Wenn die Sonne leider woanders scheint

Etwas verloren stand ich da, kannte niemanden hier. Langsam lief ich gerade aus, als ich plötzlich meinen Namen hinter mir hörte. Verwundert drehte ich mich um und sah in deine vereinnahmenden Augen. Mit einem stahlenden Lächeln sagtest du: „Du bist doch Jule, oder? Ich soll dir schöne Grüße von Conny ausrichten. Ich bin übrigens der F.“. Geguckt haben wie ein Auto muss ich, da ich nicht wusste, wer mir gegenüber stand. Nach wenigen Momenten, kam mir dein Name dann doch bekannt vor. Fast hätte ich dich mit einem falschen Namen angesprochen. Nicht aus Boshaftigkeit, aber du erinnerst mich ungemein an jemanden.

Optisch seid ihr euch nur wenig ähnlich, sobald ihr euch bewegt und mit mir sprecht, könntet ihr Zwillinge sein. Wie geht sowas? Wie kann man in relativ kurzer Zeit zwei Menschen kennenlernen, die sich so gleichen? Mein Problem an der Sache ist, dass ich deinem „Doppelgänger“ noch sehr hinterher trauere. Verliebt war ich, vereinnahmt von seinem Wesen. Gerade über das Schlimmste hinweg, schickt mir das Universum den „Schmerz 2.0“. Mich zu wehren war nicht möglich, ich suchte ab sofort deine Nähe. In jeder Pause lief ich dir hinterher, um ein Gespräch zu provozieren. Irgendwas muss da doch sein, was mich abschrecken könnte, was ein: „Ach, da hast du dich geirrt, toll ist er nicht“ auslösen könnte. Fehlanzeige!

Nach diesem Abend konnten wir es nicht lassen, tagtäglich miteinander zu schreiben. Als würde ich dich schon ewig kennen, so fühlte es sich an. Ich kannte dich ja auch schon, nur warst du nicht der gleiche Mensch, mit dem ich dich verband.

Gottseidank durfte ich dich schon eine Woche später wiedersehen. Wir verabredeten uns direkt für den Abend nach meiner Ankunft. Ein Date? Hm…meiner Meinung nach ja, für dich vermutlich nur ein After Work Bier inkl. Kollegin. Biergarten, Bier, ausgelassene Stimmung. Mit jedem Bier wurden die Themen persönlicher, ich mag dich! Im Dunkeln suchten wir uns noch einen Späti, weil wir uns nicht verabschieden wollten. Die Shishabar hielt uns bis in die Nacht fest. Auf dem Weg zur Bahn schwankte ich leicht in deine Richtung, wir lachten. Ich wollte ins Hotel laufen, es war warm, ich hatte getrunken, so sieht der Plan oft bei mir aus. Als ich neben dir auf deine Bahn wartete, kamen zwei Männer auf uns zu:

„Ey kann ich ein Foto von deinem Kleid machen? Das ist so schön rot.“

„Das ist Grün, guck doch mal hin.“

„Das ist Rot, ich mach jetzt mal ein Foto. Wir haben dich schon bestimmt 4 mal heute hier gesehen.“

Die Situation war mir sichtlich unangenehm, da die Herren betrunken waren. Du wusstest genau was zu tun war, anstatt mit der Bahn nach Hause zu fahren, hast du darauf bestanden, mich zum Hotel zu begleiten. Du wüsstest ja nicht, welchen Idioten ich auf dem Heimweg noch begegne. Danke! Genau das habe ich mir gewünscht.

So bot sich noch mehr Zeit für ausgiebige Gespräche, die man mit dir führen kann.

Am nächsten Tag freute ich mich schon, dein Strahlen zu sehen. Außerdem wusste ich, dass wir auch diesen Abend zusammen verbringen würden. Diesmal nicht allein, aber das war mir egal.

Biergarten, Bier, Shishabar. Der Ablauf glich sich, aber wir waren viel vertrauter. Die Kollegen ließen uns allein den Heimweg antreten, wahrscheinlich gingen wir ihnen mit unserer Albernheit auf die Nerven.

Es regnete und blitzte. Aus früheren Gesprächen wusstest du, dass ich mich sehr vor Gewitter fürchte. Als nach einem hellen Blitz der Donner grollte, zuckte ich zusammen. Du legtest deinen Arm um meine Hüfte und hieltest mich fest. Meinen Arm ebenfalls um deine Hüfte gelegt, schlenderten wir die Straßen entlang. Schön war es! Eine innige Umarmung beendete diesen tollen Abend, ich mag dich!

Leider musste ich am Folgetag wieder die Reise nach Hause antreten. Wir umarmten uns lange, und versprachen uns, uns zeitnah wiederzusehen.

„Irgendwie fehlt mir in Berlin ein wenig Sonne :(“

„Anscheinend muss ich schneller nach Berlin kommen, als ich dachte.“

 

 

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