerkt blieb. Was, wenn der Freundeskreis plötzlich Kritik an dem Menschen äußert, den man am liebsten hat?

Kritik? Die äußerte ich sonst eher selbst

Als mich ein guter Freund darauf hinwies, dass er gewisse Eigenschaften meines Herzblattes eher wenig zu schätzen wusste, entwickelte sich ein ungutes Gefühl in meiner Magengegend. Es war ein Angriff auf meinen Partner, meine Beziehung und indirekt auch mich. Ich war der Kritik, die mir gegenüber geäußert wurde, mich aber nicht direkt betraf, ziemlich hilflos ausgeliefert. Die Situation war mir neu. In früheren Beziehungen war meist ich es, die in vertraulichen Gesprächen mit engen Freunden das ansprach, was mich an meinem Partner störte. Gelegentlich stieß ich auf Zustimmung, aber proaktiv kritisch wurde damals niemand in meinem Freundeskreis.

Ich saß zwischen den Stühlen

Da saß ich nun, mit dem unguten Gefühl im Bauch und überlegte, wie ich auf diesen indirekten Angriff reagieren sollte. Zwischen den Stühlen sitzend, wusste ich weder ein noch aus. Auf welche Seite sollte ich mich schlagen? Die meines Freundeskreises, oder die meines Herzblattes? Ich hatte die Möglichkeit, direkt in die Verteidigungshaltung zu springen und zu versuchen, alle Vorwürfe abzuschmettern. Ich hatte die Möglichkeit, die Kritik zu übergehen und somit zu ignorieren. Am Ende meiner Überlegungen entschied ich mich jedoch dafür, die Hinweise ernst zu nehmen, schließlich kamen sie nicht von irgendwem, sondern von jemandem, dem ich zutiefst vertraute. Ich hinterfragte in mir selbst, ob das kritikwürdige Verhalten auch mit meinen Erfahrungen und Beobachtungen übereinstimmte. Ganz unberechtigt war diese Kritik nicht, stellte ich fest. Trotzdem lag es mir fern, in dieser Situation nur ein schlechtes Wort über mein Herzblatt zu verlieren.

Kritik an meinem Partner als Übermittlerin überbringen? Nicht mein Job!

Ich ging den für mich an dieser Stelle einzig richtig erscheinenden Schritt, ich drückte der Diskussion einen „Für diesen Arbeitsbereich bin ich leider nicht zuständig“-Stempel auf. „Äußere deine Kritik bitte direkt bei der Zielperson.“, empfahl ich sachlich. Ich bin zwar diejenige, die mit dem angesprochenen Verhalten größtenteils zurechtkommen muss, aber das ist gelinde gesagt mein Problem. Für eine Änderung sollte sich mein Freundeskreis direkt an den Verursacher wenden. Denn: auch wenn ich mein Leben gemeinsam mit einem Menschen verbringe, bin ich nicht für sein Verhalten verantwortlich. Noch weniger bin ich eine Übermittlerin von Kritik. Als Übermittlerin zu agieren, das wäre wohl das Schlimmste, was ich in dieser Situation tun könnte. Meinem Herzblatt von den Anmerkungen der anderen erzählen, oder sie unter den Teppich kehren? Eine diesbezügliche Entscheidung hatte ich schnell getroffen. Das was zwischen mir uns meinen langjährigen Vertrauenspersonen passiert, bleibt dort. Dies ist ein Zeichen von Respekt der Freundschaft gegenüber. Ich zog mich somit aus der Verantwortung, fühlte mich damit aber schlagartig besser.

