Die Moral von der Geschicht: Fremde Männer schubst man nicht!

Gute Geschichten beginnen nicht mit „Als ich damals nüchern war“ oder „Weißt du noch, als ich mal so früh aufgestanden bin?„. Gute Geschichten haben nicht selten etwas mit Alkohol zu tun.

Angetrunken kommt man einfach auf die besten Ideen! Als ich letzten Samstag leicht beschwippst in meiner Stammbar tanzte, bestätigte sich diese Erkenntnis wieder einmal. Voll war es an diesem Abend, voller als es sonst normalerweise schon ist. Dementsprechend war es sehr schwierig, an Getränke zu kommen. Hatte man nicht gerade Kontakte zum Barpersonal, grenzte es an Unmöglichkeit, eine Bestellung aufgeben zu können. Meinen Joker hatte ich für diesen Abend leider schon gezogen. Es gibt einen kleinen Code den ich verwende, wenn sich jemand bestimmtes unter dem Barpersonal befindet. „Bezugsgruppe Dalek!„, brülle ich über den Tresen und schon ist mir die Aufmerksamkeit dieses Barkeepers sicher. Schneller kommt man selten an Getränke. Nun hatte ich leider diesen Joker schon gezogen, und musste andere Wege finden, um nicht an der Quelle zu verdursten.

Ich quetschte mich zwischen die vielen anderen Gäste am Tresen. Neben mir befand sich ein junger Herr, der mich direkt freundlich begrüßte. „Das kann hier noch ewig dauern, ich steh schon ne Weile!„, machte er mir wenig Hoffnung. Aber nicht mit mir! Ich kenne die Tricks und warte normalerweise kaum auf meine Getränke. „Pass mal auf, das geht ganz fix. Wetten?„, entgegnete ich ihm grinsend. „Ach spinn nicht rum, ich bin vor dir dran!„, behauptete der Herr neben mir. Das lass ich mir doch nicht zweimal sagen! „Okay, das werden wir ja sehen. Top, die Wette gilt!„. Da ich natürlich gewinnen wollte, stützte ich mich auf den Tresen, um meinen Nachteil in Bezug auf die Körpergröße auszugleichen. Man, muss das bescheuert ausgesehen haben! Im Gegenzug versuchte der Herr neben mir, sich besonders breit zu machen, und mich so wegzudrücken. Wie die kleinen Kinder kämpften wir um die Aufmerksamkeit des Barpersonals. Ich war ein wenig im Nachteil, da in diesem Moment nur Frauen Dienst hatten. Es ist kein Geheimnis, dass Männer eher Frauen und Frauen eher Männer bedienen.

Doch eh ich mich versah, fragte mich eine Barkeeperin, was ich denn trinken wollen würde. Auf Wunsch des Herren neben mir, bestellte ich ihm ein Bier mit. „Was bekommst du?„, fragte er, um seine finanziellen Schulden zu begleichen. Ich hatte keine Ahnung! Pauschal setzte ich 3 € an, die im Nachgang betrachtet, doch um einiges zuviel waren. „Hier, dein Bier! Ich hab gewonnen, du schuldest mir was.„, entgegnete ich meinem Nebenmann stolz. „Ich schulde dir gar nichts!„, antwortete der Herr, in einem sehr frechen Ton. So etwas lasse ich mir angetrunken natürlich nicht gefallen. Nachdem er sich umgedreht hatte, schubste ich ihn in Richtung Tanzfläche. Dass er dabei knapp 1/3 seines Bieres verlor, empfand ich als gerechte „Bestrafung“. Hatte er doch meinen Sieg nicht ordentlich gewürdigt! Ich fühlte mich stark und überlegen. Dass dieser Herr mich nun den ganzen Abend sehr böse anschaute, war für mich nur eine Bestätigung.

Doch wie es so oft ist, wenn sich die Promille verabschieden und man wieder zu sich kommt: Verdammt, war das peinlich!. Schwamm drüber, einfach vergessen. Ganz so leicht war das allerdings nicht. Man sieht sich bekanntlich immer zweimal im Leben. Als ich heute morgen total verschlafen und halb zombieartig an der S-Bahn stand, kam, ihr ahnt es schon, genau dieser Herr von Samstagnacht an mir vorbei. Ich zuckte zusammen und merkte, wie sich das Blut in meinem Kopf sammelte. Mit knallrotem Kopf und ein wenig hilflos, drehte ich ihm den Rücken zu. Peinlich! Keine Ahnung, ob er mich erkannte. Ich für meinen Teil merkte einmal mehr, dass ich nüchtern vielleicht gar nicht so selbstbewusst bin, wie ich immer dachte. Die Moral von der Geschicht: Fremde Männer schubst man nicht!

