Finden wir jemals die Antwort auf unsere Liebesfragen?

Das Internet nach wirklich hilfreichen Informationen über die Liebe zu durchsuchen, grenzt an eine Sisyphosaufgabe. Nicht dass die Informationen fehlen würden, ganz im Gegenteil! An jeder Ecke finden sich Weisheiten, die zu einer stabilen und liebevollen Beziehung führen sollen. Da komme ich mir wie in einem Dschungel vor, durch dessen dichtes Dickicht ich mich tagtäglich kämpfen muss. Und am Ende? Am Ende komme ich genau da raus, wo ich reingegangen bin.

Liebe ist von außen betrachtet glasklar und durchschaubar

Trotzdem ich mich nun schon seit gefühlten Jahrzehnten mit der Liebe beschäftige, habe ich kein Stück das Gefühl, schlauer zu sein. Natürlich weiß ich eigentlich, was man für eine gute, stabile Beziehung tun muss. Aber ich kann das nur auf andere Menschen anwenden. Kommt jemand mit seinen Beziehungsproblemen zu mir, habe ich nach wenigen Minuten eine Lösung parat. Von außen betrachtet ist die Liebe so glasklar und durchschaubar. Sobald ich mich jedoch in ihr Dickicht begebe, finde ich mich in großen Nebelfeldern wieder. Die einen sagen, gegen das Verlieben kann man nichts tun, das passiert einfach. Die anderen sagen, ich könnte mir wohl aussuchen, wem ich mein Herz schenke. Auch wenn ich der festen Meinung bin, selbst entscheiden zu können, für wen ich Gefühle entwickle, werde ich regelmäßig eines Besseren belehrt. Es gibt nie DIE Lösung, die ich mir so oft erhoffe.

Ansichten verhalten sich manchmal wie dünne Bäumchen im Wind

Die meisten Menschen meinen, dass eine Beziehung auf Treue beruht. Lebenslange Treue als Idealvorstellung. Fand ich mal total gut, ehrlich! Bis ich dann selbst erfahren habe, dass es eben nicht so einfach ist, das mit dem „Gucken aber nicht anfassen“. So hielt ich lange an der Meinung fest, dass es nie ausgeschlossen sei, eine andere Person kurzzeitig interessanter als den eigenen Partner zu finden. Ich dachte ich hätte meine Einstellung gefestigt, ein Grundprinzip entwickelt sozusagen. Aber auch hier verhalten sich meine Ansichten wir ein dünnes Bäumchen im Wind. Mal weht der Wind es nach „Treue ist wichtig!“, mal weht er es nach „Die Früchte in Nachbars Garten sind süßer“. In Liebesdingen wechseln manche Menschen ihre Ansichten wie ihre Unterhosen. Das finde ich prinzipiell schwierig, aber ich muss mir eingestehen, dass ich selbst zu ihnen gehöre. Mit jedem neuen Partner mischen sich auch die Standpunkte neu, so mein Gefühl. Vom der Lebefrau zum Moralapostel, von „komm ich heut nicht, komm ich morgen“ zu extremer Verbindlichkeit. Das habe ich alles schon erlebt und war jedes Mal aufs Neue verwundert, wie das funktionieren kann.

Wir finden nur das, was sich unserer aktuellen „Wahrheit“ anpasst

Ich glaube, man findet seine eigene „Wahrheit“ immer nur für den Moment, für den sie gerade passt. Führe ich eine offene Beziehung, ist das meine Wahrheit, an der sich für diesen Zeitraum nichts rütteln lässt. Das heißt nicht, dass in der nächsten Beziehung nicht Treue das ausschlaggebende Kriterium ist. Wir suchen uns ja oft nur die Wahrheiten aus, die wir gerade hören wollen. Dass sie uns jedes Mal wie der Gral der Weisheit erscheinen, ist ein Phänomen für sich. Ich glaube darum werde ich nie abschließende Antworten auf meine Liebesfragen finden. Denn je nachdem wann ich nach etwas suche, möchte ich etwas anderes finden. Erst raus aus den Pantoffeln, dann rein in dieselben Pantoffeln, aus denen man gerade noch….etc. pp. Ihr wisst was ich meine. Antworten zu suchen liegt in der Natur des Menschen, das wird sich nicht abstellen lassen. Eines habe ich allerdings bei meiner ganzen Suche gelernt: Du wirst etwas finden, du wirst aber trotzdem weitersuchen, bis du etwas anderes findest. Am Ende, stehen wir meist doch wieder am Anfang des Dschungels. Und weil wir Menschen sind die nicht ruhen, bevor sie nicht eine Lösung gefunden haben, stürzen wir uns wieder und wieder in das Gestrüpp, nur um am Ende wieder am Anfang zu landen.

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