„Der Job gleicht einem Hamsterrad“ – auf huffingtonpost.de

Es war der Moment, in dem ich am liebsten einfach schon Mittags aus dem Büro verschwunden wäre. Wozu das Ganze? Das passt doch alles gar nicht zu mir. Ich würde doch viel lieben mehr schreiben, meiner Kreativität freien lauf lassen. Doch das berufliche Hamsterrad lässt sich nicht so leicht anhalten.
Ich schrieb diesen Text, als ich mal wieder höcht angenervt auf meinen Zug wartete. 15 Minuten Verspätung, voll und dazu noch viel zu warm. Was wollte ich da überhaupt, im Büro? Müsste ich da nicht hin, könnte mich auch der Zug mal gerne haben…

Der Job gleicht einem Hamsterrad

Verpasste Chancen – Bereuen oder lernen damit umzugehen?

Mit jedem Jahr, welches wir auf dieser Erde verbringen, wächst nicht nur die Anzahl der grauen Haare, Falten oder Narben, sondern auch die Zahl der verpassten Chancen. Denke ich an die Chancen, die sich mir bis jetzt im Leben boten, bekomme ich ein komisches Bauchgefühl. Habe ich mich richtig entschieden? War der Weg den ich ging nicht nur einfach „das kleinere Übel“? Wir stehen so oft im Leben vor Entscheidungen, die alles verändern können. Sei es die Wahl eines Studiums oder einer Ausbildung, die Wahl eines Jobs oder die Entscheidung ein Kind zu bekommen. Besonders tiefgreifend ist die Wahl eines Partners. Er begleitet unser Leben und hinterlässt Spuren, die uns unser Leben lang prägen. Genau darum fällt den Menschen die Partnerwahl immer schwerer. Wir sehen die vielen Möglichkeiten, die wir in unserer modernen Gesellschaft haben. Ständig wird uns vor Augen geführt: Da gibt es noch eine bessere Option! Und so stehen wir an den Kreuzungen des Lebens, doch wissen nicht in welche Richtung unser Weg uns führen soll. Gehen wir einen Schritt nach links, könnte der Schritt nach rechts der eigentlich richtige gewesen sein. Aber auch das vermuten wir nur. Vielleicht wäre uns in einem Paralleluniversum, in dem wir nach rechts gegangen sind, schnell klar geworden, dass links doch die bessere Wahl gewesen wäre.

Die Möglichkeit sich entscheiden zu können ist ein Privileg, aber zugleich eine Qual. Gerade in meinem Alter, streng auf die 30 zugehend, könnte ein Schritt zurück, ein Schritt zu viel sein. Nehmen wir zum Beispiel das Berufsleben. Auch wenn der anfangs so spannend anmutende neue Job sich als langweilige Fließbandarbeit herausstellt, fällt der Schritt zurück schwer. Haben wir doch schon etwas aufgebaut, uns irgendwie eingerichtet. Sei der Job auch noch so eintönig, wir haben es uns in ihm bequem gemacht. Ein Schritt zurück zu gehen, bedeutet Risiko. Was, wenn der langweilige Job doch irgendwann zum Traumjob mutiert? Was, wenn der Folgejob noch eintöniger wäre? Meiner Generation hat man beigebracht, dass wir immer eine Wahl hätten. Wir hätten immer die Möglichkeit, alles zu erreichen. Wir hätten immer die Möglichkeit, auch später noch einmal den Weg zu ändern und unser Glück zu finden. Doch wer sagt uns, dass uns ein anderer Weg glücklicher machen würde? Lohnt es das Risiko einzugehen und gewohnte Pfade zu verlassen?

