„Wenn aus Interesse Liebe wird“

Am Wochenende habe ich einen sehr, zugegebener Maßen kitschig romantischen, schönen Artikel gelesen.

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/43146/Versprich-mir-dass-du-nie-nie-nie-wieder-was-Romantisches-planst

Thema des Artikels sind gesammelte Momente, in denen aus Interesse Liebe wurde. Auffällig ist, dass diese Momente hauptsächlich von Frauen beschrieben werden. Vielleicht machen sich nur Frauen die Mühe, so etwas mitzuteilen, vielleicht gibt es solche Momente im Leben von Männern auch nicht oft.

Mich beschäftigt dieses Thema ebenfalls sehr häufig. Welche Momente lösen Gefühle aus? Wann merkt ein Mann, dass ihm die richtige Frau gegenüber steht? Als Frau gibt es, jedenfalls kann ich das für mich so sagen, viele solcher Momente. Es sind kleine Momente, meist gar nicht so groß, wie sie sich im Nachhinein anfühlen.

In solchen Momenten denke ich mir „Ich glaube, ich verliebe mich gerade“. Erinnere ich mich zurück, waren es manchmal Blicke, manchmal Gesten, manchmal Worte. Es reicht eine kleine Berührung, sei sie denn Liebevoll, um aus Interesse „Liebe“ werden zu lassen. „Liebe“ setze ich hier bewusst in Anführungszeichen. Liebe entsteht meiner Meinung nach nicht nach dem Interesse, sondern nach dem verliebt sein. Dementsprechend trifft es eher: „Wenn aus Interesse verliebt sein wird“.

Welche Momente fallen mir dazu ein? Es gab einen Mann, den ich schon beim Kennenlernen sehr mochte, wir konnten ernsthaft reden, viel lachen und hatten eine gute Zeit. Als wir von einem Date nach Hause fuhren, standen wir in einer vollen S-Bahn, es ruckelte ständig, und man hatte kaum Möglichkeiten sich festzuhalten. Daraufhin hielt er mich so fest, wie er konnte. Bei jedem Ruckeln der Bahn, drückte er mich ein wenig doller an sich heran, damit mir auch ja nichts passieren würde. Das war der Moment, in dem ich die Schmetterlinge fühlte weil ich wusste, dass er mich beschützen würde.

Ein anderer Mann brachte mich nach einem Date nach Hause und wir standen noch eine Weile vor meiner Haustür. Schon vorher hatten wir den ein oder anderen Kuss ausgetauscht. Während unserer Verabschiedung packte er mich an den Schultern und drückte mich für einen Kuss an den Zaun. Das war so leidenschaftlich, dass ich keine andere Möglichkeit hatte, als ihm zu verfallen.

Ebenfalls immer wieder ein Moment höchster Gefühle ist es, wenn ein Mann, mit dem ich nicht bzw. noch nicht zusammen bin, auf offener Straße meine Hand greift. Das signalisiert: „Du gehörst zu mir, ich zeige gerne, dass wir zusammen gehören“.

Im Vergleich zu den im Artikel genannten Momenten, klingt das alles vielleicht trivial, aber ich brauche gar nicht solch außergewöhnliche Taten.

Wie sieht es bei den Männern aus? Gibt es für euch solche Momente? Wann finden diese statt? Am Anfang? Eher wenn ihr die Person schon sehr gut kennt?

Ebenfalls stellt sich mir die Frage, ob sich Männer auch in eine Frau verlieben können, von der sie dachten, dass es nicht „die Richtige“ sei. In meinem Umfeld ist das sogar schon passiert. Am Anfang gab es kein Interesse, welches über eine Freundschaft hinaus ging aber irgendwann, hat es dann gefunkt. Mir passiert sowas nie. Verliebe ich mich nicht am Anfang, passiert da auch später nichts. Genauso habe ich es auch mit Männern erlebt. Gibt es am Anfang kein großes Interesse, baut sich dieses auch nicht später auf.

Wieso passieren solche „Liebe auf den 2. Blick“ – Momente immer nur den Anderen? Es passiert immer nur den Anderen, dass sich Männer nochmal umentscheiden und auf einmal merken, wie sehr sie einen mögen. Es passiert immer nur den Anderen, dass aus Herzschmerz nochmal ein Happy End wird.

