Mein persönlicher Knutsch-Sklave

Es gibt Abende, an denen man vor hat, nicht alt zu werden. Ein Bier trinken, quatschen, nach Hause gehen. Vielleicht hätten wir das so wie geplant machen sollen, einfach nach Hause gehen.

Als wir nach einem Konzert durchgefroren in unserer Stammkneipe saßen, ahnte weder ich, noch meine Beste, dass dieser Abend anders verlaufen sollten, als wir es geplant hatten. Am Cocktail nippend blickten wir durch die Menge der Gäste. Irgendwie nichts dabei, komisches Publikum. Im Club in der Nähe war große 90er Party, da wollten die Meisten hin. Wir hingegen litten noch etwas unter dem feucht fröhlichen Vorabend.

Kurz bevor die Stimmung kippte, und wir den Heimweg antreten wollten, betraten zwei Herren die Bar. Hübsch! Sie platzierten sich direkt in unserer Sichtlinie. „Diese zwei Herren werden wohl entscheiden, wie unser Abend heute noch verläuft.“ flüsterte ich meiner Besten zu. Ansprechen? Ansprechen lassen? Wir nahmen Blickkontakt auf. So richtig wollte sich kein Flirt ergeben. Ich nahm allen Mut zusammen, und stellte mich zu ihnen. Wir kamen nett ins Gespräch, süß der M. und der U.!

Sie überredeten uns, doch noch mit auf die Party zu kommen. Auf dem Weg in den Club, fing M. an, wildfremde Frauen anzusprechen. Wütend erklärte ich seinem Freund, dass wir kurz davor seien, wieder umzudrehen und zu gehen. Sowas geht einfach nicht. Das ist unhöflich und wir kamen uns bescheuert vor.

Am Club angekommen sah ich meine Beste, wie sie immer intensivere Gespräche mit M. führte. M. konnte sich anscheinend doch noch von den anderen Frauen lösen. In der Annahme, dass die beiden knutschen würden, schaute ich U., den Freund von M., an und es dauerte nur wenige Momente, bis wir ebenfalls aneinander klebten.

Im Club angekommen, kümmerten sich die Herren um Getränke. Na das kann ein schicker Abend werden, dachte ich mir in meiner Naivität. Auf dem Floor angekommen, konnten U.und ich uns nicht mehr zurück halten. Wir standen minutenlang knutschend auf der Tanzfläche. Es ist selten, dass ein Mann so genau weiß, welche Knöpfe bei mir zu drücken sind, damit ich spontan in einen Ohnmachtszustand verfalle.

Überraschenderweise zogen sich die Herren kurz darauf zurück, und meine Beste und ich tanzten allein weiter. Als wir kurz darauf den Floor wechselten, sah ich U. in einer angeregten Unterhaltung mit einer fremden Frau. Ich wurde wütend, rasend eifersüchtig. In meinem Kopf ließ ich mögliche Szenen ablaufen. Hingehen, losbrüllen, total ausrasten. Hingehen, ihm eine Ohrfeige hauen, und gehen. Meine Finger juckten, ich wollte ihm einfach eine „reinzimmern“ in diesem Moment. Das war meiner! Ganz allein meiner!

Aggressiv lief ich weiter und versuchte meine Emotionen weg zu tanzen. Nachdem ich mich langsam beruhigt hatte, kam U. mir auf einem anderen Floor entgegen. Ich versuchte ihn zu ignorieren und drehte mich weg. Er schnappte mich, und küsste mich halb in den Wahnsinn. Umso mehr ich versuchte mich von ihm zu lösen, desto fester zog er mich an sich heran.

Gefühlte 3 Stunden kamen wir nicht mehr voneinander los. Ich musste ihn teilweise wegschieben, damit ich tief durchatmen konnte. Komplett von der Rolle war ich, konnte nicht denken, ignorierte alles um mich herum. Wer auch immer diesem Kerl das Küssen beigebracht hat, gehört heilig gesprochen!

Ich bekomme immer noch Schnappatmung, wenn ich an diese Momente denke. Da M. schon sehr lange allein tanzte, gesellten wir uns zu ihm. Er war aufgeregt und fragte nach dem Verbleib meiner Besten. Ich solle sie sofort anrufen, sie her holen. Ich wusste, dass sie sich auf dem Rock Floor rumtrieb. Schnell wechselte ich dorthin und hoffte, dass die Herren mir folgen würden.

