Warum ihr dringend eure Smartphonekontaktliste aussortieren solltet

Ist eine Handynummer erstmal in meinem Telefonbuch, kommt sie da so schnell nicht mehr weg. Die meisten Menschen sortieren ihre Telefonkontakte regelmäßig aus, um den Überblick zu behalten. Doch ich lasse das schon seit mehreren Jahren.

Das fehlende Löschen hat allerdings zur Folge, dass vor allem mein Whats App ziemlich überfüllt ist. Meine Smartphonekontaktliste ist so lang, dass ich sogar manchmal das Gefühl habe, eine stetige Erweiterung würde automatisch stattfinden. Auch wenn es die Personen, die dort gespeichert sind, nicht merken, ich bekomme sehr wohl mit, was in ihrem Leben so los ist. Ein Whats App Profilbild sagt schließlich mehr als 1000 Worte. Kommt dazu noch ein aussagekräftiger Status, kann ich uneingeschränkt meiner Stalkingleidenschaft frönen. „Martin, sag mal, ist dein Bruder wieder Single?“, schrieb ich einem Kumpel, mit dessen Bruder ich abgesehen von der gespeicherten Handynummer eigentlich gar nichts zu tun hatte. Nach kurzer Zeit erhielt ich ein verblüfftes: „Woher weißt du das? Das wusste nicht mal ich.“. Tja mein Lieber, manchmal muss man etwas genauer hinschauen. Das Pärchenfoto entfernt, den Herzchenstatus geändert, ist doch wohl eindeutig.

Der Lauf der Zeit, abgebildet in kleinen Bildchen und wenigen Worten

Für mich sind Whats App Profilbilder und Statusmeldungen wie ein Fenster zum Leben meiner „Freunde“. Ich könnte mit der Zeit sogar einen kleinen Lebenslauf erstellen. Vergeben, Single, Glücklich, Traurig, Kind bekommen, geheiratet etc. pp. Alles das lässt sich feststellen. Wenn es mich nur nicht so deprimieren würde. Was soll mich denn bitte an einem blöden Bild und einem Spruch deprimieren, fragt ihr euch? Whats App ist für mich der Inbegriff des an mir vorbeiziehenden Lebens. Der überzeugte Single, den ich noch vor einem Jahr datete, ist plötzlich Vater geworden und trägt einen Ring am Finger. Wo ist nur die Zeit geblieben? Das Traumpaar, welches ich immer beneidet hatte, geht getrennte Wege. Die alte Schulfreundin reist um die ganze Welt und hat anscheinend im Lotto gewonnen….all das sind Dinge, die mich nervös machen. Was mögen sie wohl denken, wenn sie mich ab und zu per Whats App stalken sollten? Die Jule, die hat schon wieder ein neues Partyfoto als Profilbild. Ist das nicht immer die gleiche Freundin da an ihrer Seite? Man wie langweilig. Keine Fotos aus fernen Ländern, kein Ring am Finger und erst recht kein süßes Babylachen erfreut meine Stalker. Vor einigen Jahren reihte ich mich noch ein in die Riege der lustigen Feierbilder, die jede Woche aufs Neue zeigten, wie unbeschwert und sorglos wir unser Leben lebten.

Hinfort mit euch ihr verpixelten Bilderbuchmenschen!

Manchmal glaube ich, es ist eine Art Selbstverletzung, die ich mir zufügen will, wenn ich täglich durch meine Kontaktliste scrolle. Andere ritzen sich kleine Schnitte in den Arm, ich schaue mir Bilder von glücklichen Paaren und süßen Babys an. Mein einziger Lichtblick sind die Kontakte, die weder ihr Bild, noch ihren Status in den letzten Jahren verändert haben. Ihr seid meine Helden! Ihr gebt mir das Gefühl, dass ich nichts verpasst habe. Schaue ich diese Bilder an, bemerke ich nicht, wie viel Zeit doch vergangen ist. Meine beste Freundin hat es richtig gemacht, sie hat ihr Profilbild komplett entfernt. Das blieb natürlich nicht unbemerkt. Bei mir sprangen alle Alarmglocken an und ich musste erst einmal nachhaken, ob bei ihr alles in Ordnung wäre. Nachdem sie mich beruhigt hatte, wurde mir bewusst, welches Ziel sie verfolgte: Weg mit dem Druck, weg mit dem Posieren vor Menschen, mit denen man wahrscheinlich gar nicht mehr spricht. Vielleicht sollte ich mich anschließen? Wenn ich es dazu noch schaffe, mal auszusortieren und alle die Kontakte rauszuschmeißen, von denen ich zwar sehe wie sich ihr Leben entwickelt, aber nicht mehr daran beteiligt bin, kann ich mit guten Gewissen sagen: Macht doch was ihr wollt ihr verpixelten Bilderbuchmenschen.

