Gastbeitrag: Hier kommt der „Alphasoftie“ – Von der Freiheit, sich ein eigenes Rollenbild zu erschaffen!

Wenn wir Frauen verträumt von unserem Traumprinzen schwärmen, was für einen Mann meinen wir dann eigentlich? Den heldenhafte Supermacho, der mit seinem breitbeinigen Gang doch etwas affig daherkommt? Oder der stille Romeo, dessen Liebesbriefe uns regelmäßig per Stein durchs Fenster erreichen? In meinem Fall bin ich gerade bei den aktuellen Temperaturen eher gegen Steinwürfe. Mein bevorzugter Typ Mann ist ein Alphasoftie. Noch nie gehört? Dann wird’s aber mal Zeit. Extra für euch habe ich ein Exemplar ausgegraben und zu Wort kommen lassen.

Viele Männer mit denen ich in den letzten Jahren gesprochen habe, sind unsicher über ihr eigenes Rollenbild.  Niemand hat ihnen gesagt wie sie mit den selbstbestimmten, eigenständigen und zielstrebigen Frauen unserer Zeit umgehen sollen. Viele fühlen sich fast überflüssig und mit der Situation überfordert. Manche versteifen sich dadurch auf das alte Rollenbild des maskulinen „Alphatiers“ und machen damit alles noch schlimmer. Andere fühlen sich entwertet und orientierungslos, weil nichts mehr zu sein scheint, wie es sein sollte.
In Folge dessen ziehen sie ein Single-Dasein dem bloßen Versuch des Eingehens einer Partnerschaft mit diesen übermächtig erscheinenden Frauen vor. Diese Damen scheinen ja doch keinen Mann zu brauchen, weil sie alles selbst machen können.

Der Mann – Opfer der Frauenemanzipation?

Nein, so einfach ist es nicht. Frauen können heute alles selbst erledigen, ohne Frage. Aber sie wollen es gar nicht. Niemand will alles alleine machen müssen. Männer sind auch nicht die Verlierer der Frauenemanzipation. Wir Kerle gewinnen im Gegenteil eine Menge dadurch, weil wir tolle, intelligente und selbstbewusste Frauen als Partnerinnen haben können. Das Problem ist nur, dass wir keine Männeremanzipation hatten. Wir haben versucht mit dem neuen Rollenbild der Frau umzugehen, aber dabei nicht bemerkt, dass unser eigenes auch auf den Prüfstand muss. Maskulinität muss neu definiert werden. Doch bevor wir tiefer gehen, muss man erst einmal wissen, was Emanzipation überhaupt ist und dass dieser Begriff fälschlich als synonym für die Frauenemanzipation verwendet wird. Wir Männer müssen uns nämlich genauso emanzipieren, nur eben anders als es die Frauen in den letzten 70 Jahren getan haben.
Dazu später mehr. Was schreibt Wikipedia über die Emanzipation:
Emanzipation stammt von dem lateinischen emancipatio, was „Entlassung aus der väterlichen Gewalt“ oder auch die „Freilassung eines Sklaven“ bedeutet.

Im 17./18. Jahrhundert erfolgte eine Bedeutungsverschiebung: Aus dem Akt des Gewährens von Selbstständigkeit wurde eine Aktion gesellschaftlicher und insbesondere politischer Selbstbefreiung [..]. Neben die äußere tritt die innere Emanzipation: als Befreiung aus eigener Unmündigkeit und den Fesseln von Tradition, gesellschaftlichen Normen und vorgegebener Weltanschauung. Ziel emanzipatorischen Bestrebens ist ein Zugewinn an Freiheit oder Gleichheit, meist durch Kritik an Diskriminierung oder hegemonialen z. B. paternalistischen Strukturen, oder auch die Verringerung von z.B. seelischer, ökonomischer Abhängigkeit, etwa von den Eltern. Heutzutage steht der Begriff häufig synonym für die Frauenemanzipation.

Quelle: wikipedia.de

Jetzt wissen wir, dass sich die Frauen nicht „eMANNzipiert“ haben, sondern dass sie sich aus gesellschaftlichen Normen und innerlicher Unmündigkeit freigemacht haben. Es war niemals das Ziel der Frauen, Männer zu sein. An der Feststellung aus der sexuellen Aufklärung: „Mädchen haben eine Vagina und Jungen einen Penis.“, hat sich nichts geändert. Unsere Frauen der westlichen Gesellschaft haben nur ihr eigenes Rollenbild aufgebrochen und haben vielleicht erwartet, dass wir das mit unserem auch tun würden. Im Großen und Ganzen haben wir diese Gelegenheit verpasst. Aber dafür ist es ja nicht zu spät.