Weder Verteidigung, noch Angriff oder sogar Flucht sind passende Reaktionen auf Kritik am Partner, die von Freunden geäußert wird. Lieber überdenken, an welcher Stelle die Kritik platziert wird. Für das nächste Mal sollte ich mir vielleicht ein passendes Umhängeschild anschaffen: „Heute wegen fehlender Zuständigkeit leider geschlossen.“

Kein Alkohol? Schwanger! – Wie der Griff zur Pulle mir lästige Fragen erspart

Es gibt einen entscheidenden Moment, wenn man als kinderlose Frau um die 30 mit Freunden oder der Familie verabredet ist. Der, sobald die ersten Getränke bestellt werden, die erste Flasche Sekt zur Feier des Tages geöffnet wird. Die Blicke verändern sich, greift Frau nicht direkt zum promillehaltigen Glas. Es sind prüfende Blicke, die meinen Körper abscannen. Sie bleiben kurz an meiner Bauchregion hängen, um die auch noch so kleinste neue Wölbung zu entdecken. Ich komme mir dabei manchmal so vor, als wäre ich in einem kleinen Zoogehege ausgestellt. Beäugt wie eine Affendame, auf deren Trächtigkeit gewartet wird. Na, greift das Weibchen zum Zellgift, oder schützt es das noch geheime Ungeborene?

Schwanger oder nicht Schwanger

Schwanger oder nicht schwanger, diese Frage wird in Geselligkeit durch die Getränkewahl bestimmt. Noch vor einigen Jahren war es für andere durchaus plausibel, wenn ich Bier, Sekt und Schnaps aufgrund von Medikamenteneinnahme oder einem angeschlagenen Magen ablehnte. Mag halt nicht, vollkommen okay. Meine Gesundheit stand im Vordergrund des Interesses. Dieses Bild hat sich schlagartig geändert, seitdem ich „alt genug“ und vergeben bin. Um die 30, in einer stabilen Partnerschaft = müsste in kürzester Zeit Mama werden.

Sollte ich den Zugang zu meiner Zyklus-App teilen?

Vor einigen Jahrzehnten war es normal erst zu heiraten und dann den Familienplan in die Hand zu nehmen. Eine klare Zeitabfolge, die nur Mutige durchkreuzten. Heutzutage gelten keine Regeln mehr. Es könnte immer so weit sein. In meinem Umfeld gibt es tatsächlich Menschen, die sich alle paar Wochen über den Zustand meiner Gebärmutter informieren möchten. „Und, hats geklappt?“, werde ich in regelmäßigen Abständen gefragt. Ich war schon kurz davor, den Zugang zu meiner Zyklus-App zu teilen, um Interessierte täglich informiert zu halten. Oder alle paar Wochen auf einen Schwangerschaftstest pinkeln und das Bild auf Facebook und Instagram teilen? Gruselige Vorstellung.

Mein Körper gehört mir!

Wann zum Teufel ist der Zustand meiner Gebärmutter zum Allgemeingut geworden? Zur Information, die für Freunde und Familie so relevant ist, wie die aktuelle Zeitungsausgabe? Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie andere Frauen unter diesem Gesellschaftsdruck überhaupt in der Lage sind, ihren Körper auf Kinderwunsch einzustellen. Was macht es mit ihnen, wenn es Monat für Monat wieder nicht klappt? Wenn sie Monat für Monat wieder mit dem Kopf schütteln müssen, sobald die regelmäßige Statusabfrage des Umfeldes erfolgt? Es hat doch einen guten Grund, dass die Befruchtungsprozesse innerhalb des Körpers, für die Mitmenschen verborgen, stattfinden. Mein Körper gehört mir, und damit alles, was darin vorgeht.

Die Spannung löst sich, sobald alle gebärfähigen Damen am Alkohol genippt haben

Seitdem ich mich bei der Getränkeauswahl gaffenden Blicken ausgesetzt fühle, bestelle ich Alkohol. Immer. Egal, ob mir danach der Magen kneift, oder ob ich eigentlich mehr Bock auf Limo habe. Mindestens ein Getränk des Abends muss promillehaltig sein. Das macht mir das Leben leichter. Es verhindert Gespräche, die ich nicht führen möchte. Interessant zu sehen ist, wie sich plötzlich jegliche Anspannung bei einer Veranstaltung löst, sobald alle gebärfähigen Damen der Runde zumindest einmal am Alkohol genippt haben. Ach, wobei, nippen reicht nicht. „Du hast doch gar nicht richtig getrunken.“ Meine Reaktion? Ein großer Schluck aus dem Glas. Bitteschön, gern geschehen, nächste Nachfrage erst in einigen Wochen notwendig.

