Gläser Alkohol

Alkohol beim Dating – Wieviel ist Zuviel?

Ein Date ohne Alkohol ist kein richtiges Date – sagte mein Kumpel Christian, während er mir von seiner letzten tinder-Bekanntschaft erzählte. Bevor er sich mit seinem neuesten Match traf, hatte ich ihm vorgeschlagen, aus seiner typischen Datingroutine auszubrechen. Treffen in einer Bar, ein paar Drinks und dann schauen, auf was der Abend hinausläuft – so sah es aus, wenn Christian nach der „wahren Liebe“ suchte. Ich hatte genug von seinen Beschwerden darüber, dass sich nie etwas „Richtiges“ ergeben würde und er nicht verstünde, warum ihm einfach keine geeignete Dame über den Weg liefe. „Christian, ganz im Ernst, glaubst du wirklich, du kannst eine Frau bei einem Bier im schummrigen Licht richtig kennenlernen?“, fragte ich ihn, als mir sein Mimimi mal wieder zu viel wurde. „Brich doch mal aus aus deiner Routine. Sorge dafür, dass deine Dates zu etwas Besonderem werden. Ganz ohne Alkohol und schlechte Barluft.“, versuchte ich ihn zu überzeugen.

Kein Alkohol, keine Gesprächsthemen?

Sein nächstes Match erklärte er zum Testballon „Ausbruch aus der Datingroutine.“. Einige Tage später berichtete er von den Ergebnissen des Versuchs. Zusammen auf dem Jahrmarkt waren sie gewesen. Riesenrad fahren, Wilde Maus und dazu eine große Zuckerwatte, die sie sich romantisch teilten. Ich war mir sicher, dass dieses Date zu den besten gehörte, die Christian in den letzten Monaten, vielleicht sogar Jahren erlebte. „Alles in Allem, es war schrecklich“, sagte er bedröppelt und holte mich schnell wieder auf den Boden der Tatsachen. „Das Mädchen war süß, keine Frage, aber anstatt auf sie einzugehen und ihr richtig zuzuhören, war ich die ganze Zeit mit mir selbst beschäftigt.“. Christian beschrieb, wie schwer es ihm fiel, aus sich herauszukommen. Die richtigen Gesprächsthemen, die ihm sonst zuflogen, hatten sich diesmal in den hintersten Ecken versteckt. Diese Unsicherheit war ungewohnt für ihn. „Ein Date ohne Alkohol ist kein richtiges Date“, sagte Christian wie selbstverständlich, so als wäre noch nie eine Beziehung ohne den Einfluss von Alkohol entstanden.

Alkohol gibt uns das Gefühl fast alles schaffen zu können

Besonders beim ersten Kennenlernen ist Selbstsicherheit ein entscheidender Faktor. Trotz Nervosität müssen wir unserem Gegenüber begreifbar machen wer wir sind und was uns ausmacht. Vielen Menschen fällt genau das schwer, wenn sie nicht auf die Unterstützung eines promillehaltigen Getränks zurückgreifen können. Alkohol lockert die Zunge, lässt Ängste verschwinden und gibt uns das Gefühl fast alles schaffen zu können. Er macht uns selbstbewusst und mutig. Genau diese Dinge sind es, die ein Date erfolgreich werden lassen. Unter dem Einfluss von Alkohol zu daten hat jedoch gravierende Nachteile.

„Schöntrinken“ oder lieber Realität?

Können wir den Menschen, der uns gegenübersitzt, wirklich kennenlernen, wenn wir unsere Sinne benebeln? Allein der optische Eindruck verfälscht sich, sobald unserem Körper Alkohol zugeführt wird. Nicht umsonst kann man sich Menschen „schöntrinken“. Unsere Wahrnehmung verschiebt sich, und das schon nach einer geringen Menge Alkohol. Das sorgt dafür, dass es beim zweiten Date, soweit dieses Alkoholfrei verläuft, zu einem bösen Erwachen kommen kann. Plötzlich geht es verkrampft zu, ganz anders als gewohnt.

