Weicheier! Solche Männer braucht kein Mensch

Liebe Männer, wollt ihr mich veralbern? Was’n los bei euch? War da was im Essen, oder sind eure Eier plötzlich anderweitig verloren gegangen?

Manmanman, früher war auch alles besser. Ich rege mich auf. Ich rege mich tierisch auf. Eigentlich mag ich Männer, ganz ehrlich. Doch wie die Männlichkeit in den letzten Jahren gelitten hat, kann ich nicht mehr akzeptieren.

Frauen sind manchmal tickende Zeitbomben

Freitagabend, Stammbar, meine Mädels und ich machen mit einem Bierchen in der Hand die Tanzfläche unsicher. Rechts, Links, Hüftschwung, wir bewegen uns zum Beat der Musik. Plötzlich registriere ich ein Stirnrunzeln auf dem Gesicht meiner besten Freundin. Wütend schielt sie zu einem Typen hinüber, der schon seit einigen Songs seine Gliedmaßen um sich wirft. Was auch immer der eingeschmissen hat, es scheint starkes Zeug gewesen zu sein. Wild gestikulierend bemerkte er nicht, dass er mit Händen, Füßen und Ellenbogen regelmäßig an die Damen im Umkreis stieß. Das passierte einmal, das passierte zweimal. Ich sah wie sich die Gesichtsfarbe meiner Freundin langsam von einem sonnengebräunten Braun in ein wütendes Rot entwickelte. Wir Mädels sind in solchen Situationen wie kleine tickende Zeitbomben. Auf den Verdacht hin, dass die uns aufregende Person nicht mit Absicht handeln würde, stecken wir die ersten Versuche der Körperverletzung noch stumm weg. Doch irgendwann fangen wir an zu schnaufen und es reicht eine minimale Berührung, um uns zum explodieren zu bringen. Diese kleine Berührung erfolgte schnell, und schon hatte der Tanzkasper den Ellenbogen meiner Freundin in den Rippen.

Die schwitzigen Tentakeln des Körperklaus

Ich flüsterte ihr ins Ohr, dass er nun verstanden haben müsste, dass ein gewisser Sicherheitsabstand ratsam war. Womit wir jedoch nicht gerechnet hatten war, dass unser Alleinunterhalter dies als eindeutiges Flirtzeichen auffasste. Er begann nun zusätzlich zum Gliedmaßen umherwerfen, unverständliche Sätze in unsere Richtung zu faseln. Da wir nicht auf eine Eskalation aus waren, ignorierten wir sein Gebrabbel und wippten im Takt der Musik. Plötzlich schlungen sich die Arme des Körperklaus von hinten um meine Freundin herum. Sekundenschnell schleuderte sie die schwitzigen Tentakeln von sich, so dass ich kaum Zeit hatte, ebenfalls zu reagieren. Nach einigen Sekunden platzte auch bei mir die Bombe. Ich stiefelte auf den Herren zu, und versuchte ihm klar zu machen, was ich von dieser Aktion hielt. „Noch son Ding und es kracht. Fasst du sie noch einmal an, hagelt es hier Hausverbot.“. In der Hoffnung, dass die Botschaft angekommen war, drehte ich mich um, und brachte meinen Puls wieder auf ein normales Tempo. Dass der Tanzkasper mich weiterhin vollbrabbelte, ignorierte ich höflich. Nun muss er es doch verstanden haben, dachten wir. Doch anstatt sich zurückzuhalten, verschwand der Herr in der nächsten Frauentruppe, um sich weitere Körbe abzuholen. Als wir die Tanzfläche betreten hatten, befanden sich fast nur Frauen darauf. Dieser Körperklaus schaffte es aber innerhalb kürzester Zeit, die Damen zu verscheuchen. Rotierend baggerte er jedes weibliche Wesen an, was ihm vor die Nase kam. So viel Abscheu und Ablehnung habe ich selten auf einer Tanzfläche gesehen.

Beschützer? Fehlanzeige.