Der Mann und die Männeremanzipation

Damit haben wir einen Ansatz dafür, was wir tun müssen, um wieder Klarheit über unsere gesellschaftliche Rolle zu erlangen. Wir brauchen eine Befreiung aus unserem überholten Rollenbild. Um zu verdeutlichen, wie das funktionieren kann, picke ich mir einmal das Rollenbild des „Alphasofties“ heraus, das ich für mich selbst gewählt habe und mit dem meine Partnerin und ich sehr gut zurecht kommen. Viele Männer werden jetzt denken, was ich für ein Freak sei. Dein Kopfschütteln und der Gedanke in Deinem Kopf, lieber männlicher Leser:
„Er nennt sich selbst einen Softie! Das Weichei!“, erreichen mich sogar beim Schreiben dieses Textes. Doch schau nochmal auf das „Alpha“, bevor Du angewidert aufhörst, diesen Textbeitrag zu lesen.

A wie Alpha oder A wie ihr sicherer Ankerplatz?

Ich bin selbstbewusst und durchsetzungsstark. Ich übernehme beim Flirten den ersten Schritt (wenn ich Single bin), halte Frauen nach wie vor die Tür auf, und trage die schweren Dinge für sie. Wenn ich Wünsche habe, spreche ich sie aus. Ich übergehe meine Bedürfnisse nicht, gebe ihnen auch in der Beziehung Raum.
Ich bin für meine Partnerin der Fels in der Brandung, ihre Schutzburg neben Vollzeitberuf und Abendstudium. In meinem Armen kann sie sich sicher fühlen – gehalten, aber nicht gefesselt, weil ich es nicht nötig habe, sie besitzen zu müssen. Es genügt mir ihre Liebe zu besitzen und dass das so bleibt, ist mein Job als Mann. Durch eine aktiven Beziehungsführung ist das zu erreichen,  und zwar jeden Tag des Jahres und nicht nur einmal im Jahr am Valentinstag. Aber ich verführe meine Partnerin, wenn ich das will und nicht nur „auf ihre Bestellung“ hin.

Ich bin, wer ich bin und wenn jemand etwas an mir ändern kann, dann ausschließlich ich. Das macht mich verlässlich, aber es verlangt auch Akzeptanz meiner Persönlichkeit von einer Frau, die ich auch einfordere. Meine Unabhängigkeit ist unantastbar. Ich bin bereit viel in die Beziehung zu investieren, aber vereinnahmen lasse ich mich nicht. Darum habe ich es nicht nötig, meine Lebensgefährtin mit anderen Frauen eifersüchtig zu machen. Ich bin Mannes genug, um bedingungslos zu ihr zu stehen. Wenn Frauen eifersüchtig gemacht werden, dann sind es die anderen, die meiner Partnerin den Mann ruhig neiden dürfen.
Alpha eben, aber Alpha ist heute eben nicht mehr genug.

S wie Softie oder S wie wahre Stärke?

Ein gepflegtes Äußeres ist mir wichtig und ich achte auf mich, meine Körperpflege, meine Ernährung, meinen Kleidungsstil, etc. Ich bin empathisch, höre ihr zu und nehme die Informationen auf, die sie mir gibt und reflektiere sie. Ich bin kommunikativ und kümmere mich hingebungsvoll, um ihre emotionalen, praktischen und sexuellen Bedürfnisse. Ich koche mit und für sie, erledige anfallende Aufgaben im Haushalt und das ohne darauf hingewiesen werden zu müssen.  Ich bin ihr bester Freund und ihre beste Freundin zugleich, interessiere mich für „Frauen-Sachen“, kenne zum Beispiel den Unterschied zwischen einer Antibaby-Pille auf Östrogen und Gestagen-Basis und weiß dass ein Hormonimplantat den besten Pearl-Index (Maß für die Zuverlässigkeit von Methoden zur Empfängnisverhütung) aller Verhütungsmittel hat.
Wenn sie keine Verhütung auf Gestagen-Basis anwendet, dann kenne ich auch ihren Zyklus.

Sie kann mich Tampons und Waschmittel kaufen lassen und bekommt die Produkte die sie möchte, ohne dass ich im Supermarkt, wie der sprichwörtliche Ochs‘ vorm Scheunentor vor dem Regal stehe. Beim Schuhkauf bin ich dabei, bin Ratgeber, Kritiker, Comedian und Taschenhalter, so dass das Einkaufen für beide zum Vergnügen wird. Im Falle eines gemeinsamen Kindes habe ich die Bereitschaft zuhause zu bleiben, um ihre Karriere zu unterstützen und damit ihre persönliche Entfaltung zu fördern.
Softie eben, aber soft bedeutet in diesem Fall nicht weich.

Im Gegenteil, es bedeutet Verantwortung dafür zu übernehmen, dass die gemeinsame Beziehung auf Augenhöhe und mit dem Ziel, sich Freiräume zu geben, abläuft. Es bedeutet sich zu öffnen, sich zu interessieren und zu kommunizieren.

Emanzipation bedeutet nicht Gleichschaltung. Das möchte niemand!

