Verkauft! Für drei Kamele -Oder ist die beste Freundin doch unbezahlbar?

Ein Handschlag besiegelte am späten Samstagabend den Deal meines Lebens. Naja, nicht ganz MEINES Lebens, sondern eher den Deal über ein mir sehr vertrautes Leben. Samstag verkaufte ich meine beste Freundin. Einen ganzen Monat war es her, dass ich das letzte Mal so richtig feiern war. Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit. So als hätte man ein halbes Jahr Winterschlaf gehalten, und wäre dann noch leicht verschlafen aus dem Bett gekrabbelt. Was hatte sich wohl in der Zwischenzeit verändert? Stand unser Pub noch? Würde es dort überhaupt Leute geben, die wir noch kennen könnten? Als wir das Pub betraten, stellten sich schnell wieder Heimatgefühle ein. Es sah immer noch aus wie 2015, es roch immer noch nach einem Mix aus Bier, Schnaps und Erbrochenem. Ja, so hatte ich es in Erinnerung. Wir schnappten uns einen kleinen Tisch, und ließen die Stimmung auf uns wirken.

Gottseidank war das Barpersonal nach unserem Geschmack. Einen der Barkeeper hatte ich schon lange nicht mehr gesehen und begrüßte ihn mit einem freudigen „Sag mal, hast du abgenommen?“. Dieses Kompliment fiel auf fruchtbaren Boden und bescherte uns Freigetränke im Wert von knappen 20 €. „Was, so viel kostet eure Turbo Mate? Das ist aber ganz schön teuer!“ – sagte der Barkeeper, als wir unsere Bestellung aufgaben. Anscheinend sahen wir sehr arm aus, so dass er uns nicht zumuten konnte, unser hart verdientes Geld für Alkohol ausgeben zu müssen. Wir nahmen es dankend an, und ahnten schon, dass dieser Abend spannend werden könnte. Nachdem meine Beste mich auf den neusten Stand ihrer Männergeschichten gebracht hatte, erschien auch schon einer der Erwähnten in der Tür des Ladens. Er schwankte verdächtig, trotzdem es gerade einmal 22 Uhr war. Da wir die nicht besetzten Stühle unseres Tisches schon vorher an irgendwelche Fremden abgeben mussten, konnte sich der Herr nicht zu uns setzen. Zuerst versuchte er in der Hocke unseren Gesprächen zu folgen, doch man sah ihm an, dass diese Position nicht zu den bequemsten gehörte. Auf meinen Vorschlag hin, den Tisch als Sitzgelegenheit zu nutzen, platzierte er sich erleichtert auf der Tischplatte. Man, hatte der einen im Tee! Der Herr steht schon seit Ewigkeiten auf meine Beste. Da war auch mal was, aber irgendwie, hat es nicht sein sollen. Dabei wären sie eigentlich ein ganz süßes Paar.

Dem Alkohol geschuldet weiß ich leider nicht mehr wie wir darauf kamen, aber irgendwann saß ich dem Herren gegenüber und bot ihm an, mir meine beste Freundin abzukaufen. Wie teuer sie denn sein würde, fragte er neugierig nach. Unbezahlbar! Das steht außer Frage. Aber gegen einen gewissen Obolus, könnte ich die Nutzungsrechte an ihr abtreten, und an ihn übertragen. Beschwingt ging das Feilschen los. „6 Kamele!“ – rief ich ihm energisch entgegen, unterstützt durch einen Faustschlag auf den Tisch. „6 Kamele? Das ist doch ein bisschen teuer! 2 Kamele.“ – antwortete er. Na so billig ließ ich ihn nicht davon kommen. „Okay, weil du es bist: 3 Kamele! Letztes Angebot.“ – sagte ich sehr bestimmt. Ein Handschlag besiegelte den Deal. Verkauft, für 3 Kamele! Der Herr forderte direkt sein Nutzungsrecht ein, doch ich erinnerte ihn daran, dass dies nur nach einer Anzahlung möglich sein würde. „Ein Kamel Anzahlung, oder alternativ 1000 €!“ – ließ ich verlauten. „Okay, überweise ich dir. Wir können auch zusammen zur Bank gehen.“ – lallte mir der Herr entgegen. Na sehr schön! Ich sah mich schon in vielen Geldscheinen baden. Wo ich mit den zukünftigen Kamelen hin sollte, war mir noch nicht so ganz klar, aber da würde sich schon etwas finden lassen. Wir verständigten uns, unser Geschäft im nahegelegenen Club inkl. Übergabe abzuschließen, da wir alle vorhatten, dort die Nacht zu verbringen. Kurz nachdem meine Beste und ich das Pub in Richtung Club verlassen hatten, erhielt sie eine Nachricht: „So… Rein Gesetzmäßig gehörst du zu ein Drittel mir 😀 Mach den Rest mit deiner Verkäuferin aus.“.