Das Schlimmste an dieser Situation war, dass die herumstehenden Männer nicht reagiert haben. Obwohl wir Frauen diesen Herren schon wegstoßen mussten, kam niemand auf die Idee, ihn höflich des Raumes zu verweisen. Sogar ein Hinterngrabscher wurde übergangen. Die einzigen die eingriffen, waren meine Freundin und ich, indem wir uns vor das begrabschte Mädchen stellten, und den Körperklaus nochmals darauf hinwiesen, dass er seine Hände bei sich behalten sollte. Dass einige Damen sogar mit männlicher Begleitung tanzten, machte unserem Tanzbären absolut nichts aus. Eine Dreiergruppe tanzte direkt neben uns. Zwei Mädels, ein Kerl. Mit den Armen um sich werfend drängte sich der Körperklaus in diese Gruppe hinein. Er stellte sich vor die männliche Begleitung und baggerte an den Frauen herum was das Zeug hielt. In mir brodelte es. Sollte ich eingreifen? Sogar in mir brannte langsam ein Beschützerinstinkt, so dass ich dafür sorgen wollte, dass die beiden Mädels nicht auch noch betatscht werden würden. Ich suchte Blickkontakt zu ihrer männlichen Begleitung. Als ich keine Reaktion bekam, klopfte ich ihm kurz auf die Schulter. „Du, sag mal, willst du deine Frauen nicht beschützen? Der Kerl da geht ihnen ganz schön auf die Nerven.“, sagte ich, während die Show vor uns weiter ging. Wie er das denn anstellen sollte, erwiderte er auf meine Bitte den Kerl doch schnell zu entfernen. Was weiß denn ich? Nett darum bitten den Raum zu verlassen? Schüchtern und ängstlich stiefelte der Herr nun zum Körperklaus und suchte das Gespräch. Was auch immer er gesagt hatte, es schien zu funktionieren. Kurz darauf verließ der Tanzbär den Raum. Der „Frauenbeschützer“ lächelte mir daraufhin zu und entschuldigte sich inständig, dass er nicht früher reagiert hatte.

Was sind das bitte für Männer die wegschauen, oder sich erst dazu bequemen zu reagieren, wenn Frau sie darauf hinweist? Ich erwarte nicht, dass mit Faustschlägen kommuniziert wird. Ich erwarte lediglich, dass ein Mann so einen Kerl darauf hinweist, dass sein Verhalten nicht in Ordnung ist. Wir Frauen haben das getan, doch es hat uns nichts genützt. Nachdem die Situation deeskaliert war, nahm mich eine der beiden Frauen zur Seite. „Solche Kerle brauchste echt nich. Sind im ersten Moment vielleicht heiß, aber wenn es drauf ankommt, ziehen sie den Schwanz ein.“, flüsterte sie mir ins Ohr.

Ekstase! – Es gibt doch noch etwas im Nachtleben zu entdecken

Ich habe schon viel erlebt. In meinen Augen sogar schon sehr viel. Gerade was das Partyleben und die Eskalation betrifft, bin ich kein Kind von Traurigkeit. Es gibt aber anscheinend doch noch Dinge, die ich noch nicht durchleben durfte. Beginnen wir von vorn. Samstagabend, Sommerwetter und eine gute Party in Aussicht. Gegen 21 Uhr füllte sich so langsam meine Terrasse, auf die ich zum fröhlichen Vorglühen geladen hatte. Bei Cuba Libre, Gin Tonic und Sekt starteten wir in einen verheißungsvollen Abend. Eintritt mussten wir im Club natürlich nicht zahlen. Das ist ein sehr angenehmer Nebeneffekt, wenn man durch viele legendäre Partys so bekannt ist, dass Eintritt zahlen flach fällt. Na gut, in diesem Fall waren es gewonnene Gästelistenplätze, aber die nehmen wir natürlich auch gern. Im Club angekommen checkten wir erstmal, welcher der Floors zu unserem zu Hause werden würde. Irgendwie konnte keiner so richtig überzeugen, also zogen wir uns an die Bar zurück. Erstmal einen Wodka trinken! Dass dies der Einstieg für einen sehr russischen Abend werden würde, war uns da noch nicht bewusst. Als der Wodka seine Wirkung entfaltete, hielt uns nichts mehr am Tresen und wir schwangen das Tanzbein.