Die Anziehung zwischen den Geschlechtern in einer Partnerschaft entsteht nicht durch geschlechterspezifisches Verhalten um jeden Preis, sondern durch Verständnis zwischen zwei Persönlichkeiten.  Anziehend ist der, der sich seiner Selbst sicher ist, und nicht von dem Wohlgefallen der anderen abhängt.
Feste Werte zu haben und ein klares Bild von sich selbst zu besitzen, ist sexy für das andere Geschlecht. Diese eigenen Werte bestimmt man selbst. In diesem Sinne, liebe Männer, findet Eurer eigenes Rollenbild, das Euch und den Frauen gefällt.
Der „Alphasoftie“ bietet da sicher nicht die schlechteste Basis, um sich als moderner Mann neu zu erfinden. Nach langjähriger guter Erfahrung damit, würde ich ihm im Online-Versandhandel wohl eine Rezession mit fünf Sternen geben und bei Facebook ein „Gefällt mir“. Und das Tolle ist, es ist nur ein möglicher Weg von vielen.

Löst Euch davon Dinge zu tun, weil sie „männlich“ sind.

Männlich ist, was ein Mann ohne Selbstzweifel tut. Ein althergebrachtes maskulines Verhalten macht dagegen noch keinen Mann. Ein aus Unsicherheit aufgesetztes männliches Gebaren macht sogar richtig unattraktiv. Brecht aus, aus dem, was ihr glaubt, sein zu müssen und seid, wer ihr sein wollt. Männer seid ihr sowieso, also seid eine Persönlichkeit, die man toll findet. Nicht weil ihr versucht, zu gefallen, sondern einfach, weil ihr Euch selbst gefallt.

Auch wenn Frauen das nicht oft sagen, in Wahrheit finden sie uns schon ganz geil.
Mit diesem Wissen kann man(n) ganz gut an sich arbeiten, um im eigenen Rollenverhalten wieder Sicherheit zu finden.

Gastautor:
Klemens Winterer

Gefälligkeiten in einer Beziehung als Selbstverständlichkeit? Ich sage: Nein!

Männer, wir lieben euch! Ja wirklich! Der Mann an sich ist ein ziemlich tolles Wesen. Allein was sich der liebe Gott dabei gedacht hat, als er sein erstes Sixpack formte…Hmmm lecker! Mir geht es oft so, dass ich meinem Mann am liebsten alle 10 Minuten sagen wollen würde, wie toll ich ihn finde. Okay, okay, ihr habt ja Recht, ich habe ein kleines bisschen geflunkert. In der Zeit, in der er neben mir Bären und Löwen verscheucht (ergo schnarcht -.-), oder er total verplant unsere Termine durcheinanderbringt, bewegt sich mein „Ich find dich toll“- Gefühl meist im eher unterdurchschnittlichen Bereich.

Gewöhnung is a Bitch

Trotzdem glaube ich, dass ich ihm so oft wie möglich das Gefühl gebe, dass  er etwas Besonderes für mich ist. Ich versuche ihm zu vermitteln, dass er mein Held ist, mein Supermann und der Kerl, für den ich 3 kg Schokoeis, 4 rosa Einhörner und zweimal Brad Pitt stehen lassen würde. Das muss auch sein, finde ich. Gerade in einer längeren Beziehung, wird der Partner gerne mal zum Alltag. Er ist immer da, man gewöhnt sich einfach an seine Anwesenheit. Dadurch gewöhnt man sich aber eben auch an die positiven Dinge, die der oder die Liebste mit sich bringt. Zu Beginn freut man sich noch über jedes leckere gekochte Gericht, welches auch im größten Stress noch auf den Tisch gezaubert wurde. Nach einer Weile fällt es einem dann nur noch auf, wenn der Magen knurrt und sich niemand dazu verpflichtet fühlt, diesen zu füllen.

An dieser Stelle, liebe Herren, muss ich euch mal einen kleinen Rüffel aussprechen. Ihr nehmt vieles viel zu selbstverständlich!

Eure Freundin soll sich schick machen, wenn ihr zusammen ausgeht? Selbstverständlich!

Ich sage: Nein!

Ihr habt keine Unterhosen mehr im Schrank, aber vorrausschauend hat eure Dame die Waschmaschine angeschmissen? Selbstverständlich!

Ich sage: Nein!

Nach einem langen Tag im Büro steht pünktlich das Essen auf dem Tisch, sobald ihr zu Hause eintrefft? Ihr ahnt es schon: Nicht selbstverständlich!

Auch ihr Verständnis, wenn es im Büro dann doch wieder etwas länger dauert: Nicht selbstverständlich!