Und womit haben Sie ihr Leben verbracht? – Schlafen, Arbeiten, Essen, Schlafen

Wir leben um zu arbeiten, davon zu leben und uns in der Zeit zwischen zwei Arbeitstagen wieder fit für die selbige zu machen. Kompliziert! Klingt zumindest so. Aber eigentlich ist es ganz einfach: damit man Geld zum Leben hat, muss man arbeiten gehen. Das tun die meisten von uns 40 Stunden in der Woche. 40 Stunden, das sind pro Werktag 8 Stunden. Rechnet man den durchschnittlichen Arbeitsweg, also die Pendlerzeit hinzu, ist man schnell bei mind. 10 Stunden Abwesenheit von zu Hause. Gerade in einer Großstadt wie Berlin, sind kurze Arbeitswege ein Luxus! Ich kenne kaum jemanden, der unter 45 Minuten von A (wie Abschalten) nach B (wie busy Büro) unterwegs ist. Machen wir keine Überstunden, sind wir schlussendlich also eher 50 Stunden die Woche nicht verfügbar. Nicht verfügbar in dem Sinne, dass wir weder einem Hobby nachgehen, noch mit den Kindern spielen oder einen Arzttermin wahrnehmen können.

Habe ich eine freie Stunde am Tag, ist das Luxus

Der Tag hat 24 Stunden. Wenn ich davon ausgehe, dass die ideale Schlafdauer (je nach Alter und Veranlagung natürlich unterschiedlich) 8 Stunden pro Nacht beträgt, reduzieren sich diese 24 Stunden schon einmal auf 16 Stunden. Zieht man von diesen 16 Stunden die ca. 10 Stunden Abwesenheit durch Arbeit ab, bleiben exakt 6 h um zu „leben“. Aber Moment…kann ich Aufstehen, hektisch Frühstücken, Duschen und Zähneputzen als „Leben“ zählen? Ich empfinde den morgendlichen Stress weder als Freizeit, noch als erholsam. Also -1 Stunde, komme ich nach Adam Riese auf 5 Stunden Freizeit. Ach, verdammt, da waren ja noch so Dinge wie: Einkaufen, Wohnung putzen, Behördentermine, Arzttermine…etc. pp. Auch keine Freizeit. Zumindest empfinde ich das so. Vielleicht ist es für manche Menschen besonders entspannend, dem Bohrer beim Zahnarzt zu lauschen, aber dabei sollte es sich um Sonderfälle handeln. Was ich hier bis jetzt überhaupt nicht betrachtet habe, ist die Situation, wenn man sich nicht nur um sich alleine kümmern muss, sondern vielleicht sogar einen Partner oder Kinder hat. Plötzlich kommen Dinge wie: aus dem Kindergarten abholen, bei den Hausaufgaben helfen, gesund und lecker kochen dazu. Ich merke regelrecht, wie die verfügbare Zeit nur so zwischen den Fingern zerrinnt. Eigentlich wollte ich doch mal einen Sportkurs machen, mich weiterbilden oder einfach ein Buch lesen.

Jedes Ticken der Uhr lässt mich austicken

Es gibt schon einen Grund, warum ich keine Uhr am Handgelenk trage. Jedes Ticken, jede Bewegung des Zeigers würde mir verdeutlichen: du hast keine Zeit! Du schaffst einfach nicht was du dir vorgenommen hast. Und vor Allem: Du schaffst es nicht, dich um dich selbst zu kümmern! Nur die Tatsache, dass du morgens gewaschen und angezogen im Büro ankommst heißt nicht, dass du entspannt und ausgeglichen bist. Alle Zeit, die ich mir für mich nehme, geht von anderen Zeiteinheiten ab. Meistens reduziere ich den Schlaf, um zumindest ein wenig das Gefühl zu haben, entspannen zu können.