 

Die magische Nacht zum Valentinstag – Wenn Restefi**** schon 1 1/2 h vorher beginnt

Wenn ich Single wäre, könnte ich hier jede 30 Minuten jemanden abschleppen!“ – selig grinsend drückte mir mein Kumpel eine Gin-Mate in die Hand.

Aber wie würdest du das denn machen? Und vor allem wo?“ – fragte ich interessiert.

Ach, na schnell zu denen nach Hause und danach wiederkommen!“ – selbstverständlich, wie auch sonst!

So in etwa gestaltete sich ein Gespräch zwischen einem sehr guten Freund und mir, kurz nachdem wir die Valentinsparty in unserer Stammbar betreten hatten. Die Nacht vom 13. auf den 14.02. hat etwas Magisches. Es ist die Nacht, in der alles passieren kann. Zwei Menschen von denen man niemals gedacht hätte, dass sie je zueinander finden könnten, stehen auf einmal eng umschlungen auf der Tanzfläche. Am Valentinstag möchte man nicht allein sein.

Ich habe mich schon seit Wochen auf die Fu** Valentinsday-Party in meiner Stammbar gefreut. Gespannt, ob diese besondere Nacht ihre Magie entfalten würde, glühte ich mit meiner Besten ein wenig vor. Wer würde wohl alles dort aufschlagen? Welche Chancen ergeben sich und vor allem: Was geht zwischen welchen Leuten? Dass es auf dieser Party voll werden würde, war uns bewusst. Doch als wir gegen 23 Uhr den Eingang passieren wollten, eröffnete sich uns ein überraschendes Bild: Es war kaum ein Durchkommen. Um vom Eingang bis zur Tanzfläche zu gelangen, mussten wir regelrecht Gewalt anwenden, um die Menschen vor uns wegzuschieben. Als wir endlich einen Quadratmeter Platz gefunden hatten, kamen wir dort auch  nicht mehr weg. Wäre jemand von uns umgefallen, wäre das niemandem aufgefallen. Schließlich war die Möglichkeit des Fallens nicht gegeben, da wir wie die Sardienen in der Dose eng an eng standen.

Als ich mich umsah, fielen mir einige Dinge auf. Der Frauenanteil war überraschend hoch! Normalerweise sind in unserer Stammbar eher mehr Männer unterwegs, als Frauen. Doch diesmal schien es so, als wären knapp 2/3 Frauen anwesend. Es waren keine bekannten Gesichter, die ich dort zu sehen bekam. Vermutlich waren diese Mädels vorher noch nie in dieser Bar gewesen und wussten nicht, auf was sie sich dort einlassen würden. Aufgestylt und tief ausgeschnitten, tanzten die Damen auffallend exzessiv, um ja nicht in der Masse unterzugehen. Sie boten sich an wie ein Stück Ware in der Fleischereiauslage. Die meisten Damen verkörperten schnelle Verfügbarkeit und Spaß ohne Verpflichtungen. Solche Frauen findet man eigentlich immer in Bars und Clubs, aber diese Häufung stelle ich sonst selten fest.

Gottseidank befanden sich die dazu passenden Herren im Lokal. Als der Alkoholpegel noch nicht an die 3 Promille reichte, waren diese schon intensiv auf der Jagd. Jede Frau, die auch nur ansatzweise ein Lächeln in ihre Richtung schickte, wurde direkt angesprochen und in ein Gespräch verwickelt. Mit steigendem Alkoholpegel, wurde es zunehmend lustiger für Beobachter wie mich. Auch meine Beste wurde „Opfer“ eines Handynummernsammlers. Der Herr, der sie anbaggerte, konnte kaum mehr richtig gerade aus schauen. Er suchte nach Blicken, an denen er sich festhängen konnte. Sobald er eine Dame fixiert hatte, versuchte er vehement an ihre Telefonnummer zu kommen. Anrufen wird er nie, vermute ich mal. Auch seine Beteuerung, sich doch nüchtern treffen zu wollen, erschien mir eher als scheinheiliges Argument, um eine Handynummer einzusacken.

