Ekstase! – Es gibt doch noch etwas im Nachtleben zu entdecken

Ich habe schon viel erlebt. In meinen Augen sogar schon sehr viel. Gerade was das Partyleben und die Eskalation betrifft, bin ich kein Kind von Traurigkeit. Es gibt aber anscheinend doch noch Dinge, die ich noch nicht durchleben durfte. Beginnen wir von vorn. Samstagabend, Sommerwetter und eine gute Party in Aussicht. Gegen 21 Uhr füllte sich so langsam meine Terrasse, auf die ich zum fröhlichen Vorglühen geladen hatte. Bei Cuba Libre, Gin Tonic und Sekt starteten wir in einen verheißungsvollen Abend. Eintritt mussten wir im Club natürlich nicht zahlen. Das ist ein sehr angenehmer Nebeneffekt, wenn man durch viele legendäre Partys so bekannt ist, dass Eintritt zahlen flach fällt. Na gut, in diesem Fall waren es gewonnene Gästelistenplätze, aber die nehmen wir natürlich auch gern. Im Club angekommen checkten wir erstmal, welcher der Floors zu unserem zu Hause werden würde. Irgendwie konnte keiner so richtig überzeugen, also zogen wir uns an die Bar zurück. Erstmal einen Wodka trinken! Dass dies der Einstieg für einen sehr russischen Abend werden würde, war uns da noch nicht bewusst. Als der Wodka seine Wirkung entfaltete, hielt uns nichts mehr am Tresen und wir schwangen das Tanzbein.

Der stressige Alltag war fern wie eine Reise nach Tokio

Rechts, links, vor, zurück, immer im Beat der Musik. Richtig spannend wurde es allerdings erst, als ich mit meinen Freunden den HipHop Floor betrat. Eigentlich waren wir direkt gewillt auf der Türschwelle kehrt zu machen, als plötzlich doch ein tanzbares Lied angespielt wurde. Schnell noch ein Bier und einen Wodka genehmigt, und ab ging die Post. Der Floor auf dem wir tanzten, hatte leider auch schon die eine oder andere Bierdusche abbekommen, so dass ich mit meinen Füßen mehr oder weniger am Boden festklebte. Wir sahen uns daher gezwungen, unsere Tanzeinlagen auf einem benachbarten Podest weiterzuführen. Man sollte dazu erwähnen, dass der Floor im Allgemeinen recht leer war. Da tanzten wir nun an einem eher wenig unauffälligen Ort und begannen alles um uns herum zu vergessen. Drehen, drehen, drehen bis uns schlecht wurde. Der stressige Alltag war ferner als eine Reise nach Tokio. Hatte mich vorab noch die ein oder andere emotionale Sorge beschäftigt, fühlte ich mich nun wie ein kleines Vögelchen, welches zum ersten Mal in den Himmel fliegt. Während meines emotionalen Höhenfluges wurde ich von einem jungen Herren beobachtet.

„Ich kaufe dir alles was du willst!“

Ich nahm ihn erst gar nicht so recht wahr, aber umso später der Abend wurde, desto mehr drängte er sich auf. Aufgrund des ausgedehnten Alkoholkonsums kann ich leider nicht mehr rekonstruieren, wie wir wirklich ins Gespräch kamen. Der Herr stellte sich als erfolgreicher Mitarbeiter eines großen Autokonzernes vor. Er war nicht müde regelmäßig zu erwähnen, wie erfolgreich und vor allem reich er war. Aus einem „zusammen einen trinken“ wurde dann schnell das Angebot, doch direkt eine komplette Flasche Wodka zu besorgen. So ein Angebot war ich in diesem Club nicht gewöhnt. Dass man mal einen Shot ausgegeben bekommt, ist relativ normal, aber eine komplette Flasche, war uns neu. Jule wäre aber nicht Jule, wenn sie nicht erstmal testen würde, was für eine Art Mann da vor ihr stand. Ihr müsst wissen, dass ich zu Männern sehr uncharmant sein kann, wenn sie mir komisch vorkommen. Ich versuche dann instinktiv diesen Herren durch mein Verhalten loszuwerden. „Lass uns an der Bar was zusammen trinken“, bat mich mein Gegenüber. „Nein, ich bleibe hier. Du hast doch zwei Beine oder? Dann bring die Getränke her, das solltest du schaffen. Und vergiss nicht meinen Freunden auch was zu besorgen!“, antwortete ich dominant.