„Nicht mal das Bett machen kann er“

Ich könnte diese Liste unendlich fortsetzen. An dieser Stelle ein kleines Sorry an euch Männer. Natürlich seid nicht nur ihr es, die so vieles als Selbstverständlich ansehen, sobald eine längere Beziehung geführt wird. Frauen stehen euch da in nichts nach! Egal ob Männer oder Frauen, manchmal sind es ganz, ganz kleine Dinge, die wir schon gar nicht mehr wahrnehmen. Da muss ich mir auch mal an die eigene Nase fassen. Als ich frisch in einer Beziehung war, war es für mich jedes Mal wieder fast das Highlight des Tages, als ich sah, dass mein Freund das Bett gemacht hatte. Es war etwas Besonderes, was mir direkt ins Auge fiel. Schließlich hielt ich es zu meinen Singlezeiten nicht für nötig, mir diese Arbeit zu machen, interessierte ja eh keinen! Ich fühlte mich nun also allein durch diese kleine Gefälligkeit wertgeschätzt und konnte mein Glück kaum fassen, einen so tollen Mann an meiner Seite zu wissen. Wenn ich so Recht darüber nachdenke, ist das natürlich etwas lächerlich, aber es verdeutlicht, dass wir uns viel zu schnell an Dinge gewöhnen. Nach einer Weile fiel es mir nämlich nicht mehr auf, wie schön die Bettdecken zusammengelegt waren. Es fiel mir nur auf, wenn er das Bett morgens besonders verwuschelt zurück ließ. „Nicht mal das Bett machen kann er“, raunte es in meinem Kopf. Aber Moment mal, warum zum Teufel wurden solche Kleinigkeiten auf einmal so selbstverständlich, dass ihr Ausbleiben zu Frust führen konnte?

Dieses doofe Gewohnheitstier

Leider sind Menschen unglaubliche Gewohnheitstiere. Sobald wir der Meinung sind, etwas müsste immer so laufen, weil es ja schon die letzten 10 Mal so gelaufen ist, ist es zu spät. Was wir unseren Mitmenschen damit antun, ist uns oft gar nicht bewusst. Schlechte Laune, Vorwürfe und Streit sind die Folge. Was mir in solchen Situationen hilft, ist eine Rückbesinnung auf die Momente, in denen Gefälligkeiten für mich noch ein Highlight waren. Er hat beim Einkauf an Klopapier gedacht, ohne dass es auf dem Zettel stand? Ein Held! Er massierte mir die Füße, ohne dass ich ihn wehklagend darum anflehte? Mein Traummann! Wer kleine Gefälligkeiten übersieht, braucht sich nicht wundern, wenn diese klammheimlich ausbleiben. Ein Lob hat noch niemandem geschadet, auch wenn es nur für das ordentliche Zusammenlegen der Bettdecken ausgesprochen wird.

Klischees können mich mal! – Catladys rocken

Klischees über Frauen, insbesondere Singlefrauen, können ziemlich ätzend sein! Man wird da gerne mal in Schubladen gesteckt, in die man einfach nicht hinein passt. Davon kann ich ein Lied singen. Ich als Singlelady, möchte mich nicht verallgemeinern lassen, nur damit ich in irgendein Raster gepackt werden kann. Allerdings muss ich zugeben, dass es ein Klischee gibt, welches ich mehr als gut erfülle. Ich bin eine Crazy Cat Lady. Naja, vielleicht nicht ganz so „Crazy“, wie das comicgezeichnete Vorzeigeobjekt der gemeinen Katzenbesitzerin. Wer ab und zu die Zeichentrickserie „Die Simpsons“ verfolgt, wird vermutlich wissen, wer gemeint ist. Eleanor Abernathy, die verrückte Katzenfrau. Sie fällt besonders dadurch auf, dass sie durchgängig wirres Zeug brabbelt und regelmäßig mit Katzen um sich wirft. Eines meiner Lieblingszitate von Eleanor ist, soweit man sie mal verstehen kann: „Katzen in jedermanns Hose!“. Crazy ist sie auf alle Fälle, diese Catlady. Aber was hat die überzeichnete Comicfigur mit mir zu tun?

Nun ja, sagen wir es mal so, es scheint ein paar Parallelen zwischen uns beiden zu geben. Zumindest sehen das meine Freunde so. Nein, ich werfe nicht mit Katzen, aber das nur so am Rande. Als ich vor einigen Wochen unbedarft einen Link öffnete, der mir von einem Freund zugeschickt wurde, ereilte mich ein intensiver Lachanfall. Da öffnete sich doch tatsächlich die Produktseite für eine „Crazy Catlady“- Actionfigur. Formschön, detailgetreu, und mit vielen kleinen Plastikkätzchen. Nachdem ich wieder Luft bekam, begann ich zu überlegen. Bin ich etwa eine so abgedrehte Katzenfrau? Bin ich kurz davor, verwirrt durch die Straßen zu laufen und aus jeder Jackentasche eine Mautz zu zaubern? Dieser Gedanke bedurfte einer tieferen Analyse.

Seit 7 Jahren begleitet mich meine Katzenprinzessin Milka, die zwar sehr eigensinnig, aber trotzdem wundervoll ist. Sie ging mit mir durch dick und dünn. Beziehungen, Singlephasen, One-Night-Stands, Weinkrämpfe, Umzüge, sie war mein Fels in der Brandung. Vor einigen Wochen gesellte sich dann ein kleiner Babykater namens Jabba dazu, der meiner leicht übergewichtigen Katzendame Gesellschaft leisten sollte. Umso mehr Leuten ich von meinem Zuwachs erzählte, desto gemischter wurden meine Gefühle. „Erst hast du zwei, dann werden‘s drei, irgendwann vier und dann beginnst du mit denen zu werfen!“, durfte ich mir anhören. Anscheinend sind viele Menschen davon überzeugt, dass sich Tiere irgendwann zur Sucht entwickeln und das Animal Hording nur noch eine Frage der Zeit darstellt.