Das Restefi**** beginnt heut aber früh!“ – bemerkte mein Kumpel. „Was? Woran hast du das denn gemerkt?“ – fragte ich verwundert. „Die üblichen Verdächtigen, die sich immer eine mitnehmen, sind schon weg. Und das 1 1/2h vor der Zeit. Respekt!“ – erwiderte mein Kumpel mit einem Funken Bewunderung in den Augen.

Er hatte Recht! Ein Bekannter, der zu Beginn des Abends noch sicher war, mich am späteren Abend noch einmal mit einem Gespräch beglücken zu können, zog schon kurz vor 24 Uhr mit einer Dame ab. Selten gab es so viele „Pärchen“, die wild knutschend die Tanzfläche bevölkerten. Es war ein Schauspiel, welches ich als Außenstehende sehr genoss. Dass meine Beste und ich relativ außen vor gelassen wurden, lag vermutlich an unserer zufriedenen und nicht-suchenden Ausstrahlung. „Heute nicht Jungs!„, stand uns ins Gesicht geschrieben.

Als besonders dreist stellte sich eine Taktik einiger Herren heraus, welche sich zu Beginn des Abends eher im Hintergrund gehalten hatte. Sie checkten die Frauen im Laden ab, und verschwanden. Kurz nach 3 Uhr standen sie wieder in der Tür, scannten die „übriggebliebenen“ Damen, und machten sich auf die Jagd. Ich konnte nur den Kopf schütteln. Dass sich unter diesen Herren auch mein Kryptonit befand, machte es nicht besser. Er starrte mich an und ich konnte nur erahnen, was in seinem Hirn vorging. So nicht Junge, so nicht! Das hättest du wohl gern. Zu spät, zu spät, zu spät, zu spät! Dann ist alles viel zu spät! Um es mal mit den Lyrics der Ärzte zu sagen. Laut mitbrüllend hätte ich den DJ knutschen können, als er diesen wundervollen Song auf meinen Wunsch hin spielte. Denn er spiegelte meine Gedanken an diesem Abend sehr gut wider. Es war ein magischer Abend, an dem alles hätte passieren können. Ich für meinen Teil, begab mich in die Rolle der Beobachterin. Habe ich alles schon gehabt, alles schon gemacht. So betrachtete ich das ganze Schauspiel von außen und ließ den Ohrwurm in meinem Hirn singen:

Eines Tages werd‘ ich mich rächen.
Ich werd‘ die Herzen aller Männer brechen.
Dann bin ich ein Star und Du läufst hinter mir her,
doch dann ist es zu spät, dann kenn‘ ich Dich nicht mehr!

Zu spät (zu spät), zu spät (zu spät), zu spät (zu spät),
doch dann ist es zu spät, zu spät (zu spät), zu spät (zu spät),
zu spät (zu spät), dann ist alles viel zu spät

Zuneigung gegen wilde Partyabende. Na mal sehen, ob der Deal für mich aufgeht.

Wie ja einige von euch schon wissen, ist die Jule jetzt nicht mehr auf dem Singlemarkt verfügbar. „Vergeben“ würde man das wohl beschreiben. Ziemlich frisch und somit auch ziemlich ungewohnt. Ich hatte mir ja vorgenommen, nicht allzuviel an meinem Leben zu ändern, soweit ich mich in einer Beziehung befinden würde. Doch das ist viel leichter gesagt, als getan! Komischerweise fällt meine Beste krankheitsbedingt genau an dem Abend aus, an dem ich meine „Singleabschiedsparty“ geben wollte. Gottseidank fand sich noch eine sehr gute Freundin, die mich auf die „Indie Rock“ Party meiner Stammbar begleiten würde. Sie ist allerdings ebenfalls vergeben. Egal was andere behaupten, es ist etwas anderes, als vergebene Person wegzugehen. Die Blicke sind anders, das Ziel ist logischerweise anders. Als Single gelten die Blicke den wunderschönen Männern mit dem Ziel, einen davon „abzuschleppen“. Man möchte meinen, diese „Umstellung“ auf Beziehung verlaufe ganz einfach und automatisch. Vergesst es! Das „Singleprogramm“ läuft im Kopf ab, ohne dass man etwas dazu tun würde. So checkte ich automatisch aus, welches „Material“ sich auf der Party befand. Wie oft hatte ich doch den Impuls meiner Besten zu schreiben, wie sehr ich sie vermissen würde und wieviele hübsche Männer sich doch in der Bar tummeln würden. Dazu passte sogar noch die Musik. Ich war traurig. Keine Beste da, keine Möglichkeit zu flirten, da man das ja nicht tut, so als „Beziehungsmensch“.