Samenspende vom besten Kumpel: „Freunde sind die besseren Eltern“ – SPIEGEL ONLINE – Leben und Lernen

Ganz ehrlich, wenn ich nicht vergeben wäre, ein Baby mit einem guten Freund könnte ich mir durchaus vorstellen. Ob nun Samenspende oder eine Freundschaft als Basis für eine gemeinsame Erziehung, wer sagt, dass das nicht genauso gut funktioniert? Liebe existiert schließlich nicht nur innerhalb von Beziehungen. Ganz lieben Dank übrigens an meinen hartgesottenen Freundeskreis, der demnächst wahrscheinlich nicht mehr mit mir spricht, weil ich jedes Zitat für Artikel verwenden könnte 😉

Samenspende vom besten Kumpel: „Freunde sind die besseren Eltern“ – SPIEGEL ONLINE – Leben und Lernen

Samenspende vom besten Kumpel: „Freunde sind die besseren Eltern“ – SPIEGEL ONLINE – Leben und Lernen

Mutter, Vater, Kind, und alle lieben sich? Jule , 29, und ihre Freunde glauben nicht mehr an das Modell der klassischen Familie. Nachwuchs hätten sie trotzdem gern. Co-Parenting heißt ihre Lösung.

Source: www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/co-parenting-wenn-freunde-mit-samenspende-eltern-werden-a-1176170.html

Von Feierei zu Langweilerei – Meine Freunde mutieren zu Couchpotatoes

Wir lebten das Stereotyp der sorglosen Jugend, füllten die Clubs und ergänzten die Mate, die wir sonst im Büro tranken, einfach mit ein paar cl Schnaps. Doch plötzlich begann eine für mich besorgniserregende Entwicklung.

Wollte ich für meine Wochenend-Partyplanung wissen was in der Umgebung ansteht, habe ich in die WhatsApp Gruppe „Feierei“ geschaut. Dort fanden sich diejenigen aus meinem Freundeskreis zusammen, die schon seit Jahren regelmäßig „einen drauf“ machten. Durchgefeierte Nächte, gemeinsame Katerfrühstücke, wie es sich für 20-Somethings nun einmal gehört, haben wir uns ordentlich ruiniert.

Aus Eskalation wird “ruhiger Abend auf der Couch”

Es war Freitagabend und der Name unserer Feier-Gruppe leuchtete nicht auf meinem Telefon auf. Keine Verabredungsanfragen, keine Partyvorschläge. Als ich mich nach der Lebendigkeit der Gruppenmitglieder erkundigte, stellte ich erschreckendes fest: sie wollten einen „ruhigen Abend auf der Couch“ verbringen. Na gut, irgendwann muss sich der Körper von den Exzessen erholen, dachte ich und bleib frohen Mutes, spätestens am darauffolgenden Wochenende wieder um die Häuser ziehen zu können. Doch auch 7 Tage darauf war das Erholungsbedürfnis meiner Mitmenschen anscheinend höher, als der Wunsch einen aufregenden Abend zu erleben. In diesem Moment fiel mir schlagartig auf, was sich schon über die letzten Monate angedeutet hatte: mein Freundeskreis wurde erwachsen. Als ersten Akt der Verzweiflung, änderte ich den WhatsApp-Gruppennamen in „Langweilerei“, damit jeder wusste, mit was für Menschen er es hier zu tun hatte.

Aus Partytieren werden Couchpotatoes

Rückblickend betrachtet war es ein schleichender Prozess, der aus Partytieren Couchpotatoes werden ließ. Es ging nicht nur mir so. Auch entfernte Bekannte berichteten, dass ihr Umfeld langsam aber stetig zu Sofa-Kartoffeln mutieren, denen Kuscheldecke und Netflix näher liegen, als ein ausgelassener Tanzabend. Hauptgrund für diese Entwicklung ist sicherlich die zunehmende Pärchenbildung. Singles sind einfach feierfreudiger als Paare. Bedingt durch den Durst nach neuen Kontakten und möglichen Flirts, hält es Singles am Wochenende nur dann zu Hause, wenn sie durch Krankheit ans Bett gefesselt sind. Sobald sich jedoch eine Beziehung einstellt, gibt es plötzlich nichts Schöneres als ein gemeinsamer Abend in der Horizontalen.