Ein Bekannter von mir war über längeren Zeitraum arbeitslos. Trotz eines guten Studiums, hatte er seinen Weg auf dem Arbeitsmarkt nicht richtig gefunden. Vor knapp einem Jahr fand er nun einen nach außen hin sehr spannenden und fordernden Job. Ich dachte, er wäre angekommen und würde nun ein „normales“ Erwerbsleben starten. Doch weit gefehlt! So erfuhr ich, dass er direkt nach einem Jahr kündigte. Ohne Folgejob. Das ist mal ein Statement! „Es hat einfach nicht gepasst.“, hieß es. Kommt euch das genauso bekannt vor wie mir? Richtig, diese Aussage kenne ich nur allzu gut, wenn es um die Liebe geht. Mein Bekannter hatte anscheinend nicht das gefunden, was er davor so lange gesucht hatte. Und er hatte den Mut, sich das einzugestehen. Respekt! Könnte jeder so viel Mut aufbringen und das eigene Leben auf den Kopf stellen? Ich für meinen Teil bin da etwas vorsichtiger. Bei mir braucht es schon eine große Motivation, um von bekannten Pfaden abzuweichen. Bestimmt ein Jahr habe ich damals gebraucht, um mich aus meiner Beziehung zu lösen und eine neue Route einzuschlagen. Vermutlich wäre ich heute noch mit meinem Ex zusammen, wenn ich auf mein Hirn gehört hätte. Gottseidank verfügt der Mensch nicht nur über ein Gehirn, sondern auch über Gefühle, die sich kaum steuern lassen. Sie machen einfach das, wonach ihnen ist. Manchmal ist einem das gar nicht bewusst, so lange bis es irgendwann einfach aus einem herausbricht. Kennt ihr das, dass man vom einen auf den anderen Moment sagt:“ Ich kündige!“? Dieses Gefühl wird plötzlich so stark, dass man es nicht mehr unterdrücken kann. Dahinter steckt so viel Energie, als hätte sich der Körper schon lange darauf vorbereitet, einen Speicher angelegt und so lange gewartet, bis der passende Moment gekommen war. Das Fass läuft plötzlich über. Alles, was einem vorher nur vage bewusst war, wird auf einmal klar und deutlich.

Doch das ist der Nachteil, an diesen versteckten Gefühlen: Sind sie noch klein und unscheinbar, beirren sie unsere Entscheidungsfähigkeit nicht. Wir gehen munter den Weg entlang, den unser Gehirn für uns konstruiert hat. Immer schön logisch ein Bein vor das Andere, bloß nicht im Kreis drehen und immer mit angemessener Geschwindigkeit voranschreiten. Schön bequem ist das! Ein bisschen so, als würde man Bowling auf der Kinderbahn spielen. Anstatt die Möglichkeit und das Risiko zu haben, die Kugel in die Abgründe der Bahn zu versenken, doch gegen ein Sicherheitsband zu stoßen und dadurch nie ohne Punkte aus dem Spiel zu gehen. Langweilig! Langweilig, aber sicher. Stehen wir nun an einer Weggabelung, finden wir auf der einen Seite den sicheren, ausgepolsterten, schon leicht vorgetrampelten Weg. Die andere Seite jedoch, stellt eine Chance dar. Sie ist in Nebel gehüllt und nur vage erkennbar.

Befinde ich mich in so einer Situation, würde ich am liebsten einen kleinen Schritt in den Nebel machen um zu schauen, ob ich zumindest ein paar Umrisse erkennen könnte. Doch diese Möglichkeit bietet sich mir nicht. Eine „halbe“ Entscheidung, kann man nicht treffen. Man kann eine Alternativroute suchen, diese ist aber meist sehr nah am gepolsterten Pfad. Einfach mal mit einem Sprung ins Ungewisse die eigenen Grenzen austesten, das wär‘s! Ohne Rücksicht auf Verluste die Chance erkennen und nutzen. Doch Moment, da meldet sich wieder das Gehirn! Was, wenn hinter dem Nebel ein Abgrund lauert? Was, wenn das Ganze eine Falle war und unser Leben zerstört? Was, wenn nichts mehr so sein wird, wie es vorher war? Das Risiko ist hoch! Darum verlassen die wenigsten Menschen heutzutage ihren bequemen Weg, auch wenn er eintönig und langweilig erscheint. Vielleicht ist „ganz okay“ einfach besser als das Risiko einzugehen? Müssen wir uns mit „ganz okay“ abfinden, oder sollten wir immer nach Perfektion streben? Ist es Ziel des Lebens, die Extreme zu testen, oder sind nur die altbekannten Pfade, die Richtigen? Eine abschließende Antwort zu finden ist schwer, wenn nicht sogar unmöglich. Denn wir werden nie wissen, was uns im Nebel erwartet hätte. Wir werden nie wissen, wie unser Leben gelaufen wäre, wenn wir andere Wege eingeschlagen hätten. Es ist eine Herausforderung des älter werden, dies zu akzeptieren, sich darüber klar zu sein, dass man den Lebensweg bewusst so gegangen ist und sich nicht ohne Grund gegen die ein oder andere Chance entschieden hat.