Was will man auch nach einer knappen Woche Beziehung erwarten, vom Hirn? Spätestens nach zwei Bier schaltet sich da wieder das alte Programm an: Abchecken, auschecken, klarmachen. Natürlich habe ich mich dagegen gewehrt, mit Erfolg. Aber wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo der Peter her. Mein Kryptonit. Der Mann, der mich durch seine alleinige Anwesenheit schon total kirre macht. Gut sah er aus! Frisch beim Friseur gewesen, also die Haare schön! Und was soll ich sagen: Immer schön in meiner Sichtlinie positioniert! Ich dachte, ich werd wahnsinnig. Also erstmal die erste Hilfe ergriffen, und umgedreht. Was ich nicht sehe, ist nicht da! Nicht mal aufs Klo habe ich mich getraut, da der Kerl natürlich direkt davor stand. Unclever ist er ja nicht, der Peter. Nachdem sich meine Begleitung verabschiedet hatte, tanzte ich noch eine Runde mit entfernten Bekannten. Auf die kann man sich natürlich nicht verlassen. Nach einer knappen halben Stunde, stand ich nun allein da. Ich versuchte möglichst auffallend zu tanzen. Vielleicht würde sich ja jemand zu mir stellen und mich unterhalten. Aber nö, mein Beziehungsstatus strahlte anscheinend aus. Ich wartete ein Lied ab, ich wartete zwei Lieder ab. Irgendwann wurde es mir zu doof. Ich schnappte meine Sachen, und trat den Heimweg an. Kurz nach 0 Uhr. Was ist denn da los? Da steigt die Stimmung doch gerade erst! Normalerweise bin ich nicht vor 4 Uhr nach Hause zu bekommen. Wenn mein Kerl wenigstens zu Hause auf mich warten würde, aber nein. Im Schneegestöber lief ich Richtung Heimat und dachte nach. War es das jetzt? War es das jetzt mit den ausschweifenden Partys? War es das jetzt, mit den vielen Erlebnissen am Wochenende? Diese Gedanken machten mir Angst. Wie sehr hab ich die Singlewochenenden doch genossen. Natürlich ist es schön abends auf der Couch zu kuscheln, aber mein Körper verlangt nach Musik, nach Tanzen, nach Eskalation. Zu sehr habe ich mich gewöhnt an das ausschweifende Leben.

Der Cut war mir zu hart. Ich kann doch nicht von 100 auf 0 zurück schalten, das macht mir Angst. Vermutlich wäre der Abend als Single genauso gelaufen. Naja, wobei, ich wäre wohl noch geblieben. Geblieben um mein Kryptonit anzuschmachten. Ich hätte viel mehr getrunken, viel mehr gebaggert und mich am Ende an irgendeinen Hals geschmissen. Ist schon gut so, wie es ist, aber der Ausstieg fällt mir schwer. Wer das eine will, muss das andere mögen. Gut gesagt, aber besser gesagt, als getan. Ich hoffe ich gewöhne mich daran. Manchmal muss man auch etwas aufgeben, um etwas gewinnen zu können. Zuneigung gegen wilde Partyabende….na mal sehen, ob der Deal für mich aufgeht.

Nüchtern betrachtet…

Nüchtern betrachtet, trinke ich ganz schön viel Alkohol. BÄM! Das ist mal eine Aussage. Wenn ich mir diese Woche anschaue, stelle ich mit Erschrecken fest, dass ich an jedem verdammten Tag Alkohol trinken werde. Mit Glück kann ich den Donnerstag Alkoholfrei gestalten, aber ansonsten? Der Weihnachtszeit geschuldet, gibt es allein im Büro an drei Tagen dieser Woche Glühwein. Dazu ein Bier-Abend in der Lieblingsbar, der Magic Friday mit meinem Lieblingsbarkeeper, die obligatorische Samstagsparty. Da bleibt nicht viel Raum für Saft. Warum ich nicht einfach Alkoholfrei trinke? Weil ich den Zustand des leicht beschwippst seins sehr genieße. Es ist der Moment, an dem die ein oder andere Barriere fällt und ich einfach tue, wonach mir ist. Auch meine Mitmenschen sind lockerer, es wird mehr gelacht und einfach der Alltagstrott vergessen. Alkohol ist eine Zuflucht. Noch vor 2 Jahren, als ich fest in meiner Beziehung steckte, trank ich sehr selten. Da war mir schon ein Glas Sekt zu viel. Ich habe es einfach nicht gebraucht. Partys konnte ich im Jahr an einer Hand abzählen. Mit meinem Ex gab es sowieso auch trotz Alkohol, nicht mehr zu lachen. Ich habe einfach keinen Mehrwert darin gesehen etwas zu trinken. Schlagartig änderte sich dies, als ich mich unbewusst von meinem Ex löste. Ich konnte nicht genug bekommen, musste mich betäuben. Vielleicht ist es das, was Singles oft im Alkohol suchen: Betäubung.