Ich gebe zu, auch ich war zu Singe-Zeiten großer Fan von hochprozentigen Dates. Dadurch konnte ich die Unsicherheit verbergen, die Selbstzweifel und damit einen Teil meiner Persönlichkeit, der durchaus liebenswert sein kann. Ich habe mit meiner Vorliebe für Gin Tonic und Bier bei Dates dafür gesorgt, dass ich nicht ich selbst war und mein Gegenüber nicht in seiner Gesamtheit wahrnehmen konnte. Darum: Spezi anstatt Bier und Wein! Zur Not tut es auch ein Glas Wasser. Hauptsache 0 Promille. Dann steht einem bewussten und ehrlichen Kennenlernen nichts mehr im Wege <3

 

 

Kein Alkohol? Schwanger! – Wie der Griff zur Pulle mir lästige Fragen erspart

Es gibt einen entscheidenden Moment, wenn man als kinderlose Frau um die 30 mit Freunden oder der Familie verabredet ist. Der, sobald die ersten Getränke bestellt werden, die erste Flasche Sekt zur Feier des Tages geöffnet wird. Die Blicke verändern sich, greift Frau nicht direkt zum promillehaltigen Glas. Es sind prüfende Blicke, die meinen Körper abscannen. Sie bleiben kurz an meiner Bauchregion hängen, um die auch noch so kleinste neue Wölbung zu entdecken. Ich komme mir dabei manchmal so vor, als wäre ich in einem kleinen Zoogehege ausgestellt. Beäugt wie eine Affendame, auf deren Trächtigkeit gewartet wird. Na, greift das Weibchen zum Zellgift, oder schützt es das noch geheime Ungeborene?

Schwanger oder nicht Schwanger

Schwanger oder nicht schwanger, diese Frage wird in Geselligkeit durch die Getränkewahl bestimmt. Noch vor einigen Jahren war es für andere durchaus plausibel, wenn ich Bier, Sekt und Schnaps aufgrund von Medikamenteneinnahme oder einem angeschlagenen Magen ablehnte. Mag halt nicht, vollkommen okay. Meine Gesundheit stand im Vordergrund des Interesses. Dieses Bild hat sich schlagartig geändert, seitdem ich „alt genug“ und vergeben bin. Um die 30, in einer stabilen Partnerschaft = müsste in kürzester Zeit Mama werden.

Sollte ich den Zugang zu meiner Zyklus-App teilen?

Vor einigen Jahrzehnten war es normal erst zu heiraten und dann den Familienplan in die Hand zu nehmen. Eine klare Zeitabfolge, die nur Mutige durchkreuzten. Heutzutage gelten keine Regeln mehr. Es könnte immer so weit sein. In meinem Umfeld gibt es tatsächlich Menschen, die sich alle paar Wochen über den Zustand meiner Gebärmutter informieren möchten. „Und, hats geklappt?“, werde ich in regelmäßigen Abständen gefragt. Ich war schon kurz davor, den Zugang zu meiner Zyklus-App zu teilen, um Interessierte täglich informiert zu halten. Oder alle paar Wochen auf einen Schwangerschaftstest pinkeln und das Bild auf Facebook und Instagram teilen? Gruselige Vorstellung.

Mein Körper gehört mir!

Wann zum Teufel ist der Zustand meiner Gebärmutter zum Allgemeingut geworden? Zur Information, die für Freunde und Familie so relevant ist, wie die aktuelle Zeitungsausgabe? Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie andere Frauen unter diesem Gesellschaftsdruck überhaupt in der Lage sind, ihren Körper auf Kinderwunsch einzustellen. Was macht es mit ihnen, wenn es Monat für Monat wieder nicht klappt? Wenn sie Monat für Monat wieder mit dem Kopf schütteln müssen, sobald die regelmäßige Statusabfrage des Umfeldes erfolgt? Es hat doch einen guten Grund, dass die Befruchtungsprozesse innerhalb des Körpers, für die Mitmenschen verborgen, stattfinden. Mein Körper gehört mir, und damit alles, was darin vorgeht.