Ganz so schlimm ist es natürlich nicht. Denke ich darüber nach, warum ich meine Mietzen habe, werden mir überraschende Dinge klar. Meine Katzen sind für mich ein Männer- und Kinderersatz. Sie sind da, wenn ich kaputt von der Arbeit nach Hause komme. Sie sind da, wenn ich morgens die Augen aufmache. Sie spüren, wenn es mir nicht gut geht, und trösten mich. Sie geben mir also die Zuneigung, die ich als Singlefrau manchmal einfach nicht bekommen kann. Sie sind für mich ein Grund jeden Morgen aufzustehen, und abends wieder nach Hause zu kommen. Sie geben mir das Gefühl gebraucht zu werden. Da ich generell jemand bin, der sich gerne aufopfert und sich um andere kümmert, genieße ich es sehr, wenn ich die kleinen Mautzis mit meiner Liebe überschütten kann. Sie nehmen mir ein Stück weit die Einsamkeit. Abgesehen davon, sind Katzen auch eine super Ausrede, um ein schlechtes Date frühzeitig zu beenden: „Du, das tut mir jetzt voll leid, aber ich muss nach Hause, meine Katze füttern gehen!“. Na, schon einmal gehört? Ich bekenne mich schuldig, ich nutze diese Ausrede auch ab und zu.

Die Frage ist nur, habe ich Katzen, weil ich Single bin, oder bin ich Single, weil ich Katzen habe? War erst die Henne, oder erst das Ei? So ganz genau kann man das natürlich nicht sagen, da mir bis jetzt noch niemand vorhielt, nicht mit mir zusammen sein zu wollen, weil ich Katzenbesitzerin bin. Männer mit Tierhaarallergie schaffen es sowieso nicht in meine Nähe, ohne Atemnot zu bekommen. Aber warum bleiben Cat Ladys dann öfter allein, als andere Singledamen? Ich glaube eine Vorliebe für Katzen ist im Charakter einer Person begründet. Wer unabhängige Wesen, welche man kaum erziehen kann, bevorzugt, ist meist auch selbst eher etwas eigensinnig. Katzenladys sind also oftmals individuelle Charaktere, mit denen „Mann“ vermutlich nicht ganz so einfach umgehen kann. Das sehe ich auch an mir selbst. Ich würde mich nicht als „einfach“ bezeichnen. Der Hang zum Unabhängig sein wollen, verbindet meine Mautzis und mich. Ich tue Dinge, wann es mir passt. Ich lasse mich nicht zu etwas zwingen. Ich würde gerne manchmal über mehrere Tage nur schlafen, essen, schlafen, spielen, essen, schlafen. Wenn man es so betrachtet, könnte glatt ich die Mietz des Hauses sein, welche sich nur als Mensch getarnt hat. Damit muss ein Mann erstmal zurechtkommen! Vielleicht fällt es einigen Männern deshalb so schwer, sich auf eine Katzenlady einzulassen? Denn er wird in irgendeiner Art und Weise immer die zweite Geige spielen.

Bis jetzt habe ich nur auf mich selbst geschaut, doch kann es nicht sein, dass ich ein Sonderfall bin? Die einzige Singlelady weit und breit, auf die das Klischee passt? Nein! Ich kenne jede Menge Frauen, denen es genauso geht wie mir. „Singlefrau mit Katze“, haben wir uns einmal getauft. Ich bin absolut kein Einzelfall! Fast jede Singlefrau, mit der ich zu tun habe, ist Katzenbesitzerin. Da ich natürlich von meinen Freunden nicht gleich auf alle anderen schließen möchte, befragte ich eine Vielzahl von Menschen, ob ihnen „Singlefrauen mit Katze“, bekannt wären. Mir wurde wiederholt bestätigt, dass Frauen gerade ab Mitte 20, gerne eine Katze als Wegbegleiter wählen. Es sind besonders die Frauen, die gerne einen festen Partner hätten, aber durch welche Umstände auch immer, keinen haben. Dabei sind wir Katzenfrauen so liebevoll und fürsorglich, dass ein jeder Mann froh sein könnte, uns an seiner Seite zu wissen.

Wir Catladys brauchen unsere kleinen Kuschelmonster, um unsere Liebe jemandem schenken zu können, der uns auch etwas zurückgibt. Eine Mietz bleibt bei dir, geht mit dir durch gute und schlechte Zeiten. Das kann man heutzutage von Männern leider nicht pauschal behaupten. Eine Katze ist eine Konstante im Leben die dafür sorgt, dass wir uns gebraucht fühlen. Sie hört zu und urteilt nicht. Sie bereichert uns. Darum sage ich gerne: Ja, ich bin eine Catlady! Manchmal vielleicht auch eine „Crazy“-Catlady, weil ich meine Tiere zu sehr vermenschliche. Aber was soll‘s! Ist es nicht wichtig, dass man sich wohl fühlt? Ich würde mich nicht wohl fühlen, wenn ich jeden Tag in eine leere Wohnung kommen müsste. Es zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich mit großen (und ständig hungrigen) Augen begrüßt werde. Egal ob ich gerade aussehe wie ein schlecht ausgeschlafener Gollum, Katzenliebe ist bedingungslos. Klischee hin oder her, Catladys rocken!