Alkohol begünstigt sehr das Sozialleben. Wie viele Bekannte und mittlerweile sogar Freunde habe ich an feucht fröhlichen Abenden gefunden? So einige! Noch vor einem Jahr waren wir eher unbekannte Gesichter in unserer Stammbar. Jetzt können wir uns sicher sein, dass wir nach Betreten erst einmal einige Minuten mit dem Begrüßen der anderen Gäste beschäftigt sein werden. So eine Stammbar kann wie eine kleine Familie sein. Der Lieblingsbarkeeper kennt die Vorlieben und hat geschwind den Lieblingscocktail gemixt. Es ist eine Last die abfällt, wenn ich meine Stammbar betrete. Dann bin ich nicht mehr die einsame, sondern die selbstbewusste und beliebte Jule. Einen Ruf, so wie wir ihn haben, muss man sich erst erarbeiten. Uns hat es viele Katertage und Kopfschmerzen gekostet. Hätte das auch ohne Alkohol funktioniert? Nein! Ohne die richtigen Getränke, hätten wir nie spontan eine Tanzfläche in der Bar eröffnet. Wir hätten nie die anderen Pub-Nasen kennengelernt, die uns ins Nachtleben der Stadt integrierten.

Wie sehr sich Partyabende doch von der Realität abheben, bemerke ich meistens an einem Katersonntag. Zu gewohnt ist der Ablauf. Um 7 Uhr morgens stochern wir mit dem Schlüssel am Schlüsselloch der Haustür herum. Sobald sich die Tür hinter uns schließt, ändert sich die Stimmung. Den Spaß und die Ausgelassenheit haben wir draußen gelassen, neben uns nur die Einsamkeit und der üble Geschmack eines Mix aus Gin, Bier, Wodka, Zigaretten. Ich erinnere mich an einen Sonntagmorgen, an dem ich genau an diesem Punkt die Kontrolle verlor. Die Tür fiel ins Schloss, ich konnte mich nicht mehr bewegen. Nach einem tiefen Atemzug sank ich mit dem Rücken an die Tür gedrückt auf den Boden des Flurs. Tränen konnte ich nicht mehr zurückhalten. Wie ein Wasserfall kam alle Trauer und alles Leid aus meinem Körper, ohne dass ich eine Kontrolle darüber hatte. In meiner Hilflosigkeit versuchte ich meinen besten Freund zu erreichen. Ein Psychologe im Freundeskreis, ist manchmal Gold wert. Er wusste sofort was zu tun war: „Jule, du musst aufstehen. Stell dir vor ich nehme deine Hand und ziehe dich hoch. Du schaffst das!“. Es brauchte einige Zeit, bis ich in der Lage war, seinen Anweisungen zu folgen. Selten habe ich mich so schwach und kaputt gefühlt, wie an diesem Abend. Offizielle Diagnose: Nervenzusammenbruch.

Nach diesem Erlebnis habe ich versucht so eine Situation zu vermeiden. Einfach nicht mehr allein nach Hause gehen, empfand ich als die sinnvollste Lösung. Das klappte natürlich! Nach ein paar Drinks lässt sich doch öfter mal jemand dazu bewegen, mich heim zu bringen. Verdrängung könnte man das nennen. Es war die 1. Hilfe, die sicherlich zu Beginn sinnvoll war. Dadurch habe ich mir wohl das Selbstbewusstsein erarbeitet, welches mich jetzt auch allein Heim trägt. Ich bezweifle, dass ich solche Emotionen ohne Alkohol je gehabt hätte. Ich hätte allerdings auch nie erkannt, was da in mir los ist. Zu stark ist meine innere Mauer, die solche Gefühle nicht nach außen dringen lässt. Seitdem ich mir bewusst bin, was da in mir schlummert, geht es mir besser.