Die Spannung löst sich, sobald alle gebärfähigen Damen am Alkohol genippt haben

Seitdem ich mich bei der Getränkeauswahl gaffenden Blicken ausgesetzt fühle, bestelle ich Alkohol. Immer. Egal, ob mir danach der Magen kneift, oder ob ich eigentlich mehr Bock auf Limo habe. Mindestens ein Getränk des Abends muss promillehaltig sein. Das macht mir das Leben leichter. Es verhindert Gespräche, die ich nicht führen möchte. Interessant zu sehen ist, wie sich plötzlich jegliche Anspannung bei einer Veranstaltung löst, sobald alle gebärfähigen Damen der Runde zumindest einmal am Alkohol genippt haben. Ach, wobei, nippen reicht nicht. „Du hast doch gar nicht richtig getrunken.“ Meine Reaktion? Ein großer Schluck aus dem Glas. Bitteschön, gern geschehen, nächste Nachfrage erst in einigen Wochen notwendig.

Sie lieben sich nur, wenn sie betrunken sind – Warum Alkohol unseren Beziehungen schadet

Welche Faktoren bestimmen eigentlich unsere Beziehungen? Abgesehen von gegenseitiger Zuneigung, bestenfalls Liebe, könnte man gemeinsame Hobbys, einen stabilen Freundeskreis und eine ähnliche Zukunftsvorstellung anführen. Ein Part, der jedoch oft vergessen wird, ist Alkohol. Was Alkohol mit unseren Beziehungen zu tun hat? Eine Menge. Als Alltagsdroge beliebt, sorgt er nicht nur für ausschweifende Partynächte, sondern auch für eine verschobene Gefühlswelt.

Es gibt Beziehungen, und es sind nicht wenige, die nur mit dem Genuss von Alkohol funktionieren. Das klingt im ersten Moment radikal. “Die lieben sich nur, wenn sie besoffen sind.”. Schaut man sich jedoch an, wie viele Paare ihren Alltag bestreiten, wird klar, welchen großen Stellenwert das betäubende Nervengift hat.

Ein romantischer Pärchenabend ohne ein Glas Wein oder Bier?

Zu allererst sollte man sich fragen, welche positiven Eigenschaften der Genuss von Alkohol mit sich bringt. Es ist kein Zufall, dass ein romantischer Pärchenabend gerne mit dem fast schon obligatorischen Glas Wein kombiniert wird. Alkohol sorgt dafür, dass wir redseliger werden. Die Zunge sitzt lockerer und wir haben plötzlich das Bedürfnis uns mitzuteilen. Jeder, der sich schon in einer längeren Beziehung befand, kann nachfühlen, wie es ist, wenn man sich nach einem anstrengenden Arbeitstag am Abendbrottisch nur noch über das Wetter, das aktuelle Fernsehprogramm und den neuesten Klatsch und Tratsch unterhält. Tiefsinnige Gespräche, die auf eine Entwicklung der Beziehung abzielen, scheinen verschwunden. Hier sorgt das ein oder andere Glas Wein oder Bier dafür, dass manche, längst vergessene Gemeinsamkeiten, zu Tage kommen. Wir wollten doch zusammen die Welt erkunden, eine Familie gründen oder einfach mehr Zeit miteinander verbringen – solche Erkenntnisse ergeben sich nicht vor Netflix oder während des Kaffeetrinkens. Es gibt Paare, die abseits eines leichten Rauschzustandes überhaupt keine tiefere Kommunikationsebene mehr miteinander finden. Sie nutzen jede sich bietende Gelegenheit, etwas tiefer ins Glas zu schauen, der Liebe wegen.

Die Alltagsdroge als Gefühlsverstärker

Alkohol verstärkt Gefühle. Er sorgt dafür, dass uns plötzlich klar wird, wie schrecklich verliebt wir doch sind. Das kann sich ziemlich schön anfühlen, hat aber nichts mit unserer realen Gefühlslage zu tun. Wie unangenehm das werden kann, habe ich am eigenen Leib erlebt. Ich gehörte zu der Kategorie „Handy zu Hause lassen, wenn ich etwas trinken gehe“. Habe ich ein paar Gläser genossen, verfalle ich in einen Kurznachrichten-Schreibwahn. Berauscht gehe ich davon aus, die mit meinen Nachrichten beglückten, würden sich über meine Gefühlsausbrüche freuen. Dass ich mich nach einer durchzechten Nacht viel zu oft entschuldigen muss, erklärt sich von selbst.