Meine Couch und ich

Netflix binchen ist das neue Eskalieren. Nur meine Couch, ein Streamingdienst, und ich. Amazon Now liefert den passenden Knabberkram an die Tür, das Leben kann so bequem sein. Habt ihr in letzter Zeit mal in die Regale der Zeitschriftenhändler geschaut? Es herrscht ein regelrechter Boom an Magazinen über das Landleben, heimelige Einrichtungsideen und die neue Häuslichkeit. Wer die Zielgruppe ist? Natürlich wir um die 30er. Und wir nehmen das Angebot dankend an. Es fühlt sich irgendwie nach Erwachsen sein an, wenn man sich am Wochenende mit der Dekoration des Eigenheims beschäftigt, anstatt verkatert das Bett zu hüten. So ein bisschen “Ernst des Lebens” spielen. Mir fehlt bei aller Heimelig- und Gemütlichkeit die Eskalation. Mal durchdrehen, mal 5e gerade sein lassen. Das findet nicht statt zwischen wie im IKEA-Katalog perfekt angeordneten Möbeln. Ich akzeptiere gern, dass das Erwachsenenleben seine Verpflichtungen mit sich bringt, aber steht das im Kontrast zum Ausbrechen, zum frei sein und dies feiern bis die Wolken wieder lila sind? Es sind im Leben doch die Momente, in denen man mit Konfetti geworfen, auf Tischen getanzt und die Gläser zum Himmel gehoben hat, die in Erinnerung bleiben. Nicht die Abende, an denen man vor Netflix ins Land der Träume verschwunden ist.

Liebe “Langweilerei”, vielleicht können wir uns ja einigen: drei Wochenenden Netflix, dafür ein Wochenende eskalieren, bis die Wolken wieder lila sind. Na, ihr “Erwachsenen”, das klingt doch nach einem Deal, oder?

Gibt es auch eine Krankschrift, wenn man sich den „Verkupplungsvirus“ eingefangen hat?

Es gibt eine sehr hartnäckige Krankheit, die vor allem bei Paaren grassiert. Sie entwickelt sich besonders schnell, wenn zwei frisch verliebte Menschen, Singlefreunde haben. Kaum noch zu verhindern ist ihr Ausbruch, wenn beide Parts der Beziehung in ihrem Freundeskreis sogar mehrere Singles vorfinden. Diese Krankheit nennt sich: „Verkupplungswahn“! Na, das kommt mir doch sehr bekannt vor. Es beginnt mit kleinen Anzeichen, der Inkubationszeit sozusagen. Das frische Pärchen tauscht sich über die eigenen Freunde aus und stellt fest, dass Single X doch total gut zu Single Y passen würde. Und dann bricht sie aus! Mit einem diabolischen Lachen begleitet, reiben sich beide Erkrankte die Hände. Zu Beginn werden nur erste Kennenlernschritte der Opfer geplant, aber umso stärker sich das Verkupplungsvirus im Blut der Infizierten ausbreitet, desto abgehobener werden die Vorstellungen. „Wenn X nun Y heiraten würde, dann könnten die beiden ihre Kinder in Kita Z schicken!“. Nein, ich übertreibe nicht! Ich weiß, dass es manchmal ganz abwegige Gründe gibt warum man glaubt, dass zwei Menschen zusammen passen könnten. Als ich mal einen Herren datete, der zufälligerweise den gleichen Nachnamen trug, wie meine beste Freundin, sah ich das als Zeichen. Was solle da schief gehen, wenn ich nach einer Heirat sozusagen ein Familienmitglied der besten Freundin wäre, auch wenn es nur durch den Nachnamen ist?