„Das Wochenende ist zum Erholen da.“, dachte ich zumindest immer. Doch was passiert, wenn man unter der Woche nur zwischen „Schlafen, Arbeiten, Essen, Schlafen“ hin und her rennt? Richtig, alle Aufgaben die unter der Woche liegen bleiben, verlagern sich auf das Wochenende. Da wird groß eingekauft, zum Baumarkt gefahren, die Wohnung gewischt, das Auto geputzt…etc. pp. Und schon wieder hetzt man von A nach B, um wenigstens das Gefühl zu haben, etwas zu schaffen. Schließlich muss man sich auch noch genug Zeit nehmen, um das Sozialleben nicht zu vernachlässigen. Ohne Freunde ist es ja auch ein langweiliges und trostloses Leben.

Familie? Kann ich mir nicht leisten, rein zeitlich gesehen

Ganz ehrlich, mich stresst das ganze! Wenn ich morgens schon weiß, dass ich abends noch nicht einmal Zeit für ein Bier mit Freunden habe, ist meine Laune direkt im Keller. Wenn ich weiß, dass ich auch in nächster Zeit keinen Sportkurs besuchen werde, freut sich auch meine Gesundheit einen Kullerkeks. Soll das so sein? Wer hat sich das eigentlich ausgedacht? Und wie kommt man da wieder raus? Arbeite ich weniger, habe ich weniger Geld zum Leben. Dann kann ich mir vielleicht das Buch nicht mehr leisten, was ich gerne in der dazugewonnen Freizeit lesen würde. Ich grusele mich vor dem Moment, in dem ich eine Familie und Kinder habe. Dann bin nicht nur ich es, der unter dem Zeitdruck leidet, sondern auch meine Liebsten. Dann habe ich wenn es hoch kommt 4 Stunden am Tag für Mann und Kind, in denen ich natürlich trotzdem dafür sorgen muss, dass alles läuft. Ist es naiv wenn ich davon ausgehe, dass das einfach nicht machbar ist?

Ich stelle mir manchmal vor wie es sein wird, wenn ich irgendwann meine letzten Atemzüge nehme. Vielleicht fragt mich dann jemand, wie ich mein Leben verbrachte. „Schlafen, Arbeiten, Essen, Schlafen. Manchmal traf ich auch Menschen die ich gerne hatte, aber das war selten. Zeit ist schließlich ein Luxusgut.“

In was für Beziehungen leben wir eigentlich?

Freitagabend – Beziehungstalk! Wie sehr freue ich mich im Moment, wenn ich spontan nach einem abendlichen Bierchen gefragt werde. Seitdem auf meiner Stirn „Vergeben!“ steht, ist das leider eine Seltenheit geworden. Umso mehr fieberte ich dem Treffen mit einem guten Freund entgegen. Wir hatten uns schon eine lange Weile nicht mehr gesehen, da er, seit er sich in einer Beziehung befindet, so ziemlich vom Erdboden verschluckt ist. Das klappt sogar, wenn man nur 500m Fußweg voneinander entfernt wohnt, verrückt! In einer Bar um die Ecke, machten wir es uns am Tresen gemütlich. Das obligatorische Bier durfte natürlich nicht fehlen. Auf meine Fragen, wie es denn so laufen würde in seiner Beziehung, konnte ich die Antwort schon in seinem Gesicht ablesen. Irgendwas war da nicht in Ordnung, irgendwo drückte der Schuh. Sehr überrascht hat mich das nicht. Wenn ich so zurückdenke, war in dieser Beziehung noch nie etwas in Ordnung. So zumindest mein Eindruck. Als eine gute Freundin, wie ich nun mal bin, hörte ich mir den Verlauf der letzten Wochen und Monate an. Naja, ich versuchte es zumindest! Schon nach wenigen Sätzen, musste ich mich an meinem Bier festkrallen, um nicht aus Versehen spontane Erwürgungsversuche zu starten. Was mir da berichtet wurde, machte mich wütend und sprachlos. Hätte ich nicht gewusst, dass mir von einer Beziehung erzählt wurde, hätte ich es glatt für eine zementierte Feindschaft gehalten. Beleidigungen, ständige Trennungen, Streit um Geld…um nur mal die gravierendsten Punkte zu erwähnen. Was bewegt Menschen dazu, freiwillig mit einer Person zu leben, die ständig beleidigt und verletzt?