Der stressige Alltag war fern wie eine Reise nach Tokio

Rechts, links, vor, zurück, immer im Beat der Musik. Richtig spannend wurde es allerdings erst, als ich mit meinen Freunden den HipHop Floor betrat. Eigentlich waren wir direkt gewillt auf der Türschwelle kehrt zu machen, als plötzlich doch ein tanzbares Lied angespielt wurde. Schnell noch ein Bier und einen Wodka genehmigt, und ab ging die Post. Der Floor auf dem wir tanzten, hatte leider auch schon die eine oder andere Bierdusche abbekommen, so dass ich mit meinen Füßen mehr oder weniger am Boden festklebte. Wir sahen uns daher gezwungen, unsere Tanzeinlagen auf einem benachbarten Podest weiterzuführen. Man sollte dazu erwähnen, dass der Floor im Allgemeinen recht leer war. Da tanzten wir nun an einem eher wenig unauffälligen Ort und begannen alles um uns herum zu vergessen. Drehen, drehen, drehen bis uns schlecht wurde. Der stressige Alltag war ferner als eine Reise nach Tokio. Hatte mich vorab noch die ein oder andere emotionale Sorge beschäftigt, fühlte ich mich nun wie ein kleines Vögelchen, welches zum ersten Mal in den Himmel fliegt. Während meines emotionalen Höhenfluges wurde ich von einem jungen Herren beobachtet.

„Ich kaufe dir alles was du willst!“

Ich nahm ihn erst gar nicht so recht wahr, aber umso später der Abend wurde, desto mehr drängte er sich auf. Aufgrund des ausgedehnten Alkoholkonsums kann ich leider nicht mehr rekonstruieren, wie wir wirklich ins Gespräch kamen. Der Herr stellte sich als erfolgreicher Mitarbeiter eines großen Autokonzernes vor. Er war nicht müde regelmäßig zu erwähnen, wie erfolgreich und vor allem reich er war. Aus einem „zusammen einen trinken“ wurde dann schnell das Angebot, doch direkt eine komplette Flasche Wodka zu besorgen. So ein Angebot war ich in diesem Club nicht gewöhnt. Dass man mal einen Shot ausgegeben bekommt, ist relativ normal, aber eine komplette Flasche, war uns neu. Jule wäre aber nicht Jule, wenn sie nicht erstmal testen würde, was für eine Art Mann da vor ihr stand. Ihr müsst wissen, dass ich zu Männern sehr uncharmant sein kann, wenn sie mir komisch vorkommen. Ich versuche dann instinktiv diesen Herren durch mein Verhalten loszuwerden. „Lass uns an der Bar was zusammen trinken“, bat mich mein Gegenüber. „Nein, ich bleibe hier. Du hast doch zwei Beine oder? Dann bring die Getränke her, das solltest du schaffen. Und vergiss nicht meinen Freunden auch was zu besorgen!“, antwortete ich dominant.

Hätte ich nur vorher gewusst, dass der auf dominante Frauen steht

Ha, den bist du aber fix losgeworden, dachte ich. Doch als der junge Mann Minuten später mit einem Kasten vor der Brust ankam, war ich sprachlos. Eine Flasche Wodka und eine Auswahl aus RedBull und anderen Softgetränken türmte sich neben leeren Bechern. Ich mischte mir einen RedBull mit Wodka und war leicht beeindruckt. Später gestand der Herr mir, total auf dominante Frauen abzufahren. Hätte ich das mal gewusst! Denn ich zog meine wenig freundliche Art weiter durch und fand mehr und mehr Gefallen daran, diesen Mann herumzukommandieren. Wie ein kleines Hündchen schickte ich ihn von A nach B. Und wie dankte er es mir? Mit versprochenen Essenseinladungen und einem angebotenen Heimfahrservice. „Ich kaufe dir alles was du willst“, lallte er mir ins Ohr. Ich kann nicht verleugnen, dass ich mich sehr geschmeichelt fühlte. Ein Mann der mir, wenn auch betrunken, die Welt zu Füßen legen wollte. Das streichelt doch jedes Ego, oder? Leider gab es den ein, oder anderen Moment, in dem es mir zu viel wurde. Die Momente, in denen er versuchte seine Hände an Stellen zu packen, an denen ich sie nicht gerne hatte. Doch da kann man sich 1A auf meine Freunde verlassen. Sofort zur Stelle zogen sie mich weg und machten den Herren damit noch willenloser. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir keinen Spaß gemacht hat, mit diesem Mann zu spielen!