Er enthemmt und lässt uns zueinander finden

Ein weiterer Aspekt, der Alkohol zu einem wichtigen Faktor in unseren Beziehungen macht, ist Sex. Alkohol enthemmt und sorgt dafür, dass wir das Tier in uns einfach machen lassen, ohne großartig nachzudenken. Das kann unglaublich aufregend sein. Zumindest, solange der Pegel sich nicht jenseits von Gut und Böse befindet, dann wird das Ganze eher zum Trauerspiel. Sich im Alltag dem Partner hinzugeben, fällt vielen Pärchen schwer. Nicht umsonst wir gerne scherzhaft behauptet, manch einer würde während des Liebesspiels die Einkaufsliste der nächsten Tage zusammenstellen, anstatt die Zweisamkeit zu genießen. Alkohol entspannt nicht nur den Körper, sondern auch die Gedanken. Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, dass Gespräche und Bettsport mit ein zwei Gläschen einfacher sind, kommt man aus diesem Teufelskreis kaum mehr heraus. Es wird zur Normalität zur Flasche zu greifen, wenn man eine gute Zeit miteinander haben möchte.

Der Auslöser Nummer 1 für Seitensprünge

Läuft es mit dem Partner nicht mehr ganz rund, ist Alkohol der Grund Nummer 1, der vorgebracht wird, wenn es um Affären und Betrug geht. „Ich war betrunken“ – die allgemeingültige Ausrede für Seitensprünge. Alkohol lässt unsere Hemmschwelle sinken und das Herzblatt für einige Zeit aus dem Kopf verschwinden, um die Bahn für andere interessante Kontakte frei zu machen. Alkohol ist ein Ventil für unsere Bedürfnisse und Sehnsüchte, die wir uns im nüchternen Zustand selten eingestehen. Wer viel trinkt, erhöht somit sein Risiko, durch unüberlegte Flirtereien seine Beziehung zu zerstören.

Alkohol schadet Beziehungen

Wie konnte es dazu kommen, dass das Nervengift Alkohol in vielen Beziehungen eine so wichtige Rolle spielt? Wir hetzen durch den Alltag und schaffen es nicht, innere Ruhe zu finden. Entspannung, die es für eine funktionierende Beziehung braucht, erreichen wir nur mit einem gefüllten Glas in der Hand. Das ist gefährlich für unsere Liebe. Können wir uns sicher sein, dass wir dem Menschen, der neben uns aufwacht, auch nüchtern betrachtet, zu Füßen liegen? Oder lieben wir das, was wir als Paar sind, wenn die Promille durch unser Blut fließen?

Alkohol schadet Beziehungen. Er sorgt zwar dafür, dass wir uns einander öffnen, aber vermindert gleichzeitig unsere Fähigkeit zu denken. Alkohol bringt und zueinander, trennt uns aber schneller, als uns lieb ist. Liebe? Lieber nüchtern betrachten.

Ekstase! – Es gibt doch noch etwas im Nachtleben zu entdecken

Ich habe schon viel erlebt. In meinen Augen sogar schon sehr viel. Gerade was das Partyleben und die Eskalation betrifft, bin ich kein Kind von Traurigkeit. Es gibt aber anscheinend doch noch Dinge, die ich noch nicht durchleben durfte. Beginnen wir von vorn. Samstagabend, Sommerwetter und eine gute Party in Aussicht. Gegen 21 Uhr füllte sich so langsam meine Terrasse, auf die ich zum fröhlichen Vorglühen geladen hatte. Bei Cuba Libre, Gin Tonic und Sekt starteten wir in einen verheißungsvollen Abend. Eintritt mussten wir im Club natürlich nicht zahlen. Das ist ein sehr angenehmer Nebeneffekt, wenn man durch viele legendäre Partys so bekannt ist, dass Eintritt zahlen flach fällt. Na gut, in diesem Fall waren es gewonnene Gästelistenplätze, aber die nehmen wir natürlich auch gern. Im Club angekommen checkten wir erstmal, welcher der Floors zu unserem zu Hause werden würde. Irgendwie konnte keiner so richtig überzeugen, also zogen wir uns an die Bar zurück. Erstmal einen Wodka trinken! Dass dies der Einstieg für einen sehr russischen Abend werden würde, war uns da noch nicht bewusst. Als der Wodka seine Wirkung entfaltete, hielt uns nichts mehr am Tresen und wir schwangen das Tanzbein.