Du musst diese Frau rausschmeißen! Und sie danach direkt verklagen!“ – entfuhr es mir. So schockiert war ich. Verklagen deshalb, weil sie eine nicht unerhebliche Geldsumme an Schulden bei ihm hatte. Miete zahlen? Wer braucht denn sowas? Solche Frauen machen mich wütend! Einen so lieben Kerl ausnutzen und für ihre Nachfolgerinnen versauen. Klasse!

Ich verstehe nicht, wie man so eine Beziehung aufrechterhalten kann. Doch er ist da nicht der Einzige. Es gibt so viele Menschen die in Beziehungen leben, bei denen ich schreiend wegrennen würde. Eine Beziehung soll Kraft geben und nicht Kraft kosten! Nur weil es in den ersten Wochen „so toll gepasst hat„, muss man sich doch nicht ein Leben lang zusammen quälen. Manchmal habe ich das Gefühl, die Beteiligten merken gar nicht, was bei ihnen falsch läuft. Als ich meinem Bekannten kurz von meiner Beziehung erzählte, schaute er mich neugierig an. „Das klingt ja richtig entspannt!“ – sagte er mir. Natürlich ist das entspannt! Was sollte es auch anderes sein? Ich führe doch keine Beziehung, um mehr Stress und Sorgen in meinem Leben zu haben. Befürchte ich, dass Freunde sich in einer nicht bereichernden Beziehung befinden, stelle ich gerne einige Fragen: „Möchtest du mit diesem Menschen alt werden? Kannst du dir vorstellen, dass du niemand anderen mehr haben würdest, außer dieser einen Person? Kannst du dir vorstellen, Kinder mit dieser Person zu haben?„. Wenn auf alle diese Fragen mit „Nein!“ geantwortet wird, weiß ich nicht, was die Menschen in diesen Beziehungen hält. Ist es nicht reine Zeitverschwendung?

Junge, du vergibst gerade nur deine Lebenszeit. Ohne sie hättest du viel weniger Stress, weniger Geldsorgen, und könntest dich nach einer Frau umschauen, die dich zu schätzen weiß!“ – versuchte ich meinem Gegenüber klar zu machen. Zeit ist etwas so elementares, was man nicht verschenken sollte. Er hat eine Frau verdient, die dafür dankbar ist, einen so tollen Mann zu haben. Denn toll ist er wirklich! Bewusst ist ihm das glaube ich nicht, da er ja von seiner Freundin andere Dinge eingetrichtert bekommt. Kein Wunder, dass immer mehr Männer abstumpfen und eine emotionale Schutzmauer um sich herum errichten. Genau wegen solcher Frauen! Die sie komplett fertig machen. Nicht nur finanziell. Wie auf Trampolins springen sie auf den Gefühlen ihrer Partner umher. Ekelhaft! Etwas anderes fällt mir dazu nicht ein.

Als wir gegen 1 Uhr die Bar verließen, schnappte ich mir direkt mein Smartphone. „Weißt du eigentlich, wie froh ich bin dich zu haben? Ich glaube, wir machen das schon ganz gut, dieses Beziehungsding!“ – schrieb ich meinem Freund. Man weiß erst wie gut man es hat, wenn man sieht, wie schlecht es anderen geht.

Meinem Bekannten sagte ich zum x-ten Mal, dass er sich endlich von ihr lösen soll. „Aktuell bin ich ja Single!“ – antwortete er mir. Ach stimmt ja, sie hatte ihn kurz vor unserem Treffen (mal wieder) verlassen. Dass er direkt nachdem sie die Tür hinter sich schloss, wieder auf tinder aktiv war zeigte mir, dass er sich ja schon „etwas Neues“ vorstellen konnte. Einige Tage später erkundigte ich mich, wie der aktuelle Beziehungsstatus nun aussehen würde. Irgendwie habe ich es ja schon geahnt, aber die Antwort machte mich trotzdem traurig. Natürlich war sie zurückgekommen, die „Frau seines Herzens„. Und natürlich wiederholte sie regelmäßig, was für einen tollen Mann sie da doch hätte. Klar, bis zur nächsten Trennung, bis zum nächsten Zerschmettern seines Herzens. Gefühlsmasochismus in Reinform. Das hat keiner verdient.