Wir machen jetzt mal ne Show

Generell war dieser Abend ein Abend der Show. Nachdem die Flasche Wodka geleert war, flüsterte ich meiner besten Freundin ins Ohr, wir sollten jetzt mal eine richtige Show veranstalten. Nachdem sie nickte, begannen wir hemmungslos auf der Tanzfläche zu knutschen. Wie gerne hätte ich die Blicke auf uns gesehen. „Ich glaub ich brauch erstmal 5 Minuten“ rief uns ein Freund entgegen, der sich plötzlich leicht verstört nach draußen verzog. Anscheinend machten wir den umstehenden Partygästen Freude, da kurz darauf eine Dame auf uns zukam und fragte, ob wir ihren Kumpel nicht in unsere Show integrieren könnten. Nein danke! Wir hatten uns, und das reichte. Bei einer Party alles um sich herum zu vergessen, ist wirklich ein Segen. Nicht an die Vergangenheit zu denken und die Zukunft, Zukunft sein zu lassen. Es war Ekstase. Als wir morgens gegen 5 ins Tageslicht purzelten, fühlte ich mich wie in einer anderen Welt. Wir mussten uns erst einmal nach draußen legen. Als sich uns dort ein fremder Mann näherte, schreckte ich kurz auf. „Ich wollte mich entschuldigen! Tut mir echt leid.“, sagte er kleinlaut. Ich schaute ihn verdutzt an und antwortete: „Danke. Schäm dich was!“. Dass ich mich nicht erinnern konnte, für was sich dieser Kerl wohl entschuldigen wollte, gestand ich meiner Freundin erst als er wieder das Weite gesucht hatte. Als wir dort auf dem harten Holz einer Sitzgelegenheit lagen, war alles perfekt. Die Welt drehte sich. Und das nicht nur in meinem Kopf. Ich hätte nicht erwartet, dass ich mal etwas Neues beim Feiern erleben könnte, aber ich wurde eines Besseren belehrt. Und ganz ehrlich: Das macht Lust auf mehr!

Zuneigung gegen wilde Partyabende. Na mal sehen, ob der Deal für mich aufgeht.

Wie ja einige von euch schon wissen, ist die Jule jetzt nicht mehr auf dem Singlemarkt verfügbar. „Vergeben“ würde man das wohl beschreiben. Ziemlich frisch und somit auch ziemlich ungewohnt. Ich hatte mir ja vorgenommen, nicht allzuviel an meinem Leben zu ändern, soweit ich mich in einer Beziehung befinden würde. Doch das ist viel leichter gesagt, als getan! Komischerweise fällt meine Beste krankheitsbedingt genau an dem Abend aus, an dem ich meine „Singleabschiedsparty“ geben wollte. Gottseidank fand sich noch eine sehr gute Freundin, die mich auf die „Indie Rock“ Party meiner Stammbar begleiten würde. Sie ist allerdings ebenfalls vergeben. Egal was andere behaupten, es ist etwas anderes, als vergebene Person wegzugehen. Die Blicke sind anders, das Ziel ist logischerweise anders. Als Single gelten die Blicke den wunderschönen Männern mit dem Ziel, einen davon „abzuschleppen“. Man möchte meinen, diese „Umstellung“ auf Beziehung verlaufe ganz einfach und automatisch. Vergesst es! Das „Singleprogramm“ läuft im Kopf ab, ohne dass man etwas dazu tun würde. So checkte ich automatisch aus, welches „Material“ sich auf der Party befand. Wie oft hatte ich doch den Impuls meiner Besten zu schreiben, wie sehr ich sie vermissen würde und wieviele hübsche Männer sich doch in der Bar tummeln würden. Dazu passte sogar noch die Musik. Ich war traurig. Keine Beste da, keine Möglichkeit zu flirten, da man das ja nicht tut, so als „Beziehungsmensch“.