Der stressige Alltag war fern wie eine Reise nach Tokio

Rechts, links, vor, zurück, immer im Beat der Musik. Richtig spannend wurde es allerdings erst, als ich mit meinen Freunden den HipHop Floor betrat. Eigentlich waren wir direkt gewillt auf der Türschwelle kehrt zu machen, als plötzlich doch ein tanzbares Lied angespielt wurde. Schnell noch ein Bier und einen Wodka genehmigt, und ab ging die Post. Der Floor auf dem wir tanzten, hatte leider auch schon die eine oder andere Bierdusche abbekommen, so dass ich mit meinen Füßen mehr oder weniger am Boden festklebte. Wir sahen uns daher gezwungen, unsere Tanzeinlagen auf einem benachbarten Podest weiterzuführen. Man sollte dazu erwähnen, dass der Floor im Allgemeinen recht leer war. Da tanzten wir nun an einem eher wenig unauffälligen Ort und begannen alles um uns herum zu vergessen. Drehen, drehen, drehen bis uns schlecht wurde. Der stressige Alltag war ferner als eine Reise nach Tokio. Hatte mich vorab noch die ein oder andere emotionale Sorge beschäftigt, fühlte ich mich nun wie ein kleines Vögelchen, welches zum ersten Mal in den Himmel fliegt. Während meines emotionalen Höhenfluges wurde ich von einem jungen Herren beobachtet.

„Ich kaufe dir alles was du willst!“

Ich nahm ihn erst gar nicht so recht wahr, aber umso später der Abend wurde, desto mehr drängte er sich auf. Aufgrund des ausgedehnten Alkoholkonsums kann ich leider nicht mehr rekonstruieren, wie wir wirklich ins Gespräch kamen. Der Herr stellte sich als erfolgreicher Mitarbeiter eines großen Autokonzernes vor. Er war nicht müde regelmäßig zu erwähnen, wie erfolgreich und vor allem reich er war. Aus einem „zusammen einen trinken“ wurde dann schnell das Angebot, doch direkt eine komplette Flasche Wodka zu besorgen. So ein Angebot war ich in diesem Club nicht gewöhnt. Dass man mal einen Shot ausgegeben bekommt, ist relativ normal, aber eine komplette Flasche, war uns neu. Jule wäre aber nicht Jule, wenn sie nicht erstmal testen würde, was für eine Art Mann da vor ihr stand. Ihr müsst wissen, dass ich zu Männern sehr uncharmant sein kann, wenn sie mir komisch vorkommen. Ich versuche dann instinktiv diesen Herren durch mein Verhalten loszuwerden. „Lass uns an der Bar was zusammen trinken“, bat mich mein Gegenüber. „Nein, ich bleibe hier. Du hast doch zwei Beine oder? Dann bring die Getränke her, das solltest du schaffen. Und vergiss nicht meinen Freunden auch was zu besorgen!“, antwortete ich dominant.

Hätte ich nur vorher gewusst, dass der auf dominante Frauen steht

Ha, den bist du aber fix losgeworden, dachte ich. Doch als der junge Mann Minuten später mit einem Kasten vor der Brust ankam, war ich sprachlos. Eine Flasche Wodka und eine Auswahl aus RedBull und anderen Softgetränken türmte sich neben leeren Bechern. Ich mischte mir einen RedBull mit Wodka und war leicht beeindruckt. Später gestand der Herr mir, total auf dominante Frauen abzufahren. Hätte ich das mal gewusst! Denn ich zog meine wenig freundliche Art weiter durch und fand mehr und mehr Gefallen daran, diesen Mann herumzukommandieren. Wie ein kleines Hündchen schickte ich ihn von A nach B. Und wie dankte er es mir? Mit versprochenen Essenseinladungen und einem angebotenen Heimfahrservice. „Ich kaufe dir alles was du willst“, lallte er mir ins Ohr. Ich kann nicht verleugnen, dass ich mich sehr geschmeichelt fühlte. Ein Mann der mir, wenn auch betrunken, die Welt zu Füßen legen wollte. Das streichelt doch jedes Ego, oder? Leider gab es den ein, oder anderen Moment, in dem es mir zu viel wurde. Die Momente, in denen er versuchte seine Hände an Stellen zu packen, an denen ich sie nicht gerne hatte. Doch da kann man sich 1A auf meine Freunde verlassen. Sofort zur Stelle zogen sie mich weg und machten den Herren damit noch willenloser. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir keinen Spaß gemacht hat, mit diesem Mann zu spielen!