Kennt ihr das Gefühl, eine Party bis zum Schluss mitmachen zu müssen? Ich habe es in der letzten Zeit sehr gut kennengelernt. Früher war ich zufrieden, wenn ich 3 Uhr Nachts ins Bett fiel. Heute kommt da nur ein Gedanke: „Wir könnten etwas verpassen!“. Wir könnten den wunderschönen Mann verpassen, der uns bis jetzt noch nicht aufgefallen war. Wir könnten das Eskalieren von anderen Menschen verpassen. Wir könnten unser Eskalieren verpassen. Wenn wir es sind, die die letzten Jacken an der Garderobe abholen, können wir uns sicher sein, dass wir alles zu erlebende erlebt haben. Wir können uns sicher sein, alles gegeben zu haben. So verbringen wir gerne mal 10h in Clubs, die uns im Rausch wie gerade einmal 2h vorkommen. Nach diesen Partys gehört es neuerdings zum Standard, sich Sonntagabend noch einmal zur Auswertung zu treffen. Wir ergänzen Erinnerungen, um aus den 2h Erinnerung wenigstens die Geschehnisse von 4h zuzuordnen. Ich habe sozusagen schon mehr vergessen, als andere auf Partys je erleben werden 😉

So schnell werde ich wohl nicht von meinem Alkohol/Partymodus los kommen. Noch bringt es mir zu viel Freude und zu viel spannende Erlebnisse. Jedoch werde ich kleine Schritte machen: Auf der Weihnachtsfeier heute Abend gibt es 2 Gläser Wein für die Stimmung und dann wird nur noch beobachtet. Ich werde sie mir anschauen, die Partybiester. Und ich werde es genießen, mal nicht die Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Dafür ist am Magic Friday wieder genug Zeit 😉

Veto!- Was zählt Bauchgefühl?

Wieviel sollte man eigentlich auf die Meinung sehr enger Freunde geben? Kann es sein, dass sie Dinge sehen, die einem selbst gar nicht auffallen? Oder kann es sein, dass auch die allerbesten Freunde eine Sache falsch einschätzen? Aber von vorn. Ich habe ja bekanntlich begonnen, mich dem ernsthaften Dating zu widmen. Soweit, so schön. Samstagabend sollte der Abend werden, an dem ich merken wollte, ob da mehr Substanz hinter der Sache steckt. Nach einem geselligen Vorglühen, war der Gang auf eine Party geplant. Was uns auf dieser Party erwarten würde, wussten wir im Vorfeld nicht. Sie war mehr nur eine halb öffentliche Veranstaltung. Ebenfalls war nicht bekannt, ob ich auf dieser Party auf meinen aktuellen Datepartner treffen würde. Er war für den Abend schon anderweitig ausgeplant.

Der erste Schock ereilte meinte Beste und mich, als wir den Club betraten. Wer hat bitte die ganzen Kinder hier reingelassen? Zahnspangen und Babyfaces, wohin das Auge blickte. Na das kann ja heiter werden! So galt unsere erste Aufmerksamkeit der Bar. Wodka, Wodka, Wodka. So langsam interessierten wir uns nur noch semi für das Publikum und tanzten ausgelassen zur Musik. Nach und nach trafen endlich unsere liebsten Partyfreunde ein, und der Abend schien noch eine positive Wendung zu nehmen.

Nach einigen Stunden bemerkte ich, dass immer mehr Personal meiner Stammbar im Club ankam. So auch mein aktuelles Date. Natürlich freute ich mich ihn zu sehen, war trotzdem etwas überrascht. Wir begrüßten uns freudig und schafften es auf der Tanzfläche ab und zu miteinander zu quatschen. Ich zog ihn mit auf den Floor und schwang die Hüften. Es dauerte nicht lang, bis wir eng Hand in Hand tanzten. Und schon war es passiert. Er drückte mir endlich einen Kuss auf.

Das war aber langsam wirklich überfällig!“ – sagte ich, nachdem wir uns voneinander gelöst hatten. Er beteuerte, dass er sich bis jetzt bewusst zurück gehalten hatte, um der Sache Ernsthaftigkeit zu verleihen. Ebenfalls berichtete er mir davon, dass eine gemeinsame Bekannte ihn eindringlich davor gewarnt hatte, mir das Herz zu brechen. Süß, wie sich mein Umfeld um mein Herz sorgt. Wir konnten uns kaum voneinander lösen. Wie ungünstig das öffentliche Knutschen war, merkte ich erst später. Ich hatte auch schon vorher nicht den Ruf der Keuschheit in Person. Gerade in meiner Stammbar ist bekannt, dass ich gelegentlich nichts anbrennen lasse. So stand ich nun knutschend mit dem Chef-Barkeeper eben dieser Stammbar im Club, in dem sich ca. 50 % des Barpersonals aufhielten. Zumindest traut sich jetzt niemand mehr, mich an der Bar lange warten zu lassen, das würde sich sonst direkt zum „Chef“ weitertragen.