„Emotionale Stabilität in der Liebe“ – auf beziehungsweise-magazin.de

Emotionale Stabilität, das war ein harter Brocken als Artikelthema! Es hat mehrere Anläufe gebraucht, bis ich mich so richtig mit dem Thema auseinandersetzen konnte. Was dabei rausgekommen ist, lest ihr bei beziehungsweise-magazin.de

Was bedeutet emotionale Stabilität in der Liebe?

Die magische Nacht zum Valentinstag – Wenn Restefi**** schon 1 1/2 h vorher beginnt

Wenn ich Single wäre, könnte ich hier jede 30 Minuten jemanden abschleppen!“ – selig grinsend drückte mir mein Kumpel eine Gin-Mate in die Hand.

Aber wie würdest du das denn machen? Und vor allem wo?“ – fragte ich interessiert.

Ach, na schnell zu denen nach Hause und danach wiederkommen!“ – selbstverständlich, wie auch sonst!

So in etwa gestaltete sich ein Gespräch zwischen einem sehr guten Freund und mir, kurz nachdem wir die Valentinsparty in unserer Stammbar betreten hatten. Die Nacht vom 13. auf den 14.02. hat etwas Magisches. Es ist die Nacht, in der alles passieren kann. Zwei Menschen von denen man niemals gedacht hätte, dass sie je zueinander finden könnten, stehen auf einmal eng umschlungen auf der Tanzfläche. Am Valentinstag möchte man nicht allein sein.

Ich habe mich schon seit Wochen auf die Fu** Valentinsday-Party in meiner Stammbar gefreut. Gespannt, ob diese besondere Nacht ihre Magie entfalten würde, glühte ich mit meiner Besten ein wenig vor. Wer würde wohl alles dort aufschlagen? Welche Chancen ergeben sich und vor allem: Was geht zwischen welchen Leuten? Dass es auf dieser Party voll werden würde, war uns bewusst. Doch als wir gegen 23 Uhr den Eingang passieren wollten, eröffnete sich uns ein überraschendes Bild: Es war kaum ein Durchkommen. Um vom Eingang bis zur Tanzfläche zu gelangen, mussten wir regelrecht Gewalt anwenden, um die Menschen vor uns wegzuschieben. Als wir endlich einen Quadratmeter Platz gefunden hatten, kamen wir dort auch  nicht mehr weg. Wäre jemand von uns umgefallen, wäre das niemandem aufgefallen. Schließlich war die Möglichkeit des Fallens nicht gegeben, da wir wie die Sardienen in der Dose eng an eng standen.

Als ich mich umsah, fielen mir einige Dinge auf. Der Frauenanteil war überraschend hoch! Normalerweise sind in unserer Stammbar eher mehr Männer unterwegs, als Frauen. Doch diesmal schien es so, als wären knapp 2/3 Frauen anwesend. Es waren keine bekannten Gesichter, die ich dort zu sehen bekam. Vermutlich waren diese Mädels vorher noch nie in dieser Bar gewesen und wussten nicht, auf was sie sich dort einlassen würden. Aufgestylt und tief ausgeschnitten, tanzten die Damen auffallend exzessiv, um ja nicht in der Masse unterzugehen. Sie boten sich an wie ein Stück Ware in der Fleischereiauslage. Die meisten Damen verkörperten schnelle Verfügbarkeit und Spaß ohne Verpflichtungen. Solche Frauen findet man eigentlich immer in Bars und Clubs, aber diese Häufung stelle ich sonst selten fest.

Gottseidank befanden sich die dazu passenden Herren im Lokal. Als der Alkoholpegel noch nicht an die 3 Promille reichte, waren diese schon intensiv auf der Jagd. Jede Frau, die auch nur ansatzweise ein Lächeln in ihre Richtung schickte, wurde direkt angesprochen und in ein Gespräch verwickelt. Mit steigendem Alkoholpegel, wurde es zunehmend lustiger für Beobachter wie mich. Auch meine Beste wurde „Opfer“ eines Handynummernsammlers. Der Herr, der sie anbaggerte, konnte kaum mehr richtig gerade aus schauen. Er suchte nach Blicken, an denen er sich festhängen konnte. Sobald er eine Dame fixiert hatte, versuchte er vehement an ihre Telefonnummer zu kommen. Anrufen wird er nie, vermute ich mal. Auch seine Beteuerung, sich doch nüchtern treffen zu wollen, erschien mir eher als scheinheiliges Argument, um eine Handynummer einzusacken.