Hätte ich nur vorher gewusst, dass der auf dominante Frauen steht

Ha, den bist du aber fix losgeworden, dachte ich. Doch als der junge Mann Minuten später mit einem Kasten vor der Brust ankam, war ich sprachlos. Eine Flasche Wodka und eine Auswahl aus RedBull und anderen Softgetränken türmte sich neben leeren Bechern. Ich mischte mir einen RedBull mit Wodka und war leicht beeindruckt. Später gestand der Herr mir, total auf dominante Frauen abzufahren. Hätte ich das mal gewusst! Denn ich zog meine wenig freundliche Art weiter durch und fand mehr und mehr Gefallen daran, diesen Mann herumzukommandieren. Wie ein kleines Hündchen schickte ich ihn von A nach B. Und wie dankte er es mir? Mit versprochenen Essenseinladungen und einem angebotenen Heimfahrservice. „Ich kaufe dir alles was du willst“, lallte er mir ins Ohr. Ich kann nicht verleugnen, dass ich mich sehr geschmeichelt fühlte. Ein Mann der mir, wenn auch betrunken, die Welt zu Füßen legen wollte. Das streichelt doch jedes Ego, oder? Leider gab es den ein, oder anderen Moment, in dem es mir zu viel wurde. Die Momente, in denen er versuchte seine Hände an Stellen zu packen, an denen ich sie nicht gerne hatte. Doch da kann man sich 1A auf meine Freunde verlassen. Sofort zur Stelle zogen sie mich weg und machten den Herren damit noch willenloser. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir keinen Spaß gemacht hat, mit diesem Mann zu spielen!

Wir machen jetzt mal ne Show

Generell war dieser Abend ein Abend der Show. Nachdem die Flasche Wodka geleert war, flüsterte ich meiner besten Freundin ins Ohr, wir sollten jetzt mal eine richtige Show veranstalten. Nachdem sie nickte, begannen wir hemmungslos auf der Tanzfläche zu knutschen. Wie gerne hätte ich die Blicke auf uns gesehen. „Ich glaub ich brauch erstmal 5 Minuten“ rief uns ein Freund entgegen, der sich plötzlich leicht verstört nach draußen verzog. Anscheinend machten wir den umstehenden Partygästen Freude, da kurz darauf eine Dame auf uns zukam und fragte, ob wir ihren Kumpel nicht in unsere Show integrieren könnten. Nein danke! Wir hatten uns, und das reichte. Bei einer Party alles um sich herum zu vergessen, ist wirklich ein Segen. Nicht an die Vergangenheit zu denken und die Zukunft, Zukunft sein zu lassen. Es war Ekstase. Als wir morgens gegen 5 ins Tageslicht purzelten, fühlte ich mich wie in einer anderen Welt. Wir mussten uns erst einmal nach draußen legen. Als sich uns dort ein fremder Mann näherte, schreckte ich kurz auf. „Ich wollte mich entschuldigen! Tut mir echt leid.“, sagte er kleinlaut. Ich schaute ihn verdutzt an und antwortete: „Danke. Schäm dich was!“. Dass ich mich nicht erinnern konnte, für was sich dieser Kerl wohl entschuldigen wollte, gestand ich meiner Freundin erst als er wieder das Weite gesucht hatte. Als wir dort auf dem harten Holz einer Sitzgelegenheit lagen, war alles perfekt. Die Welt drehte sich. Und das nicht nur in meinem Kopf. Ich hätte nicht erwartet, dass ich mal etwas Neues beim Feiern erleben könnte, aber ich wurde eines Besseren belehrt. Und ganz ehrlich: Das macht Lust auf mehr!

2 Gedanken zu „Ekstase! – Es gibt doch noch etwas im Nachtleben zu entdecken

    • Juleblogt sagt:

      Es ist allgemein positiv besetzt, wenn Frauen sich küssen. Den Männern bereitet es Freude und es ist im Normalfall auch innerhalb einer Beziehung erlaubt 😉

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