Jule macht ernst

Was ist der Nachteil daran, dass viele Freunde meinen Blog lesen? Ganz so frei wie ich gerne würde, kann ich leider nicht mehr schreiben. Da kann ich anonymisieren wie ich will, es wäre schnell klar von wem hier die Rede ist. Aus diesem Grund halte ich diesen Artikel sehr oberflächlich. Wie sehr habe ich mich auf den Samstagabend gefreut. 90er Party war angesagt. Mit einer großen Truppe sollte es erst in die Stammbar gehen und dann geschlossen in den Club. Gefühlte Stunden verbrachte ich damit, ein passendes Outfit für den Abend zu wählen. Allein die Frage nach Ohrringen, hielt mich ewig auf. Da hatte ich mich am Nachmittag doch mit exakt 6 Paar Ohrringen ausgestattet. „Kaufe 3, bekomme 3 geschenkt“…ich hatte keine Wahl!

So saß ich vor meinen neuen Errungenschaften und überlegte: „Die Nikolausmützen? Die Christbaumkugeln? Die großen grünen Geschenke? Die silbernen Engelsflügel?„. Am Ende entschied ich mich für die großen Geschenke und als Notvariante die Engelsflügel, falls mich die Leute doch zu sehr anstarren sollten. Mit meinem neuen tief ausgeschnittenen Kleid, ging es mit der Besten direkt in die Stammbar. Wieso ist es da schon kurz vor 21 Uhr so voll??? So blieb uns nur ein Platz an der Bar. Das stellte sich jedoch als großes Glück heraus. Mein Lieblingsbarkeeper bedankte sich nämlich direkt mit einem leckeren Freigetränk. Mit jedem Schluck Gin Fizz, stieg die Vorfreude. Nach und nach vergrößerte sich unsere Runde. Mädelsabend! Pünktlich zu Partybeginn zogen wir in den Club unseres Vertrauens. In der Schlange anstehend, begrüßte mich auch direkt der Christoph. Den schleppten wir auch gleich mit auf den 90er Floor, wo uns die Hits unserer Jugend schon entgegen schallten. Um auch mal andere musikalische Einflüsse genießen zu dürfen, wechselten wir nach einer Weile auf den Rock Floor. Dort fielen wir direkt unserer „Rock-Floor-Tanztruppe“ in die Arme. Es ist schön, wenn man sich auf gewisse Dinge verlassen kann. Mit beruhigender Regelmäßigkeit, sind dort gute Freunde anzutreffen.

Mit dieser Truppe macht es immer einen riesen Spaß, zu den schönsten Rock-Hits hoch und runter zu hüpfen. Ab und zu fällt dabei sogar ein gutes Gespräch ab. Ich saß mit meinem Lieblings-Ehemann an der Seite des Tanzfloors und unterhielt mich eine gefühlte Stunde. Leider schluckte mein Alkoholpegel mein Zeitgefühl und auch einige Erinnerungen. Eins ist bei mir hängen geblieben: Verdammt weise dieser Mann! Ich mag es, wenn man auch mal unangenehme Wahrheiten präsentiert bekommt. Es gibt nämlich auch Männer, die nicht so sind wie der Großteil der Kerle, die ich so kennenlerne. Das verliere ich oft aus den Augen. Ich verallgemeinere und denke, jeder Mann ist durch Tat x oder y rumzubekommen. Dass dies nicht so funktionierte, wurde mir an diesem Abend schmerzlich bewusst. Das Gespräch mit meinem Lieblings-Ehemann, hat irgendwas bei mir ausgelöst. Vermutlich war ich unterschwellig sowieso schon auf dem Weg zu diesen Veränderungen, aber erst jetzt setzten sie sich so wirklich durch.

Ich löse mich so langsam von meinen optischen Idealen. Natürlich schaue ich schönen Männern immer noch hinterher, das kann ich nicht abstellen. Aber was meine Zukunft betrifft, versuche ich mein Gefühl entscheiden zu lassen. Hier ein kleiner Gruß an meinen Leser Frank, der mir dazu schon vor einer Weile riet. Bauchgefühl, das ist was zählt. Auch wenn ich im ersten Moment vielleicht nicht vom Hocker falle, weil mir ein Mann optisch nicht ins Auge fällt, sollte ich dran bleiben. Überzeugt ein Mann charakterlich, wird die Optik schnell zur Nebensache. Schaue ich mir die glücklichen Paare in meinem Umfeld an, ist es doch oft so, dass beide nicht sofort von dem Anderen überwältigt waren. Wie oft höre ich: „Am Anfang ist Sie/Er mir gar nicht aufgefallen.„. Wer ist schon mit seinem optischen Ideal zusammen? Eine Person wird erst zum Ideal, wenn man sie intensiver kennenlernt. Bis dahin ist es sicherlich nicht verkehrt, sich, wenn auch nur körperlich, mit den optisch idealen Typen auseinander zu setzen. Wenn ich mir meine „Liste“ an kurzfristigen Liebschaften so anschaue, waren da doch einige dabei, die meinem optischen Ideal entsprachen. Dass sie mir deshalb auch ordentlich wehtun konnten, steht außer Frage. Das nagt ungemein am Selbstbewusstsein, wenn man von solch optischen Idealen abgewiesen wird.

Ich habe mit der Zeit einfach verlernt, hinter die Fassade zu schauen. Die wahre Schönheit eines Menschen in seinen Werten zu erkennen. Samstagnacht kommunizierte ich kurz mit dem Mann, der mich online so gern beleidigte, aber in der Realität nicht mal ein „Hi“ über die Lippen bekam. „Du bist zu verrückt, und dafür bist du nicht heiß genug!“ – na vielen Dank! Auf so etwas kann ich verzichten. Jule hört ab jetzt nur noch auf ihr Bauchgefühl! Und wenn da jemand ist, von dem sie meint, dass das ein toller Typ ist, dann bekommt der eine Chance. Was bringt mir das Model auf der Couch, wenn ich mich nicht entspannen kann. Was bringt mir der Schönling an meinen Lippen, wenn er mich nicht nehmen kann wie ich bin.

Es wird Zeit etwas zu ändern. Es wird Zeit den Mann für eine lange Zeit im Leben zu suchen. Es wird Zeit die ganzen Trottel hinter sich zu lassen.

Jule macht jetzt ernst!

 

Last but not least, möchte ich Christoph noch mal ganz lieb danke sagen! Auf dich ist echt Verlass! Ganz lieben Dank fürs heim bringen. Ich steh in deiner Schuld 🙂 Und das schon zum zweiten Mal haha.

5 Kommentare

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  2. Ich finds super! Definitiv Daumen hoch!
    Die Erkenntnis hatte ich auch schon ein paar mal. Aber ohne dich jetzt demotivieren zu wollen – bei den Männern die ich kennenlernte, die meinem „optischen Ideal“ nicht entsprachen, hat es bei mir bisher auch nach mehreren Treffen nicht gefunkt.
    Ein einziger war da mal, der eigentlich gar nicht mein Typ war. Mir daher über ein Jahr nicht auffiel, bis er einen Schritt auf mich zumachte.
    Geendet hat das alles nach ein paar Wochen in dem wohl größten Liebeskummer, den ich je hatte. Ein halbes Jahr ständig Tränen und Kummer. Und das, obwohl wir trotz mehrerer Dates nie zusammen waren…

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