Das Restefi**** beginnt heut aber früh!“ – bemerkte mein Kumpel. „Was? Woran hast du das denn gemerkt?“ – fragte ich verwundert. „Die üblichen Verdächtigen, die sich immer eine mitnehmen, sind schon weg. Und das 1 1/2h vor der Zeit. Respekt!“ – erwiderte mein Kumpel mit einem Funken Bewunderung in den Augen.

Er hatte Recht! Ein Bekannter, der zu Beginn des Abends noch sicher war, mich am späteren Abend noch einmal mit einem Gespräch beglücken zu können, zog schon kurz vor 24 Uhr mit einer Dame ab. Selten gab es so viele „Pärchen“, die wild knutschend die Tanzfläche bevölkerten. Es war ein Schauspiel, welches ich als Außenstehende sehr genoss. Dass meine Beste und ich relativ außen vor gelassen wurden, lag vermutlich an unserer zufriedenen und nicht-suchenden Ausstrahlung. „Heute nicht Jungs!„, stand uns ins Gesicht geschrieben.

Als besonders dreist stellte sich eine Taktik einiger Herren heraus, welche sich zu Beginn des Abends eher im Hintergrund gehalten hatte. Sie checkten die Frauen im Laden ab, und verschwanden. Kurz nach 3 Uhr standen sie wieder in der Tür, scannten die „übriggebliebenen“ Damen, und machten sich auf die Jagd. Ich konnte nur den Kopf schütteln. Dass sich unter diesen Herren auch mein Kryptonit befand, machte es nicht besser. Er starrte mich an und ich konnte nur erahnen, was in seinem Hirn vorging. So nicht Junge, so nicht! Das hättest du wohl gern. Zu spät, zu spät, zu spät, zu spät! Dann ist alles viel zu spät! Um es mal mit den Lyrics der Ärzte zu sagen. Laut mitbrüllend hätte ich den DJ knutschen können, als er diesen wundervollen Song auf meinen Wunsch hin spielte. Denn er spiegelte meine Gedanken an diesem Abend sehr gut wider. Es war ein magischer Abend, an dem alles hätte passieren können. Ich für meinen Teil, begab mich in die Rolle der Beobachterin. Habe ich alles schon gehabt, alles schon gemacht. So betrachtete ich das ganze Schauspiel von außen und ließ den Ohrwurm in meinem Hirn singen:

Eines Tages werd‘ ich mich rächen.
Ich werd‘ die Herzen aller Männer brechen.
Dann bin ich ein Star und Du läufst hinter mir her,
doch dann ist es zu spät, dann kenn‘ ich Dich nicht mehr!

Zu spät (zu spät), zu spät (zu spät), zu spät (zu spät),
doch dann ist es zu spät, zu spät (zu spät), zu spät (zu spät),
zu spät (zu spät), dann ist alles viel zu spät

Brief an einen Täter

Heute erreichte mich eine Mail der Huffington Post, in der zu einer Bloggeraktion aufgerufen wurde. Aufgrund der Vorkommnisse am Köln HBF zur Silvesternacht, gibt es nun die Aktion: „Nicht ich muss mich ändern, sondern du.„. Adressiert sind Frauen, die schon einmal einer Belästigungssituation ausgesetzt waren. Die Frauen sollen einen briefähnlichen Text bzw. ein Video an den Täter verfassen. Da leider auch ich eine solche Situation schon erleben musste, entstand folgender Text:

Lieber 23-Jähriger junger Mann,

es ist jetzt exakt ein Jahr her, dass wir aufeinander trafen. Erinnerst du dich noch? Wir tanzten gut gelaunt in meiner Stammkneipe. Du warst mit einem Freund da, auch ich hatte eine Freundin als Begleitung dabei. Schon in der Bar habt ihr von Distanz nicht viel gehalten. „Kommt doch noch mit zu uns!“ – habt ihr uns entgegen gerufen. Unser eindeutiges Nein, ist bei euch anscheinend nicht angekommen. Als die Bar sich leerte, beschlossen auch wir den Heimweg anzutreten. Noch beschwingt von der guten Stimmung, brachen wir in Richtung Bahnhof auf. Auf ca. der Hälfte der Strecke bemerkten wir, dass ihr hinter uns lauthals nach uns rieft. Wir ignorierten das elegant, da wir dachten, ihr hättet unser Nein schon irgendwie verstanden. Doch schnell standet ihr neben uns. Auf oberflächliche Gespräche ließen wir uns ein, was hätten wir auch tun sollen? Wir konnten euch ja nicht verbieten, ebenfalls den Bahnhof aufzusuchen.

Am Bahnsteig verabschiedete ich meine Begleitung und machte mich alleine auf den restlichen Heimweg. Den bin ich bis dahin immer allein gelaufen. Auch nachts. Knapp 15 Minuten Fußweg an einer großen Straße entlang. Als ich das Gleis verließ bemerkte ich, dass ihr schon wieder lauthals auf euch aufmerksam machen wolltet. Ich hatte ein schlechtes Bauchgefühl. Lieber ganz schnell das Weite suchen! Ich kramte meine Kopfhörer heraus, um eurem Gegröle nicht zuhören zu müssen. Erst lief ich schnell, dann begann ich halb zu rennen. Aber ich war nicht schnell genug. Du hattest dich von deinem Freund verabschiedet und dir in den Kopf gesetzt, mir zu folgen. Knapp 500m hinter dem Bahnhof hast du mich dann erwischt.