Kurze Zeit später sahen wir keinen Grund mehr darin, die anderen Gäste zu nerven, und verließen den Club. Ein schlechtes Gewissen hatte ich schon, ließ ich doch meine Beste zurück. Das Angebot eines Katerfrühstücks bei mir wurde dankend angenommen, und so hatte ich endlich mal wieder jemanden, an dem ich mich nachts wärmen konnte. Sogar meine Mietzekatze (wird von Fans auch „Dalek“ genannt), fand Gefallen an meinem Gast. Ich sehe es ja immer als Kompliment, wenn sie am Frühstückstisch auf dem Teller meines Besuches sitzt und versucht, dem die Wurst vom Brötchen zu klauen. Alles lief super, besser hätte man es sich nicht wünschen können.

Womit ich nicht gerechnet hatte: Das Vetorecht meiner Besten! Nachdem mein Gast gegangen war, nahm ich vorsichtig Kontakt zu meiner Freundin auf und erkundigte mich über den Grad ihres sauer seins. Gottseidank war dieser gering. Als sie mir dann jedoch ihr offizielles Veto aussprach, war ich verwundert.

Übrigens bekommst du jetzt mein offizielles Veto in Bezug auf A. und dich.“ – der hat gesessen!

Ich finde es gut, dass meine Freunde ihre ehrliche Meinung zu meinen Männern abgeben. Sie kennen mich und können vermutlich sehr gut einschätzen, wer zu mir passen würde. Diesem Veto stimmte auch ein anderer guter Freund zu, so dass an der Sache schon etwas dran sein musste. Wie geht man nun mit so etwas um? Ignorieren macht keinen Sinn, denn irgendwas muss dieses Veto ja ausgelöst haben. Ich muss zugeben, dass der A. und ich optisch eher kein Traumpaar abgeben. Aber was zählt da die Optik? Was genau das Veto ausgelöst hat, konnte meine Beste gar nicht richtig definieren. Bauchgefühl.

Ich bin ein großer Fan von Bauchgefühl und nehme es sehr ernst. Es ist also angebracht, mal darüber nachzudenken, was da dran ist, an diesem Veto. Am Ende entscheide ich, wer oder was mir gut tut, aber einen solchen Hinweis sollte man nicht ignorieren. Wie ist jetzt mein weiterer Plan? Vermutlich werde ich A. unter der Woche nicht sehen. Freitag werde ich versuchen, ihn in der Stammbar zu erwischen. Dann wird sich herausstellen, wie wir nun zueinander stehen. Ob er mich nett in den Arm nimmt, oder das Risiko eingeht, mich vor dem ganzen Laden zu küssen. Letzteres wäre genau das Zeichen, welches es gerade bräuchte. Dann werde ich auch spüren, ob es das ist, was ich mir für die Zukunft vorstelle. Und sollte es das sein, dann ist meine erste Aufgabe, ihn meinen Freunden näher zu bringen. Manchmal täuscht auch das Bauchgefühl und hinter dem Veto versteckt sich doch ein netter Kerl 🙂

Persönlicher Knutsch-Sklave Teil 2

„Wie man eine solche Nacht einfach vergessen kann, ist für mich nicht nachvollziehbar.“ – so endete mein Artikel „Mein persönlicher Knutsch-Sklave“ Ich dachte die Geschichte ist durch, aber manchmal irrt man sich.

Die Information, dass der Herr eine Freundin hätte, stellte sich als veraltet heraus. Nach ca. einer Woche, antwortete er auf meine Nachricht und wir begannen lose Kontakt zu halten. Zufälligerweise, war er spontan Freitagabend in der Stadt. Ich ließ es mir nicht nehmen, mich mit ihm für den Abend zu verabreden. Es verwunderte mich, dass er direkt zustimmte.