Der „Wahnsinnigkeitsfaktor“ dieser Krankheit ist allerdings noch nicht erreicht. Ist die Planungsphase abgeschlossen, werden direkt weitere Beteiligte infiziert. Bestenfalls gibt es gemeinsame Bekannte, die sowohl zu X, als auch zu Y, Kontakt haben. Diese werden ausgiebig befragt, um mögliche Gemeinsamkeiten und Hürden schon VOR einem Kennenlernen der beiden auszuarbeiten. Treten mögliche Hürden auf, werden Strategien entwickelt, um diese zu überspringen. Als ich versuchte meine beste Freundin mit einem Veganer zu verkuppeln überlegte ich lange, wie ich nun abchecken könnte, ob ein Pflanzenfresser für sie in Frage kommen würde. Nach einigen alkoholischen Getränken fasste ich mir ein Herz: „Du sag mal, ich habe mich da letztens mit Freunden unterhalten und es kam das Thema auf, ob sie sich vorstellen könnten, eine Beziehung mit einem Veganer zu führen. Wie siehst du das? Kann ich dazu mal deine Meinung haben?“. Ich hielt kurz den Atem an, da ich mir nicht sicher war, ob sie den Braten schon von weitem riechen konnte. „Naja, also ein Ausschlusskriterium wäre das nicht. Dann koche ich halt eine vegane Variante meines Essens, das sollte ja nicht so schwer sein!“. Puh, dachte ich. Glück gehabt! Die erste Hürde war also schon übersprungen. Nun ging es an das Abchecken des Attraktivitätsempfindens der beiden füreinander. Bei Männern ist das ja relativ einfach: „Hey, guck mal hier, ist die heiß?“, führt nicht zu doofen Fragen, sondern wird mit einer kurzen und knappen Antwort bedient. „Yo, die is süß!“, erste Hälfte der Hürde geschafft!

Bei Frauen ist das bedeutend schwieriger. Ich ließ mir Fotos des zu verkuppelnden Herren schicken. Mit einem „Wie findstn den?“, versendete ich sie an meine Freundin. Ich stellte mich auf lange und konkrete Nachfragen ein, welche ganz unüberraschend natürlich auch gestellt wurden: „Süß! Ist das dein Neuer?“. Wenn ich „Neuer“ lese, muss ich immer an diesen dummen Werbespot denken, in dem Manuel Neuer plötzlich auf der Couch eines jungen Herren erscheint. In Anlehnung daran antwortete ich: „Vielleicht ist das gar nicht dein Traummann, sondern Manuel Neuer 😉“. Das hatte gesessen! Nachfragen gab es nun keine mehr. Da ich meine Beste ja nun schon seit über 15 Jahre kenne wusste ich, dass ich es jetzt erst einmal gut sein lassen musste. Interesse war von beiden Seiten bekundet, aber man durfte das Ganze nicht überstrapazieren. Mein Startschuss kam, als ich mit meiner Besten nach einer langen Partynacht an der Bar stand und sie auf einmal anmerkte: „Vielleicht sollte ich den Y ja wirklich einmal kennenlernen.“. Das war das offizielle Go, um in die Akutphase der „Verkupplungskrankheit“ überzugehen. „Darf ich ihm mal deine Handynummer geben?“, fragte ich nach einer angemessenen Ausnüchterungszeit. Als ich eine Bestätigung zurückerhielt, konnte es losgehen. Über einen Mittelsmann, wurde ihre Telefonnummer an das „Opfer“ ausgehändigt. Nun hieß es warten. Würde er seine Chance direkt nutzen, oder würde er sie verstreichen lassen?