Was will man auch nach einer knappen Woche Beziehung erwarten, vom Hirn? Spätestens nach zwei Bier schaltet sich da wieder das alte Programm an: Abchecken, auschecken, klarmachen. Natürlich habe ich mich dagegen gewehrt, mit Erfolg. Aber wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo der Peter her. Mein Kryptonit. Der Mann, der mich durch seine alleinige Anwesenheit schon total kirre macht. Gut sah er aus! Frisch beim Friseur gewesen, also die Haare schön! Und was soll ich sagen: Immer schön in meiner Sichtlinie positioniert! Ich dachte, ich werd wahnsinnig. Also erstmal die erste Hilfe ergriffen, und umgedreht. Was ich nicht sehe, ist nicht da! Nicht mal aufs Klo habe ich mich getraut, da der Kerl natürlich direkt davor stand. Unclever ist er ja nicht, der Peter. Nachdem sich meine Begleitung verabschiedet hatte, tanzte ich noch eine Runde mit entfernten Bekannten. Auf die kann man sich natürlich nicht verlassen. Nach einer knappen halben Stunde, stand ich nun allein da. Ich versuchte möglichst auffallend zu tanzen. Vielleicht würde sich ja jemand zu mir stellen und mich unterhalten. Aber nö, mein Beziehungsstatus strahlte anscheinend aus. Ich wartete ein Lied ab, ich wartete zwei Lieder ab. Irgendwann wurde es mir zu doof. Ich schnappte meine Sachen, und trat den Heimweg an. Kurz nach 0 Uhr. Was ist denn da los? Da steigt die Stimmung doch gerade erst! Normalerweise bin ich nicht vor 4 Uhr nach Hause zu bekommen. Wenn mein Kerl wenigstens zu Hause auf mich warten würde, aber nein. Im Schneegestöber lief ich Richtung Heimat und dachte nach. War es das jetzt? War es das jetzt mit den ausschweifenden Partys? War es das jetzt, mit den vielen Erlebnissen am Wochenende? Diese Gedanken machten mir Angst. Wie sehr hab ich die Singlewochenenden doch genossen. Natürlich ist es schön abends auf der Couch zu kuscheln, aber mein Körper verlangt nach Musik, nach Tanzen, nach Eskalation. Zu sehr habe ich mich gewöhnt an das ausschweifende Leben.

Der Cut war mir zu hart. Ich kann doch nicht von 100 auf 0 zurück schalten, das macht mir Angst. Vermutlich wäre der Abend als Single genauso gelaufen. Naja, wobei, ich wäre wohl noch geblieben. Geblieben um mein Kryptonit anzuschmachten. Ich hätte viel mehr getrunken, viel mehr gebaggert und mich am Ende an irgendeinen Hals geschmissen. Ist schon gut so, wie es ist, aber der Ausstieg fällt mir schwer. Wer das eine will, muss das andere mögen. Gut gesagt, aber besser gesagt, als getan. Ich hoffe ich gewöhne mich daran. Manchmal muss man auch etwas aufgeben, um etwas gewinnen zu können. Zuneigung gegen wilde Partyabende….na mal sehen, ob der Deal für mich aufgeht.

Veto!- Was zählt Bauchgefühl?

Wieviel sollte man eigentlich auf die Meinung sehr enger Freunde geben? Kann es sein, dass sie Dinge sehen, die einem selbst gar nicht auffallen? Oder kann es sein, dass auch die allerbesten Freunde eine Sache falsch einschätzen? Aber von vorn. Ich habe ja bekanntlich begonnen, mich dem ernsthaften Dating zu widmen. Soweit, so schön. Samstagabend sollte der Abend werden, an dem ich merken wollte, ob da mehr Substanz hinter der Sache steckt. Nach einem geselligen Vorglühen, war der Gang auf eine Party geplant. Was uns auf dieser Party erwarten würde, wussten wir im Vorfeld nicht. Sie war mehr nur eine halb öffentliche Veranstaltung. Ebenfalls war nicht bekannt, ob ich auf dieser Party auf meinen aktuellen Datepartner treffen würde. Er war für den Abend schon anderweitig ausgeplant.

Der erste Schock ereilte meinte Beste und mich, als wir den Club betraten. Wer hat bitte die ganzen Kinder hier reingelassen? Zahnspangen und Babyfaces, wohin das Auge blickte. Na das kann ja heiter werden! So galt unsere erste Aufmerksamkeit der Bar. Wodka, Wodka, Wodka. So langsam interessierten wir uns nur noch semi für das Publikum und tanzten ausgelassen zur Musik. Nach und nach trafen endlich unsere liebsten Partyfreunde ein, und der Abend schien noch eine positive Wendung zu nehmen.

Nach einigen Stunden bemerkte ich, dass immer mehr Personal meiner Stammbar im Club ankam. So auch mein aktuelles Date. Natürlich freute ich mich ihn zu sehen, war trotzdem etwas überrascht. Wir begrüßten uns freudig und schafften es auf der Tanzfläche ab und zu miteinander zu quatschen. Ich zog ihn mit auf den Floor und schwang die Hüften. Es dauerte nicht lang, bis wir eng Hand in Hand tanzten. Und schon war es passiert. Er drückte mir endlich einen Kuss auf.