Kurze Zeit später tanzten wir zu Viert. Oder besser gesagt, M. und meine Beste tanzten, ich stand wie angewurzelt vor U. und ließ mich wahnsinnig knutschen.

Es war schon früh am Morgen, M. und U.wollten nach Haus. Wir begleiteten sie noch kurz raus. Es war kalt, und wir zu kurz angezogen. Ich vergrub mich in U.’s Jacke und fühlte mich wie eine kleine Prinzessin, deren Prinz dafür sorgte, dass sie nicht erfrieren würde.

„Lass mich los, wir machen es gerade noch Schlimmer. Wir machen uns den Abschied unerträglich, wenn du mich jetzt nicht los lässt.“ – flüsterte ich. U. drückte mich noch fester an sich heran.

„Lass mich nicht los, bitte lass mich nicht los. Ich hasse dich! Ich hasse dich dafür, dass du jetzt gehst.“ – sagte ich traurig.

„Die Nacht war toll, wir sollten sie in bester Erinnerung behalten.“ – antwortete U.

Nach diesem Satz war mir klar, dass ich nichts mehr von ihm hören würde. M. hatte meine Nummer, eine Kontaktaufnahme wäre also möglich. Ich sollte Recht behalten, U. zuckte sich nicht mehr.

Ich weiß nicht was da in meinem Hirn passiert ist, irgendwelche Synapsen sind während des Kusses durchgebrannt. Man sagt ja, dass es ein Mensch nicht wert ist, wenn er so handelt und einen ignoriert. Aber wie oft treffe ich einen Mann, der weiß welche Knöpfe er drücken muss? Einer von 100 oder so. Ich möchte den Kerl am liebsten in meiner Wohnung festketten, als persönlichen Kuss-Sklaven.

Wie er eine solche Nacht einfach vergessen kann, ist für mich nicht nachvollziehbar. Es macht mich traurig 🙁

15 Gedanken zu „Mein persönlicher Knutsch-Sklave

  1. Pingback: Persönlicher Knutsch-Sklave Teil 2 | Männer und Gefühle
  2. Wolkenkratzerefeu sagt:

    Arschloch. Aber es dauert halt gern mal ’n gefühltes, halbes Leben bis man jemanden trifft, der wenigstens annähernd richtig ist für einen. Viel Glück 😉

  3. Twisted Mind sagt:

    Ich denke, ich kann dich verstehen (auch als Mann) muss ein besonderer Abend gewesen sein und leider war er wohl vergeben und trieb ein sehr gemeines Spiel, denn so etwas tut man einfach nicht, scheint aber heute wohl eher normal zu sein 🙁

    • juleblogt2014 sagt:

      Richtig, habe leider rausbekommen, dass er eine Freundin hat. Sowas ist anscheinend normal…nehmen und wegwerfen. Macht man ja mit allem anderen auch so

      • Twisted Mind sagt:

        Ich muss gestehen, ich kenne das nicht, aber zu meiner Zeit war vieles anders, man kannte zum Beispiel den Vornamen bevor man Sex mit jemanden hatte ^^

        • juleblogt2014 sagt:

          das ist in jedem Fall von Vorteil haha 😉 Man muss sich an so etwas aber leider gewöhnen…mir tut das noch weh…aber vielen Menschen in meinem Umfeld ist das schon langsam egal

          • Twisted Mind sagt:

            Ich denke dran gewöhnen muss man sich nicht daran, denn hat auch etwas mit dem Anspruch an sich selber zu tun. Beispiel, direkt zu deiner Geschichte… Hättest du dich den ersten Abend an dem du jemanden kennen lernst, nicht gleich knutschen lassen, hätte er dich auf diese Art gar nicht verletzten oder benutzen können. Halt nur ein Gedanke.

          • juleblogt2014 sagt:

            hätte ich mich nicht küssen lassen, dann hätte ich ziemlich wenig Spaß gehabt 😉 Habe es ja sehr genossen. Konnte zu dem Zeitpunkt nicht ahnen, dass das so ein Trottel ist

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