Mehr Respekt für unsere Polizeibeamten!

Insgesamt 7 verletzte Polizisten, nach der Demo am Montag in meiner Heimatstadt. 7 Menschen, die einfach nur ihren Job gemacht haben. Wer mich kennt weiß, dass ich Polizisten sehr schätze. Bis zum Montag kam ich allerdings relativ wenig mit ihnen in Kontakt. Abgesehen von meinem privaten Freundschaften mit dieser Berufsgruppe, sehe ich sie nur an Bahnhöfen stehen, oder in der Stadt Streife fahren. Auf der Anti-Pegida-Demo in meiner Heimatstadt, durfte ich die Polizei mal in Action erleben. Allein schon die komplette Schutzausrüstung, die muss bestimmt um die 10kg wiegen. Ziemlich respekteinflößend, finde ich. Da standen sie nun, unsere Freunde und Helfer. In der Kälte, mitten im Regen, mussten sie versuchen die Demo, sowieso auch die Gegendemo, zu schützen. Es ist egal, welche politische Einstellung ein Beamter hat, wird er zu einer rechtsorientierten Demo gerufen, muss er die Demonstanten verteidigen. Da zählen keine Meinungen, da zählt kein richtig oder falsch, da muss ein Job gemacht werden.

Dafür bewundere ich unsere Polizisten. Sie stellen sich dazwischen und wissen ganz genau, dass einige Chaoten nur deswegen anwesend sind, um sich mit ihnen anzulegen. Wenn ich mich in die Lage der Angehörigen eines Polizisten versetze, stelle ich mir das sehr schwierig vor. Ich verabschiede mich da morgens nicht von einem Büroangestellten, der im schlimmsten Fall mit einer Sehnenscheidenentzündung nach Hause kommt, sondern von einem „Staatsdiener“, der jeden Tag Gewalt und Gefahr ausgesetzt ist. Sichern sie zum Beispiel eine rechte Demo, bekommen sie die Steine, Flaschen und Böller ab, obwohl ihnen gar nichts anderes übrig bleibt, als ihren Job zu machen. Dabei sind Polizisten Menschen wie du und ich. Darum kann ich es nicht nachvollziehen, warum einige Chaoten so darauf aus sind, sich auf verschiedenen Veranstaltungen mit der Staatsgewalt hauen zu müssen. Natürlich gibt es, wie in jeder Berufsgruppe, auch unter den Beamten Idioten! Es wird teilweise zu viel Gewalt angewendet, welche nicht nötig gewesen wäre. Einer meiner Freunde bekam bei der Demo am Montag Pfefferspray zu spüren, obwohl er sich friedlich verhielt. Ich möchte aber behaupten, dass der Großteil der Polizisten sich ordentlich benimmt, um das Leben anderer und das eigene nicht in Gefahr zu bringen.