Als Treffpunkt wählte ich die Bar, in der wir uns kennenlernten, meine Stammbar. Pünktlich wie ich immer bin, lief ich 10 min vor der verabredeten Zeit auf die Bar zu. Es war schon dunkel und ich sah vor dem Eingang einen Herren stehen, der meiner Verabredung verdammt ähnlich sah. Ich lächelte, er lächelte zurück. Umso näher ich kam, desto klarer wurde mir, dass es sich nicht um meine Verabredung handelte. Das Sprachzentrum meines Gehirns hatte dies aber noch nicht gecheckt und so rief ich ihm zu: „Hey, du bist ja pünktlich, und Anschluss hast du anscheinend auch schon gefunden!“. Neben ihm stand ein Typ, der mich ziemlich entgeistert anschaute. Das Lächeln meiner verwechselten Verabredung entwickelte sich schnell zu einem ungläubigen Grinsen. „Oh sorry, ich sehe gerade, ich verwechsele dich, ich bin hier eigentlich verabredet.“, versuchte ich mich aus der Situation zu retten.

Ich stellte mich ein paar Meter weiter und griff hastig nach meinem Smartphone, um mich ablenken zu können. Kurz darauf bat mir der verwechselte Herr eine Zigarette an, welche ich ablehnte. Eigentlich ganz süß der Junge, aber mir war die Situation einfach zu peinlich.

10 min zu spät erschien dann auch der richtige Herr an meiner Seite. Er sah gut aus! Verdammt gut aus! Strahlend blaue Augen, ein breites Lächeln, ich war hin und weg. Direkt zur Begrüßung drückte er mir einen dicken Kuss auf, was mich leicht aus dem Konzept brachte.

Mit einem leckeren Gin Tonic anstoßend, ließen wir den gemeinsamen Abend vor 2 Wochen Revue passieren. Laut lachend, verstanden wir uns blendend. Ab und zu griff er einfach über den Tisch zwischen uns, zog mich zu sich heran und küsste mich. Traumhaft! Leider fiel mir zu spät auf, dass wenige Meter neben uns P. stand, mein Kryptonit, der Mann, neben dem ich nur Mist fabrizierte. Er beobachtete uns, wie wir händchenhaltend und knutschend am Tisch saßen. Verdammt! Ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass ich sowieso keine Chance bei P. hatte.

Drei Gin Tonics später, beschlossen wir zu gehen. Wie fest hatte ich mir vorgenommen, diesen Herren NICHT mit nach Hause zu nehmen. Ich wollte ein Bier trinken, quatschen, und mich dann alleine auf den Heimweg machen. Pustekuchen! Der Rückweg zog sich in die Länge: Händchenhalten, Knutschen…Knutschen….Knutschen….laufen. Das in wechselnder Reihenfolge. Noch schnell ein Selfie für den Freundeskreis geschossen, „Meins!!“ drunter geschrieben und ab ging es zu mir nach Hause.

Wir brachten zu Ende, was wir vor 2 Wochen begonnen hatten. Wir mochten uns, das kann man nicht bestreiten. Sogar meine Katze mochte ihn. Zur Erklärung: Meine Mietzekatze ist ein sehr „individuelles“ Tier. Seitdem ihr „Papa“, ergo mein Ex, ausgezogen ist, hat sie ein großes Problem mit Männern. Sobald ihr einer zu Nahe kommt, faucht und beißt sie.

Wie ausgewechselt war sie, als sie meine Begleitung erblickte. Liebe auf den ersten Blick. Als wir uns schlafen legten, hörte ich sie schon über das Laminat tippeln. Sie hüpfte aufs Bett und wählte als Schlafplatz den Bauch meines Gastes. Eingerollt und selig schnurrend, war sie im 7. Himmel.

Ich kuschelte mich ebenfalls an. Es war ein wundervolles Bild.

Der nächste Morgen war hingegen komisch. Der Alkohol hing uns in den Knochen und drückte die Stimmung. Ebenfalls war uns beiden bewusst, dass wir aufgrund der Entfernung, („Alles über 30km macht für mich keinen Sinn“ – Zitat meines Gastes) keine ernsthafte Bindung eingehen können. Wir einigten uns darauf, uns Bescheid zu geben, sobald wir uns in der Nähe des Anderen befanden.

Schlussendlich war ich froh, dass diese Bekanntschaft einen Abschluss gefunden hatte. Wir haben nichts offen gelassen, wie wir es bei der ersten Begegnung taten. Für mich war es toll, dass sich DInge manchmal anders entwickeln, als man es am Anfang gedacht hätte.