Da bleibt mir nur übrig, etwas zu wiederholen: Zeit ist etwas so elementares. Warum sollte man sie mit Menschen verschwenden, die einem die Lebensenergie entziehen? Raus da, aber flotti! Raus aus Beziehungen, die nur Kosten und nicht auf das Seelenwohl einzahlen.

Sonntags-Blues

11 Uhr: ich liege auf meiner Couch und weiß nichts mit mir anzufangen. Die aktuelle Neon, die ich gestern im Briefkasten fand, ich durchgelesen. Naja, zumindest habe ich alle Artikel gelesen, die mich interessierten. Hat mich eine knappe Stunde gekostet. Sonntage fallen meinem Körper schwer. Auch wenn ich morgens erst um 7 Uhr ins Bett gehe, spätestens 10 Uhr schreit mein Hirn „Aufstehen!„. Da kann ich noch so lange die Augen schließen und mich noch einmal umdrehen, funktioniert nicht. Auch wenn ich einfach liegen bleibe, und mir eine Serie anmache, in meinem Kopf schwirren ständig Gedanken wie: „Du musst jetzt aufstehen, was schaffen, den Tag sinnvoll gestalten!„. Irgendwann beuge ich mich meinem Hirn und schleppe mich eine Etage tiefer. Das Frühstück ist meist noch das Highlight meines Sonntags. Brötchen, gekochtes Ei, lecker! Doch sobald ich satt aufstehe, überkommt mich das Gefühl, den Tag nicht ordentlich nutzen zu können.

Gut, das sollte ich vielleicht noch ein wenig einschränken. Normalerweise beginnen Sonntage für mich mit einem manchmal kleinen, gelegentlich aber auch großen Kater. Kopfschmerzen, Übelkeit, Bauchweh. Da fällt es mir dann weniger schwer, mich einfach hinzulegen und zu warten, bis ich mich endlich wieder zumindest ein Stückchen lebendig fühle. Aber sobald ich meinen Samstagabend mal ruhiger verbringe, falle ich am nächsten Tag dem Sonntags-Blues zum Opfer. Ich muss doch mal was sinnvolles tun, was schaffen. Schließlich ist das der einzige Tag, über den ich komplett frei verfügen kann. Mit Glück finde ich eine plausible Ausrede, die mein Hirn milde stimmt. Dauerregen, eisige Minustemperaturen oder Unwetterwarnungen zum Beispiel. Da kann auch mein Kopf nicht gegen ankommen, da schaltet er ab und genießt das Rumlungern.

Nur gibt es heute leider weder eine Unwetterwarnung, Dauerregen, noch eisige Minustemperaturen. Ich könnte also wunderbar die Wohnung aufräumen, ein Buch lesen, mein Paket aus der Packstation holen, mit der Katze spielen, Wäsche waschen, mal wieder ein paar Mails schreiben, Unterlagen sortieren, etwas lernen…etc..etc…so könnte ich die Liste bis ins Unendliche füllen. Aber ich habe einfach keine Lust! Ich mache einfach nichts. Doch damit gehts mir auch nicht gut. In meiner Bauchgegend fühle ich mich schuldig, so als würde ich Zeit vergeuden. Am Ende ärgere ich mich doch wieder, dass ich nichts getan habe. Am Ende bin ich unzufrieden, weil ich nur so vor mich hin gelebt habe. Andere gehen schließlich Sonntag raus, erleben Abenteuer, machen Sport, verbringen die Zeit mit etwas sinnvollem.

Es ist ja nicht so, dass ich den Sonntags-Blues schon immer hatte. Damals, als ich noch mit meinem Ex zusammenwohnte, war immer etwas los. Das nervige Sonntags-Mittag bei den Schwiergereltern zum Beispiel. Bei dem ich nie hunger hatte, weil ich am Wochenende einfach nie Mittag esse. Aber das Gehirn ist glücklich, weil man ja was getan hat, was erlebt hat. Danach gabs oft einen Spaziergang und noch ein Stündchen Tanzkurs. Manchmal wurde abends sogar groß gekocht oder ins Kino gegangen. Da war immer etwas los. Ich war nicht allein, da gab es immer einen Part, der mich so lange belatscht hat, bis ich mich aus meiner Komfortzone bewegt habe.