Alle Polizisten die ich kenne, üben ihren Job mit Leidenschaft aus. Sie fühlen sich dazu berufen, andere Menschen zu schützen. Und was erhalten sie oft als Gegenleistung? Eins auf die Fre***! Meiner Meinung nach können wir froh sein, dass wir so mutige Menschen haben, die ihr Leben für uns aufs Spiel setzen. Schaue ich mir andere Länder an, könnte es uns um einiges schlimmer treffen. In meinen Augen vermittelt die Polizei Sicherheit. So geht es mir zumindest. Ist ein Polizist in der Nähe, fühle ich mich sicherer. Ich habe großen Respekt vor dieser Berufsgruppe. Schon das eher abwertende Wort „Bullen“, kommt mir selten über die Lippen. Ich bin der Polizei dankbar, dass sie jeden Tag wieder und wieder ihren Kopf hinhalten, wenn irgendwelche Idioten Mist bauen. Aber auch die Beamten sind keine Superhelden. Aufgrund fehlenden Personals, kommt es trotzdem immer wieder zu Situationen, in denen es eskaliert. Ich stelle mir das horrormäßig vor. Ich will nur meinen Job machen, und auf einmal prügeln alle auf mich ein. Auch wenn Polizist sein eine Art „Berufung“ ist, so ist es doch ein normaler Job, für den es am Ende nicht einmal genug Gehalt gibt.

Ich finde es wichtig, den Beamten Respekt zu zollen. Irgendwann kommen wir vielleicht mal in eine Situation, in der wir Hilfe benötigen. Dann werden wir uns vielleicht ärgern, dass wir unsere Helfer zuvor gerne mal mit Böllern und Steinen beworfen haben.

„Berufs-Rassist“

Ich muss etwas gestehen. Es fällt mir nicht leicht das zu sagen, aber ich bin ein „Berufs-Rassist“. Das klingt schlimmer als es ist. Ich habe Vorurteile gegenüber Menschen mit bestimmten Berufen. Das ist mir aufgefallen, seitdem ich mich neben tinder noch auf anderen Dating Apps rumtreibe. Dort findet man eben nicht nur die relativ erfolgreichen Männer, sondern auch solche, an denen man auf der Straße vorbei geht, ohne einen Blick zu verschwenden.

Kann man Menschen den Beruf ansehen? Teilweise natürlich, Uniformen und Berufsbekleidung sei dank. Was sich aber oftmals erahnen lässt ist die Intelligenz einer Person. Das negative Extrem sehe ich teilweise schon auf 500m Entfernung. Das ist bei gut gemachten Fotos auf Onlineplattformen schon nicht mehr möglich.

Eine meiner ersten Fragen in einem beginnenden Gespräch ist deshalb: „Was machst du eigentlich beruflich?“.

Kommt dort eine Antwort, wie ich sie mir nicht erhoffe, beende ich relativ schnell das Gespräch. Das ist hart und sicherlich nicht gerecht, aber ich weiß schon zu diesem Zeitpunkt, dass das nichts ist was ich suche. Vermutlich laufen in meinem Hirn Denkprozesse ab wie: „Wäre das ein geeigneter Mann um Kinder groß zu ziehen? Hätten wir die finanziellen Mittel um gut zurecht zu kommen? Welche Ziele hat dieser Mann im Leben?“.

Kleines Beispiel: Ich schrieb mit einem auf den 1. Blick sympathisch wirkenden Mann. Auf meine obligatorische Frage entgegnete er mir: „Busfahrer“. Hm….irgendwie war jetzt schon klar, dass ich das Interesse an diesem Mann verloren hatte.

Natürlich sollte man jedem Menschen eine Chance geben und ihn nicht auf Dinge wie seinen Beruf reduzieren. Dagegen kann ich mich aber nicht wehren, das Interesse ist einfach weg. Bei jeder anfänglich netten Gesprächssituation hoffe ich, dass der Herr beruflich etwas vorzuweisen hat. Auch wenn ich mich verlieben würde, manche Prinzipien kann ich nicht umgehen.

Das kann natürlich auch ins andere Extrem ausschlagen. Jemand der sich mir als Polizist vorstellt, kann danach ziemlich alles falsch machen und ist in meinen Augen immer noch ein höchst attraktiver Mensch. Das ist ungerecht und oberflächlich, aber ich kann mich da echt nicht wehren.

Mein Name ist Jule und ich bin Berufs-Rassist….. :/