Aus Erfahrung wusste ich, dass eine Nachfrage bei X, sowie auch Y, unangebracht war. Doch das Warten hatte schnell ein Ende. Der Nummerninhaber erkundigte sich bei mir, ob er denn die richtigen Worte gefunden hätte, um die Dame zu überzeugen. Dem stimmte ich zu und war positiv überrascht über seinen Eifer. Nun lag es an den beiden. Nun konnte ich kaum noch eingreifen. Doch eine Nebenwirkung der „Verkupplungskrankheit“ ist, jeden einzelnen Minischritt der Kommunikation, ganz genau wissen zu wollen. Das kann nerven! Dagegen müsste echt mal ein Medikament entwickelt werden. So hibbel ich nun regelmäßig vor mich hin, in hoffnungsvoller Erwartung, dass ich mit meiner Einschätzung Recht behalten würde. Dass X wirklich so gut zu Y passen könnte. Es ist so ein bisschen wie Lotto spielen, die Chancen stehen 1 zu 1.000.000, aber man hofft doch jedes Mal, dass man den Jackpot knackt.

Pärchenkacke

Was ist eigentlich das Schlimmste, das einem im Freundeskreis passieren kann? Dass Freunde sich innerhalb des Freundeskreises „verpaaren“. Normalerweise fällt immer nur einer durch eine Beziehung weg, in diesem Fall sind es aber zwei. In meinem Freundeskreis sind jetzt zwei Pärchen entstanden, also insgesamt 4 Leute, die einfach wegfallen. Am Anfang nehmen sie sich vor, nichts an ihrem Verhalten zu ändern, aber spätestens nach ein paar Wochen, existieren sie nicht mehr im „normalen“ Leben.

Das Frechste an der ganzen Sache finde ich, dass sie mir immer das Gefühl geben, sie müssten sich um mich kümmern. Ich als einziger Single in diesem Teil des Freundeskreises, das arme Wesen, was Einladungen ablehnt, weil dort nur Pärchen rumhängen. Wie kommen Menschen darauf, dass man als Single Spaß haben könnte, wenn man nur mit Pärchen unterwegs ist? Im Club habe ich den Reflex mich neben knutschenden Paaren einfach umzudrehen und zu gehen, aber im Freundeskreis geht das nicht so einfach.

Ich freue mich, dass sie so glücklich sind, wirklich! Im Moment ertrage ich ihr Glück aber einfach nicht. Das löst in mir das Gefühl aus, dass jeder jemanden findet, nur ich stehe allein da. Aussagen wie: „Ach komm doch heute Abend mit, wir finden da schon jemanden für dich“, machen es nicht besser. Bin ich ein Problemfall? Pärchen sein könnte man fast als Krankheit bezeichnen, hat man sie einmal, will man alle anderen anstecken.

Ich kenne das alles, ich war in meiner letzten Beziehung sicherlich selbst so…hiermit ein großes Sorry an alle, die darunter gelitten haben, ich kann es jetzt absolut nachvollziehen! Man sagt ja, dass Freundschaften genau dann besonders stark sind, wenn man sich in der gleichen Lebenssituation befindet. Leider hat sich die Lebenssituation einiger Freunde relativ zeitgleich verändert, nur meine ist gleich geblieben, Dadurch gehen Freundschaften verloren, auch wenn man das nicht wahr haben möchte.

Ich müsste mich eigentlich nach anderen Freunden umsehen, ansonsten gehe ich noch total ein :/ Woran merke ich das? Es ist Ostern. 4 freie Tage…normalerweise würde man jeden Abend weggehen und Spaß haben. Was tue ich? Kurz vor 11 vorm Fernseher einschlafen. Es findet sich einfach niemand zum weggehen, soweit man nicht zum Spieleabend erscheinen will, als einziger Single.

Mein bester Freund hat sich nun ein Herz genommen und einen Abend nur für ihn und mich reserviert. Das finde ich lieb, allerdings fühlt man sich dann noch mehr als „Problemfall“ und Aussetzige.

Möglicherweise könnte ich mit der Situation besser umgehen, wenn mir diese Paare nicht gerade vorleben würden, was ich gerne hätte. Ich will das was sie haben, mit genau einer Person. Aber da ich nicht bekommen kann was ich will, ziehe ich mich zurück. Jedes Pärchen was ich sehe, zieht mich tiefer in dieses schwarze Gefühlsloch. Ich habe keinen Bock mehr auf diese ganze Pärchenkacke :/