Wir sahen den Herren in dieser Nacht nicht wieder. Vermutlich ist er bis heute auf der Suche nach einem Zirkus, der bereit wäre, ihm drei Kamele zu verkaufen.

Schmerzensgeld – Geld gegen Angst?

  Als ich vorhin aufstand, fasste ich mir erstmal an den Kopf. War das gestern wirklich passiert? Habe ich nicht nur sehr komische Dinge geträumt? Ich zwang mich aus dem Bett und überprüfte, ob das was ich da Nachts erlebt haben soll, wirklich stattgefunden hatte. Als ich den 100€ Schein aus meiner Tasche zog, war mir klar, kein Traum, alles Realität!

Wie zum Teufel kommt ein 100€ Schein in meine Tasche? Ich kann die Momente, in denen ich einen solchen Geldschein in den Händen hielt, an einer Hand abzählen, bzw. an einem Finger! Aber beginnen wir mal von vorn.

Gestern gab es eine Ü25 Party in unserem Studentenclub. Das ist immer eine tolle Sache, da man dort erst gar nicht nach dem Alter fragen muss, da es niemanden unter 25 gibt. Gut angeheitert, ging es für meine Beste und mich auf die Tanzfläche. Unser Lieblingsbarkeeper mixte tolle Drinks und wir schwungen das Tanzbein. Relativ spät am Abend begrüßten wir einen Bekannten, den wir relativ regelmäßig auf den städtischen Partys antreffen. Er hatte zeitweise ein sehr enges Verhältnis zu meiner Besten. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten war, dass er an diesem Abend von seiner Freundin verlassen wurde. Dementsprechend war auch sein Alkoholpegel.

Er konnte nicht mehr richtig einschätzen, wieviel Distanz er meiner Freundin gegenüber zeigen sollte. Irgendwann griff er sie, und machte sich offensiv an sie heran. In meinen Augen war ihr das unangenehm, und ich versuchte dazwischen zu gehen. Zu Beginn funktionierte das ganz gut. Irgendwann schien ihm das jedoch zu bunt zu werden. Er packte mich an der Hüfte und zog mich durch den halben Club. Meine Abwehrversuche schlugen fehlt. Ich ruderte mit den Armen, versuchte ihn irgendwie mit Tritten zu erschwischen und bat ihn inständig, mich loszulassen. Aufgrund meiner Fluchtversuche, landete ich sehr unsaft an einer Wand und verzog schmerzvoll das Gesicht. Schnell lief ich zurück zu meiner Freundin. Direkt sprach mich ein anderer Typ an, ob alles okay wäre.

Hätte er nicht mal vorher eingreifen können? Er beobachtet, wie eine Frau gegen ihren Willen durch den Club gezerrt wird, aber tut nichts, damit es der Frau besser geht. Zumindest hat er im Nachhinein gefragt, besser als nichts.