Das war aber langsam wirklich überfällig!“ – sagte ich, nachdem wir uns voneinander gelöst hatten. Er beteuerte, dass er sich bis jetzt bewusst zurück gehalten hatte, um der Sache Ernsthaftigkeit zu verleihen. Ebenfalls berichtete er mir davon, dass eine gemeinsame Bekannte ihn eindringlich davor gewarnt hatte, mir das Herz zu brechen. Süß, wie sich mein Umfeld um mein Herz sorgt. Wir konnten uns kaum voneinander lösen. Wie ungünstig das öffentliche Knutschen war, merkte ich erst später. Ich hatte auch schon vorher nicht den Ruf der Keuschheit in Person. Gerade in meiner Stammbar ist bekannt, dass ich gelegentlich nichts anbrennen lasse. So stand ich nun knutschend mit dem Chef-Barkeeper eben dieser Stammbar im Club, in dem sich ca. 50 % des Barpersonals aufhielten. Zumindest traut sich jetzt niemand mehr, mich an der Bar lange warten zu lassen, das würde sich sonst direkt zum „Chef“ weitertragen.

Kurze Zeit später sahen wir keinen Grund mehr darin, die anderen Gäste zu nerven, und verließen den Club. Ein schlechtes Gewissen hatte ich schon, ließ ich doch meine Beste zurück. Das Angebot eines Katerfrühstücks bei mir wurde dankend angenommen, und so hatte ich endlich mal wieder jemanden, an dem ich mich nachts wärmen konnte. Sogar meine Mietzekatze (wird von Fans auch „Dalek“ genannt), fand Gefallen an meinem Gast. Ich sehe es ja immer als Kompliment, wenn sie am Frühstückstisch auf dem Teller meines Besuches sitzt und versucht, dem die Wurst vom Brötchen zu klauen. Alles lief super, besser hätte man es sich nicht wünschen können.

Womit ich nicht gerechnet hatte: Das Vetorecht meiner Besten! Nachdem mein Gast gegangen war, nahm ich vorsichtig Kontakt zu meiner Freundin auf und erkundigte mich über den Grad ihres sauer seins. Gottseidank war dieser gering. Als sie mir dann jedoch ihr offizielles Veto aussprach, war ich verwundert.

Übrigens bekommst du jetzt mein offizielles Veto in Bezug auf A. und dich.“ – der hat gesessen!

Ich finde es gut, dass meine Freunde ihre ehrliche Meinung zu meinen Männern abgeben. Sie kennen mich und können vermutlich sehr gut einschätzen, wer zu mir passen würde. Diesem Veto stimmte auch ein anderer guter Freund zu, so dass an der Sache schon etwas dran sein musste. Wie geht man nun mit so etwas um? Ignorieren macht keinen Sinn, denn irgendwas muss dieses Veto ja ausgelöst haben. Ich muss zugeben, dass der A. und ich optisch eher kein Traumpaar abgeben. Aber was zählt da die Optik? Was genau das Veto ausgelöst hat, konnte meine Beste gar nicht richtig definieren. Bauchgefühl.

Ich bin ein großer Fan von Bauchgefühl und nehme es sehr ernst. Es ist also angebracht, mal darüber nachzudenken, was da dran ist, an diesem Veto. Am Ende entscheide ich, wer oder was mir gut tut, aber einen solchen Hinweis sollte man nicht ignorieren. Wie ist jetzt mein weiterer Plan? Vermutlich werde ich A. unter der Woche nicht sehen. Freitag werde ich versuchen, ihn in der Stammbar zu erwischen. Dann wird sich herausstellen, wie wir nun zueinander stehen. Ob er mich nett in den Arm nimmt, oder das Risiko eingeht, mich vor dem ganzen Laden zu küssen. Letzteres wäre genau das Zeichen, welches es gerade bräuchte. Dann werde ich auch spüren, ob es das ist, was ich mir für die Zukunft vorstelle. Und sollte es das sein, dann ist meine erste Aufgabe, ihn meinen Freunden näher zu bringen. Manchmal täuscht auch das Bauchgefühl und hinter dem Veto versteckt sich doch ein netter Kerl 🙂