Gibt es auch eine Krankschrift, wenn man sich den „Verkupplungsvirus“ eingefangen hat?

Es gibt eine sehr hartnäckige Krankheit, die vor allem bei Paaren grassiert. Sie entwickelt sich besonders schnell, wenn zwei frisch verliebte Menschen, Singlefreunde haben. Kaum noch zu verhindern ist ihr Ausbruch, wenn beide Parts der Beziehung in ihrem Freundeskreis sogar mehrere Singles vorfinden. Diese Krankheit nennt sich: „Verkupplungswahn“! Na, das kommt mir doch sehr bekannt vor. Es beginnt mit kleinen Anzeichen, der Inkubationszeit sozusagen. Das frische Pärchen tauscht sich über die eigenen Freunde aus und stellt fest, dass Single X doch total gut zu Single Y passen würde. Und dann bricht sie aus! Mit einem diabolischen Lachen begleitet, reiben sich beide Erkrankte die Hände. Zu Beginn werden nur erste Kennenlernschritte der Opfer geplant, aber umso stärker sich das Verkupplungsvirus im Blut der Infizierten ausbreitet, desto abgehobener werden die Vorstellungen. „Wenn X nun Y heiraten würde, dann könnten die beiden ihre Kinder in Kita Z schicken!“. Nein, ich übertreibe nicht! Ich weiß, dass es manchmal ganz abwegige Gründe gibt warum man glaubt, dass zwei Menschen zusammen passen könnten. Als ich mal einen Herren datete, der zufälligerweise den gleichen Nachnamen trug, wie meine beste Freundin, sah ich das als Zeichen. Was solle da schief gehen, wenn ich nach einer Heirat sozusagen ein Familienmitglied der besten Freundin wäre, auch wenn es nur durch den Nachnamen ist?

Der „Wahnsinnigkeitsfaktor“ dieser Krankheit ist allerdings noch nicht erreicht. Ist die Planungsphase abgeschlossen, werden direkt weitere Beteiligte infiziert. Bestenfalls gibt es gemeinsame Bekannte, die sowohl zu X, als auch zu Y, Kontakt haben. Diese werden ausgiebig befragt, um mögliche Gemeinsamkeiten und Hürden schon VOR einem Kennenlernen der beiden auszuarbeiten. Treten mögliche Hürden auf, werden Strategien entwickelt, um diese zu überspringen. Als ich versuchte meine beste Freundin mit einem Veganer zu verkuppeln überlegte ich lange, wie ich nun abchecken könnte, ob ein Pflanzenfresser für sie in Frage kommen würde. Nach einigen alkoholischen Getränken fasste ich mir ein Herz: „Du sag mal, ich habe mich da letztens mit Freunden unterhalten und es kam das Thema auf, ob sie sich vorstellen könnten, eine Beziehung mit einem Veganer zu führen. Wie siehst du das? Kann ich dazu mal deine Meinung haben?“. Ich hielt kurz den Atem an, da ich mir nicht sicher war, ob sie den Braten schon von weitem riechen konnte. „Naja, also ein Ausschlusskriterium wäre das nicht. Dann koche ich halt eine vegane Variante meines Essens, das sollte ja nicht so schwer sein!“. Puh, dachte ich. Glück gehabt! Die erste Hürde war also schon übersprungen. Nun ging es an das Abchecken des Attraktivitätsempfindens der beiden füreinander. Bei Männern ist das ja relativ einfach: „Hey, guck mal hier, ist die heiß?“, führt nicht zu doofen Fragen, sondern wird mit einer kurzen und knappen Antwort bedient. „Yo, die is süß!“, erste Hälfte der Hürde geschafft!

Bei Frauen ist das bedeutend schwieriger. Ich ließ mir Fotos des zu verkuppelnden Herren schicken. Mit einem „Wie findstn den?“, versendete ich sie an meine Freundin. Ich stellte mich auf lange und konkrete Nachfragen ein, welche ganz unüberraschend natürlich auch gestellt wurden: „Süß! Ist das dein Neuer?“. Wenn ich „Neuer“ lese, muss ich immer an diesen dummen Werbespot denken, in dem Manuel Neuer plötzlich auf der Couch eines jungen Herren erscheint. In Anlehnung daran antwortete ich: „Vielleicht ist das gar nicht dein Traummann, sondern Manuel Neuer 😉“. Das hatte gesessen! Nachfragen gab es nun keine mehr. Da ich meine Beste ja nun schon seit über 15 Jahre kenne wusste ich, dass ich es jetzt erst einmal gut sein lassen musste. Interesse war von beiden Seiten bekundet, aber man durfte das Ganze nicht überstrapazieren. Mein Startschuss kam, als ich mit meiner Besten nach einer langen Partynacht an der Bar stand und sie auf einmal anmerkte: „Vielleicht sollte ich den Y ja wirklich einmal kennenlernen.“. Das war das offizielle Go, um in die Akutphase der „Verkupplungskrankheit“ überzugehen. „Darf ich ihm mal deine Handynummer geben?“, fragte ich nach einer angemessenen Ausnüchterungszeit. Als ich eine Bestätigung zurückerhielt, konnte es losgehen. Über einen Mittelsmann, wurde ihre Telefonnummer an das „Opfer“ ausgehändigt. Nun hieß es warten. Würde er seine Chance direkt nutzen, oder würde er sie verstreichen lassen?

Aus Erfahrung wusste ich, dass eine Nachfrage bei X, sowie auch Y, unangebracht war. Doch das Warten hatte schnell ein Ende. Der Nummerninhaber erkundigte sich bei mir, ob er denn die richtigen Worte gefunden hätte, um die Dame zu überzeugen. Dem stimmte ich zu und war positiv überrascht über seinen Eifer. Nun lag es an den beiden. Nun konnte ich kaum noch eingreifen. Doch eine Nebenwirkung der „Verkupplungskrankheit“ ist, jeden einzelnen Minischritt der Kommunikation, ganz genau wissen zu wollen. Das kann nerven! Dagegen müsste echt mal ein Medikament entwickelt werden. So hibbel ich nun regelmäßig vor mich hin, in hoffnungsvoller Erwartung, dass ich mit meiner Einschätzung Recht behalten würde. Dass X wirklich so gut zu Y passen könnte. Es ist so ein bisschen wie Lotto spielen, die Chancen stehen 1 zu 1.000.000, aber man hofft doch jedes Mal, dass man den Jackpot knackt.

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