Mein Herz schlug mir bis zum Hals, als du deine Hand auf meine Schulter legtest. Nach Hause bringen wolltest du mich. „Eine Frau hat mitten in der Nacht nichts alleine draußen zu suchen“ – sagtest du mir. Du müsstest mich nun also nach Hause bringen. Dass ich dir erklärte, dass ich immer allein nach Hause laufe und keine Begleitung benötigte, hast du ignoriert. Meine Angst hast du anscheinend gar nicht wahrgenommen. Zu Beginn unterhielten wir uns oberflächlich, vielleicht bist du ja doch ein netter Kerl? Doch ich wurde schnell eines Besseren belehrt. Wie aus dem Nichts hast du mich gegriffen, gegen einen Baum gedrückt und mich geküsst. Ich verfiel in eine Angststarre, war hilflos und wusste nicht, was ich nun tun sollte. Es war mitten in der Nacht, keine Passanten in der Nähe. Schreie hätten nichts geholfen. Ich war nicht in der Lage, mich körperlich zu wehren, zu sehr stand ich unter Schock. Als du mich losgelassen hast, habe ich überlegt zu fliehen. Doch du hattest vorgesorgt. Meine Hand hattest du dir geschnappt und keine Anstalten gemacht, sie loszulassen.

Da lief ich nun, Hand in Hand mit einem Mann, der mir eine verdammte Angst einjagte. Wie oft sagte ich dir, du solltest nach Hause fahren. Der Weg wäre noch weit, und ich würde das allein schaffen. Doch du hörtest nicht auf mich. Alle paar 100m hast du mich gegriffen und wieder und wieder geküsst. Hast du nicht gemerkt, wie ich gezittert habe? Kurz vor meiner Haustür hast du mich so überschwänglich küssen wollen, dass es mich umriss. Da lag ich nun auf dem kalten Winterboden. Anstatt mir aufzuhelfen, legtest du dich auf mich und konntest dein Glück kaum fassen. Ich war dir ausgeliefert. Mit sehr viel Kraft schaffte ich es, dich von mir zu drücken und aufzustehen. Es waren noch 100m bis zu meiner Wohnungstür.

Als wir dort ankamen, dachtest du nicht daran, nach Hause zu gehen. „Du nimmst mich doch jetzt noch mit hoch!“ – sagtest du selbstbewusst. Natürlich wies ich dich mehrmals zurück. Als du kurz abgelenkt warst, griff ich meinen Schlüssel, und hielt ihn so fest ich konnte. Den Überraschungsmoment ausnutzend, öffnete ich die Tür und rannte die Treppen hoch. Du konntest nicht so schnell reagieren, und kamst mir nicht hinterher. Als ich meine Wohnung betrat, ließ ich das Licht aus. Du solltest nicht wissen, in welchem Stockwerk ich wohne. Erst jetzt wurde mir bewusst, wie brenzlig die Situation war. Ich sank auf den Boden und begann zu weinen. Was war da gerade passiert? Mein Herz schlug mir bis zum Hals, ich hyperventilierte. Ich hatte Angst, du würdest es irgendwie zu mir hoch schaffen. Es dauerte Stunden, bis ich mich beruhigte und endlich einschlafen konnte. Die Tage darauf, traute ich mich kaum aus dem Haus. Ich hatte Angst, du würdest mir auflauern. Schließlich wusstest du, wo ich wohne.

Eine Woche später, gleiche Bar, sah ich dich zur Tür reinkommen. Meine Freunde waren informiert und rieten mir, dich zu ignorieren. Doch so einfach funktionierte das nicht. Du machtest dich wieder an mich heran. Doch diesmal war ich nicht allein. Meine Freunde beobachteten die Situation und reagierten. Sie begleiteten dich freundlich aus der Bar und versuchten dir klar zu machen, was du mir angetan hattest. Dass du dich kaum noch erinnern konntest, schockierte mich. Anstatt dich zu entschuldigen, beleidigtest du meine Freunde aufs Übelste. Erst als die Polizei gerufen wurde, beruhigtest du dich. Seitdem habe ich dich nie wieder gesehen. Doch in meinem Kopf bist du präsent. Bewege ich mich nachts allein durch die Stadt, drehe ich mich um, damit ich sicher sein kann, dass mir niemand folgt. Gottseidank zog ich wenige Wochen später um, und traue mich auch wieder vor meine Haustür. Doch sobald ich Geschehnisse, wie die in Köln lese, kommt alles wieder hoch. Die Angst, die Ohnmacht, die Scham, welche du mir bereitet hast.

Lieber junger Mann, nicht ich muss mich ändern, sondern du.