Wir machen jetzt mal ne Show

Generell war dieser Abend ein Abend der Show. Nachdem die Flasche Wodka geleert war, flüsterte ich meiner besten Freundin ins Ohr, wir sollten jetzt mal eine richtige Show veranstalten. Nachdem sie nickte, begannen wir hemmungslos auf der Tanzfläche zu knutschen. Wie gerne hätte ich die Blicke auf uns gesehen. „Ich glaub ich brauch erstmal 5 Minuten“ rief uns ein Freund entgegen, der sich plötzlich leicht verstört nach draußen verzog. Anscheinend machten wir den umstehenden Partygästen Freude, da kurz darauf eine Dame auf uns zukam und fragte, ob wir ihren Kumpel nicht in unsere Show integrieren könnten. Nein danke! Wir hatten uns, und das reichte. Bei einer Party alles um sich herum zu vergessen, ist wirklich ein Segen. Nicht an die Vergangenheit zu denken und die Zukunft, Zukunft sein zu lassen. Es war Ekstase. Als wir morgens gegen 5 ins Tageslicht purzelten, fühlte ich mich wie in einer anderen Welt. Wir mussten uns erst einmal nach draußen legen. Als sich uns dort ein fremder Mann näherte, schreckte ich kurz auf. „Ich wollte mich entschuldigen! Tut mir echt leid.“, sagte er kleinlaut. Ich schaute ihn verdutzt an und antwortete: „Danke. Schäm dich was!“. Dass ich mich nicht erinnern konnte, für was sich dieser Kerl wohl entschuldigen wollte, gestand ich meiner Freundin erst als er wieder das Weite gesucht hatte. Als wir dort auf dem harten Holz einer Sitzgelegenheit lagen, war alles perfekt. Die Welt drehte sich. Und das nicht nur in meinem Kopf. Ich hätte nicht erwartet, dass ich mal etwas Neues beim Feiern erleben könnte, aber ich wurde eines Besseren belehrt. Und ganz ehrlich: Das macht Lust auf mehr!

„Zeigt eure Liebe – Aber bitte nicht so!“ – auf beziehungsweise-magazin.de

Am liebsten hätte ich ein knallgelbes Absperrband um die beiden gezogen, auf dem groß „Bitte gehen sie weiter. Hier gibt es nichts zu sehen!“ gestanden hätte.„. Ooooohh ja! Kennt ihr das, wenn sich an einem feucht fröhlichen Abend zwei Menschen finden, die sich sonst nicht einmal angeschaut hätten? Da kann es schnell hoch her, und mir ziemlich auf den Geist gehen! Berechtigt, oder spricht da der pure Neid aus mir?

Zeigt eure Liebe – Aber bitte nicht so!

Sind „dumme“ Menschen glücklicher, als intelligente?

„Weißt du eigentlich, dass dumme Menschen tendenziell glücklicher sind als intelligente?“, eröffnete mir ein Freund, während wir in der Speisekarte eines Restaurants blätterten. Dieser Satz brachte mich mit sofortiger Wirkung aus dem Konzept, so dass ich nur noch zwischen den Seiten blätterte, ohne auch nur ein Gericht auf der Karte zu lesen. Der Klang der sich bewegenden Seiten, half mir beim Nachdenken. Hatte die Intelligenz eines Menschen wirklich mit seinem Glücksempfinden zu tun? Waren es die „einfachen“ Menschen, die mir mit einem Lächeln entgegen kamen, währenddessen die  Bildungselite ein grimmiges Gesicht aufsetzte? So ganz unrecht hatte mein Kumpel nicht, bemerkte ich. „Was darf ich ihnen bringen?“, unterbrach der Kellner meine Gedanken schlagartig und holte mich wieder auf den Boden der Realität zurück. „Intelligente Menschen denken viel mehr nach. Sie zerdenken die Dinge so lange bis sie etwas gefunden haben, was ihnen nicht passt.“, fügte mein Kumpel hinzu. Hm, dachte ich, ist schon irgendwie was dran.