Der Junge, aus dessen Fängen ich mich gerade befreite, erkundigte sich ebenfalls nach meinem Befinden. Als ich ihm klar machte, dass es mir weh tat, mit voller Wucht gegen einen Wand zu knallen, entschuldigte er sich nicht. Er zückte sein Portemonnaie und drückte mir einen Geldschein in die Hand. Es waren keine 5€, keine 10€, sondern 100€! Ich wusste nicht wie mir geschieht, aber ich steckte den Schein ein. Dass dem Herren Geld anscheinend sehr unwichtig war, tat er danach direkt noch einmal kund. Er griff sich einen 5€ Schein und zerriss ihn vor unseren Augen. Ich wusste nicht, was da bei ihm los war, aber ich war verstört.

Bevor er mit seinen großen Mengen an Geldscheinen noch ein Lagerfeuer anzünden würde, entschlossen wir uns zu gehen. Im Nachtbus angekommen, schrieb der anscheinend leicht reiche Kerl meiner Besten eine Nachricht. Er würde noch bei ihr vorbei kommen. Zu Beginn dachten wir an einen Scherz, und nahmen das nicht ernst. Als dann die zweite Nachricht kam, wurde uns doch etwas mulmig.

Bin gleich da!“ – hieß es. Okay, was tun wir nun? Ich bestand darauf, meine Beste nach Hause zu bringen für den Fall, dass der Kerl wirklich vor ihrer Tür stehen würde. Zuerst weigerte sie sich, aber sie konnte mir nicht verbieten, in die gleiche Richtung zu laufen. Vor ihrer Tür angekommen, waren wir beruhigt. Kein Kerl da. Doch wir freuten uns zu früh. In diesem Moment torkelte er um die Ecke und freute sich riesig, uns zu sehen. Wir beschlossen, zusammen noch ein Glas Wasser zu trinken, da der Kerl so betrunken war, dass er sonst vermutlich draußen umgefallen und erfroren wäre.

Wie betrunken er war, zeigte sich schnell. Meine Beste hat einen sehr lieben Kater, der natürlich direkt an der Tür stand. Der Kerl schnappte den Kater und trug ihn durch die Gegend. Allerdings nicht liebevoll, sondern eher brutal. Ich riss ihm den Kater aus den Armen, um Schlimmeres zu verhindern. Als hätte er nicht schon genug Geld verloren, begann er wiederholt Geldscheine auf dem Boden zu verteilen. Was ging da nur in seinem Hirn vor? Wir versuchten ihm verständlich zu machen, dass er sich ein Taxi rufen solle, da er nicht bleiben dürfte. Er versuchte alles, um sich zu drücken. Der Tiefpunkt wurde erreicht, als er sich im Garderobenschrank versteckte. Er schwankte so sehr, dass er sich nur mit Mühe und Not an der Tür festhalten konnte. Wehement pochten wir darauf, dass er endlich die Wohnung verlassen solle. Nachdem wir überprüft hatten, dass er auch Schuhe an hatte, setzten wir ihn vor die Tür.

Leider sahen wir nicht, dass er das Weite suchte. So wartete ich noch einige Minuten, bis ich mich selbst auf den Heimweg machte. Ich stand schlimme Ängste aus. Bei jedem Geräusch vermutete ich, dass er mir irgendwo auflauern würde. Ich drehte mich alle paar Meter um, damit ich sicher sein konnte, dass er nicht in der Nähe war. Zu Hause angekommen informierte mich meine Beste darüber, dass er  im Moment per klopfen und klingeln versuchte, wieder in ihre Wohnung zu kommen. Sie blieb standhaft und er ließ es irgendwann bleiben. Bis jetzt wissen wir nicht, ob er es heim geschafft hatte, oder auf irgendeiner Bank eingeschlafen war.

Wenn ich die 100€ nicht in meiner Tasche hätte, hätte ich das Ganze für einen bösen Traum gehalten.