Und nun liege ich auf der Couch, dem Sonntags-Blues verfallen und fühle mich schlecht. Ich will etwas dagegen tun, aber ich kann  es nicht. Ich bin einfach zu unmotiviert. Das ist wie als wenn man durst hat, das Wasserglas so weit weg steht, dass man aufstehen müsste, man sich dann aber überlegt, dass man ja eigentlich doch gar nicht so viel durst hätte, als dass sich der Weg zum Wasserglas lohnen würde. Vielleicht sollte ich einfach wieder ins Bett gehen, schlafen. Da merkt man wenigstens nicht, wieviel Zeit vergeht. Aber dann liege ich die halbe Nacht wach, kann nicht schlafen, und ärgere mich am Montag, dass ich so unfit zur Arbeit gehen muss. Und dann nehme ich mir fürs nächste Wochenende vor: Mal richtig ausruhen! Einfach mal nichts machen. Es ist ein Teufelskreis.

Oldies but goldies – Wie würde mein Singleleben mit 70 aussehen?

In jungen Jahren kann man sich nur schwer vorstellen, wie es sich mal im Alter mit der Liebe verhalten wird. Wenn ich träumen dürfte, würde ich vermutlich mit 70 noch kuschelnd vor dem Fernseher sitzen. Kuschelnd mit dem Mann, der auch nach 40 Jahren noch mein Herz erwärmt. Nicht mehr mit dem anfänglichen Herzklopfen, aber ein kleines Kribbeln im Bauch wäre schön. Ich möchte mich angekommen fühlen.

Doch was ist, wenn das nicht passiert? Wenn ich zu diesem Zeitpunkt Single bin? Sitze ich dann unglücklich stundenlang vorm Fernseher und schaue „Sturm der Liebe“? Habe ich mir aus lauter Einsamkeit mind. 3 Katzen angeschafft? Vermutlich würde ich meine komplette Nachbarschaft bebacken und ein Kochbuch schreiben. Wenn ich dafür überhaupt Zeit hätte. Arztbesuche würden vermutlich den halben Tag einnehmen.

Bis jetzt kam in meinen Vorstellungen zum Thema „Single im Alter“ viel Einsamkeit vor, Resignation. Vielleicht ist das ja alles gar nicht so „schlimm“? Ich habe heute einen tollen Artikel in der „Zeit“ gelesen: Herr W. sucht die Liebe

Er handelt von einem 71 Jährigen Single-Mann. Lässt man diesen Fakt außer Acht, könnte man beim Lesen meinen, es handele sich um einen jungen berliner Single, der nach der großen Liebe sucht. Herr W. datet regelmäßig Frauen. Er macht genau das, was wir Singles Mitte 20 auch tun, das andere Geschlecht „abchecken“ und hoffen, dass ein passendes Gegenstück dabei ist. Es zählen ähnliche Werte: Optik, Intellekt, Hobbys. Gesundheit ist ein Kriterium, welches in meinem Alter noch nicht so relevant ist. So lange jemand gesund aussieht. frage ich nicht nach irgendwelchen Hüftschäden. Ein gefragter Single im Rentenalter sollte also Schlank, Fit und intelligent sein.

Sind diese Kriterien erfüllt, steht dem weiteren Dating nichts mehr im Wege.

Mit 71 noch mehrere Frauen regelmäßig treffen, ist beachtlich! Beeindruckend fand ich ebenfalls, dass es auch in diesem Alter noch um Sex geht. Damit hatte ich weniger gerechnet.

Dieser Artikel bringt mich zum Nachdenken. Ich stelle mir vor, wie es mir im besten Fall ergehen könnte, als Single im Alter. Unsere Generation wird anders alt werden, „moderner“ alt werden.

Ich sehe mich mit 70 bei „tinder for oldies but goldies“ hin und her wischen. Ältere Herren vor Autos, ältere Herren vor Sehenswürdigkeiten, ältere Herren im Fitnessstudio. Ein Wisch nach rechts und ich treffe mich auf einen Kaffee in der Stadt. Ist der Mann annehmbar, versuche ich ihn zu einem „Filmabend“ zu überreden. Vermutlich würde man nur seicht kuscheln, anstatt wild rumzuvögeln, aber es würde sich trotzdem so anfühlen, wie mit Mitte 20.

Nach einer Weile würde man feststellen, dass der Gegenpart doch einige Eigenheiten hat, mit denen man nicht klar kommt. Die Wege würden sich wieder trennen. Andere Begegnungen würden an der „Beziehungsunfähigkeit“ scheitern. Alte emotionale Verletzungen werden ein Zusammenfinden verhindern.