Gerade was die Liebe anbelangt, haben es gefühlt die Akademiker schwerer. Bevor überhaupt in Erwägung gezogen wird eine Beziehung aufzubauen, werden Pläne durchdacht, Abwägungen getroffen und Treffen ausgewertet. Da kann stundenlang darüber philosophiert werden ob, und wie sehr man nun verliebt sei. Die wenigsten verlassen sich auf ihr Bauchgefühl, wenn es ums Kennenlernen geht. Es hat eher etwas mit Vernunft zu tun, wenn intelligente Menschen eine Beziehung eingehen. Dabei sollte eine Anbandlung doch locker und entspannt vor sich gehen. Einfach mal auf sich zukommen lassen, ist die Ideallösung. Aber das können nur die Menschen, die eine rosarote Brille zulassen. Dies erfordert eine gewisse Naivität. „Vielleicht hat es bei dir deswegen so lange nicht geklappt, weil du die rosarote Brille zerdacht hast.“. Ohne rosarote Brille wird man direkt mit dem vollen Paket „Mensch“ konfrontiert. Da fehlt einfach der Filter, der ein Paar am Anfang denken lässt, den perfekten Partner gefunden zu haben. Man kann sie sich eben doch nicht herbeidenken, die Schmetterlinge im Bauch. Was die Liebe anbetrifft, bin ich anderer Meinung. Die lässt sich sehr wohl „herbeidenken“, da gehört viel Vernunft und Wille dazu.

Intelligenz hat meiner Meinung nach auch einen großen Einfluss auf das Sexualleben. Unter vorgehaltener Hand sagt man ja gern „Dumm fickt gut!“. Auch das hat damit zu tun, dass weniger intelligente Menschen ihren Kopf viel besser ausschalten können. Sie lassen die Eindrücke auf sich wirken, ohne sich unnötig das Hirn darüber zu zermatern, was gerade falsch laufen könnte. Gerade sexuell gesehen, kommt es bei Akademikerpaaren öfter dazu, dass sie sich als Paar nicht mehr genügen. „Wenn man sich die Leute in Swingerclubs so anschaut, fast nur studierte Menschen!“, gestand mir mein Kumpel. Das war neu für mich. Da ich mich nicht in solchen Lokalitäten aufhalte, fehlte mir einfach die Erfahrung. Logisch erklären, konnte ich es mir jedoch trotzdem. Ist der geistige Horizont weiter, als bei anderen Menschen, braucht es auch andere Dinge, um glücklich zu werden. Die Ansprüche sind höher, die Erfahrungen müssen spannender sein. Man gibt sich nicht so einfach zufrieden mit dem, was man hat.

Womit ich allerdings Erfahrung habe, ist das Thema Alkohol. Ob man es glaubt oder nicht, intelligente Menschen trinken tendenziell mehr Alkohol als weniger intelligente. Sie werden nicht so schnell zum Alkoholiker, aber wenn es mal zur Sache geht, dann richtig. Ich schließe mich da nicht aus! Alkohol ist eine der besten Methoden, um das Hirn  etwas ruhig zu stellen. Einfach mal die Gedankenmaschine ausmachen und den Moment genießen. Ich genieße es, diese Möglichkeit der Entspannung zu haben. Doch die Ursachen der Gedankenspirale löst auch der Alkohol nicht, zumindest nicht dauerhaft. Es sind kleine Momente, die einen so manchen „einfachen“ Menschen beneiden lassen.

Ich wüsste manchmal gern, wie es sich anfühlt, sich nicht über jede Kleinigkeit Gedanken zu machen. Die Welt mal so zu nehmen, wie sie ist. Vielleicht hat man dann weniger Sorgen und Nöte? Vielleicht geht man dann ohne Taktiken und Hintergedanken vor? Das Leben könnte so einfach sein! Ich würde mir damit so einiges an Kummer ersparen, glaube ich. Einfach mal glücklich sein, ohne „wenn“, ohne „aber“.

Abwesend starrte ich auf den bestellten Salat, der vor meiner Nase stand. „Und, bist du glücklich?“, fragte mein Gegenüber. „Ja! Aber….“