14 Kommentare

  1. Bei dem Artikel ist mir auch aufgefallen, dass fast nur Frauen geschrieben haben. Dazu kommt, dass praktisch in allen Geschichten die Aktivität von den Männern ausging und die Frauen „dahingeschmolzen“ sind. Ich behaupte mal, dass die Aktion bei den Männern mehr aus sexuellem Antrieb geschehen ist und weniger aus romantischen Gründen.
    Ich hatte über Monate meine Nachbarin hofiert. Wir konnten uns bei unseren Treffen stundenlang unterhalten. Weil ich lange Zeit unsicher war und ehrlich bleiben und keine blosse Bettgeschichte wollte, habe ich sexuelle Anspielungen und „zufällige“ Berührungen oder „spontane“ Kontakte bleiben lassen. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass ich ständig an sie denken muss, dass mir andere Frauen gleichgültig sind. Das nächste unserer Treffen, wo ich ihr sagen wollte, was sie für mich bedeutet, hat sie wegen eines einen neuen Lovers (der mir ähnlich sieht) abesagt. Ich habe sie später trotzdem mal auf uns beide angesprochen und ihr von meinen Gefühlen erzählt: sie hat mir gesagt, dass es bei ihr nicht gefunkt hat. Sie hat nicht gespürt, dass ich sie sexuell begehre.
    Ich habe daraus gelernt: um eine Frau „rumzukriegen“ muss mann ihr glauben machen, dass sie die einzige ist auf der Welt, auf die er sein ganzes Leben gewartet hat. Das bekommt mann hin, das ist aber Arbeit und passt bei mir nicht mit Verliebtheit zusammen. Ausserdem eine klare Aussprache über die Gefühle nach dem zweiten oder dritten Treffen (egal von Mann oder Frau), falls beide an einer längeren Beziehung interessiert sind.

    1. Danke für deine Meinung! Gibt da ja verschiedene Ansichten zu. Frauen wünschen sich oft jemanden, der sie begehrt. Verlieben sich dann aber trotzdem in jemanden der sie nicht begehrt. Vermutlich weil sie das anhimmeln gern haben. Schließe mich da auch nicht aus. Leider

  2. Ich glaube schon dass die meisten Männer länger brauchen. Man kann halt nicht erwarten dass das bei 2 Personen exakt zeit-identisch abläuf. Ich glaube dass ist das Problem, warum manche Frauen dann am Anfang einer neuen Bekanntschaft schnell unentspannt und ungeduldig werden… Wenn sie sich für den Typen nicht so arg interessieren, sind sie viel entspannter und dann will der Typ erst recht. 😉

  3. *räusper* Also, ich denke, dass die Meisten die Liebe erst auf den 2. oder 3. oder 4. Blick „erkennen“. Männer wie Frauen … Ich glaube auch nicht, dass es einen Unterschied gibt zwischen Männern und Frauen … Am Geschlecht liegt es sicher nicht, ob und wie schnell und wie oft man sich verliebt… Warum meist nur Frauen darüber sprechen oder schreiben …?

    Erziehung, Gesellschaft, Erwartungshaltung… ? Ich denke, dass das vielfältige Faktoren hat und auch ein bißchen vom Gegenüber abhängt. Was signalisierst Du als potentieller Partner? Worauf legst Du wert?

    Hier im Bloggyversum hast Du ja einige gute Beispiele von Männern, die durchaus über ihre Gefühle sprechen können – oder zumindest schreiben. Und die gibt es auch da draußen in der echten Welt… Man muss sie ein bißchen suchen, ich gebe das ja zu… 🙂

    Warum empfindest Du es als Makel, dass Dir das nicht auch so geht? (also außer jetzt in der „Ich möchte mein Vanille-Eis-mit-Streusel-Phase“) Denn stell‘ Dir mal vor, Du triffst jetzt auf Männer, die Du eben nicht attraktiv und interessant findest und die wollen Dich jetzt überreden, Ihnen mehr Zeit zu geben. Würdest Du das machen, wissend, dass sich da bei Dir meist nichts mehr tut? Und umgekehrt: Möchtest Du jetzt in der Situation sein, dass Du bei jedem 2. Mann hoffst, dass er Dir einen 2. Blick schenkt? Oder ist es nicht eigentlich ganz „ok“, dass Du immer Gleichgesinnte triffst?

    Du möchtest Dein Lieblings-Eis und Du möchtest dies und das und am besten noch auf genau jenes nicht verzichten… Das ist alles in Ordnung und legitim (und wie ich finde auch richtig so), aber kommt eben zu dem Preis, dass die Partnerwahl nicht zwingend einfacher wird… Leider… 🙂

    Also – Durchhalten 🙂

    1. danke Lila für das ausführliche Kommentar. Natürlich ist es bessre, wenn relativ schnell klar ist, ob Interesse besteht, oder eben nicht. Ich habe hier ja die romantische Vorstellung mit einbezogen, die unglücklich verliebte Frau, deren Mann sich plötzlich bewusst wird, was ihm entgangen ist. Das sehe ich eben nur bei Anderen, bei mir selbst nie 😉 Ich würde auf Streußen verzichten, solange Schokostücken im Eis sind 😀 Vanille nehme ich nicht, da wird mir schlecht wenn ich es zu oft esse 😉

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