Ist dann doch mal jemand dabei, der mein Herz erwärmt, bestünde eine realistische Chance, dass man zusammen zieht, und eine gemeinsame Zukunft plant. Abgesehen von der Familienplanung, alles so wie mit Mitte 20.

Wenn ich so recht darüber nachdenke, wird sich nichts verändern! Ich werde zwar nicht mehr so knackig sein , werde die Treppen nicht mehr so schnell hoch hüpfen wie jetzt. Vielleicht wird es auch nicht mehr so viel um Sex gehen wie jetzt, aber alles in allem, bleibt es gleich.

Ich werde mich weiterhin regelmäßig mit meiner besten Freundin auf ein Eis treffen, Männergeschichten austauschen und mich darüber beschweren, dass sich niemand auf eine andere Person einlassen will. „Hast du den heißen Kerl da drüben gesehen? Der hat sicherlich noch seine echten Zähne, und die Hüfte sieht auch noch gut in Schuss aus!“ – werden wir beim Abchecken der Herren sagen, wenn wir im Park auf einer Bank Tauben füttern. Ich werde weiterhin einen Singleblog schreiben, und über meine Erlebnisse als Single Ü60 berichten. Wer weiß, ob das nicht einen neuen Trend einläuten könnte.

Dieser Artikel hat mir ein wenig meine Angst genommen. Die Angst vor dem Single sein im Alter. Denn wenn ich mir vorstelle, dass mein Leben mit 70 ähnlich aussieht wie jetzt, kann ich kaum meckern! Okay, vermutlich werden wir anstatt in einen Club zum Rentner Tanztee gehen, aber egal, Hauptsache Tanzen!

Allemal besser, als verbittert zu Haus zu sitzen mit einem Mann, der einen unglücklich macht.

Ich bin irgendwie stehen geblieben, und alle anderen haben sich bewegt

Älter werden ist gemein, älter werden, ist ungerecht! Man wird 18, die Welt steht einem offen, man hat so unglaublich viel Zeit! „Du bist doch noch so jung!“, „Krass, was du in deinem Alter schon kannst/getan hast!“. Man wird 20, ist nur minimal reifer, denkt sich: „Was kostet die Welt? Tequila, und dann noch einen!“.

Arbeit? Ach, einen Tag durchhängen? Bier, Wein, Schnaps, die Mischung machts! Wer ist das da eigentlich neben mir? Achso, schön dich zu sehen, kennen wir uns? Ich geh mal kotzen.

Zwischen dem 20. und 26. Geburtstag exisitert ein Loch. Wo war ich da nochmal? Was hab ich gemacht? Ach was, echt? Bist du dir da sicher? Komischerweise, wacht man genau an seinem 26. Geburtstag auf und hat das Gefühl, verschlafen zu haben. Wo sind die Jahre hin? Was habe ich erreicht? Irgendwie, nichts. 8 Stunden arbeiten, jeden Tag essen, schlafen, mit Glück auch mal was mit Spaßfaktor erleben.

Die weiblichen Freunde kurieren gerade ihre Kugelgrippe, die männlichen debatieren über Heiratsanträge und Hausbau. Wo ist mein Platz? Alle rücken näher zusammen, und drängen mich raus. Ich bin irgendwie stehen geblieben, und alle anderen haben sich bewegt.

Aus der vielen Zeit ist: „Du muss aber auch langsam mal zusehen.“ geworden. Aus „Krass was du schon kannst“ ist: „Was? Das kannst du noch nicht? Das hast du noch nicht gemacht?“ geworden. Der Strom der Zeit hat mich mitgerissen, trotzdem ich mich nicht bewegte. Ich habe mich treiben lassen, ohne das Ziel zu sehen.

Jetzt hänge ich hier am Ast und will nicht loslassen, will meine Jugend nicht hergeben, bevor ich meine Ziele erreicht habe.

Vor mir schwebt die böse 30. Wenn mich schon jetzt keiner mehr will, wie soll ich dann die nächsten Jahre überstehen? Ich klammere mich fester an meinen Ast, versuche zurück zu rundern. Es hilft nicht.

Hätte mich doch mal jemand früher geweckt, ich fühle mich so müde und….alt.