Doppelt feiern hält nicht besser

Wenn eine Feiermaus wie ich zwei Wochen lang aufgrund einer Erkältung außer Gefecht gesetzt ist, wird die 1. Party „danach“ umso doller. Das hatte ich schon geahnt, aber wie doll es schlussendlich werden würde, habe ich mir nicht ausgemalt.

Mit Freunden ging es auf eine der zahlreichen Oktoberfestpartys hier in der Stadt. Die Musik war ziemlich unerträglich, was dazu führte, dass sich die Getränke schneller leerten als uns lieb war. Als wäre das nicht genug, tauchte auch noch P. auf, mein Kryptonit. Verdammt gut sah er aus, ein Träumchen! Schnappatmung, Herzrasen, die üblichen Reaktionen, wenn ich auf diesen Herren treffe. Der Versuch mich ohne Alkohol abzulenken, scheiterte und so hing ich kurz darauf am nächsten Getränk und hoffte, ihn so ausblenden zu können.  Es kommt mir oft so vor, als würde er das mit Absicht machen. Sich mit Absicht in meine Nähe stellen, in meine Sichtlinie. Gegen 23 Uhr wurde ich erlöst, da wir in einen Club wechselten.

Leider war das Publikum dort nicht unser Fall. Wir tanzten, tranken und überlegten, wie unser restliche Abend aussehen sollte. Meine Beste wollte schlussendlich unbedingt zurück auf die Oktoberfestparty. Normalerweise ist in dieser Bar spätestens um 3 Uhr Schluss, und da es schon kurz nach 2 war, hatte ich Zweifel an ihrem Plan. Gottseidank zahlten wir im Club keinen Eintritt, und hätten notfalls wieder zurück kommen können.

Nachdem wir unsere Jacken geschnappt hatten, machten wir uns auf den Weg zur Bar. Dort steppte der Bär! Es wurde überall getanzt (ich hoffe, es sind keine Möbel zu Schaden gekommen). Wir drängten uns an die Bar. Wie hätte es anders sein sollen, kam mir natürlich zufällig P. entgegen. Wir schauten uns an, und prosteten uns zu. Zu diesem Zeitpunkt litt ich schon unter leichten Erinnerungslücken. Meine Beste erzählte mir, dass P. meinetwegen noch sein Bier verkippte. Wie auch immer das passierte, weiß ich nicht. Vermutlich schwankte ich und habe ihn dabei erwischt. Generell kippten mir gefühlte 10 Leute ihre Getränke übers Kleid.

Eine Gedächtnislücke später, fand ich mich mit einem Bekannten vor der Bar wieder. Es war einer der Herren des Junggesellenabschieds.

Wir hatten uns damals im Park geküsst und eigentlich verabredet, dass er mich nach Hause bringen würde. „Wo warst du denn das letzte Mal?“ – fragte er mich verdutzt. Ich versuchte ihn daran zu erinnern, dass er auf einmal verschwunden war, und ich keine Stunden auf ihn warten wollte.

Mein betrunkenes Hirn versuchte das Beste draus zu machen, direkt an den vorangegangen Abend anzuschließen, und so krallte ich mich an ihm fest und drückte ihn an die Wand. Das Gerede über seine Freundin blendete ich großzügig aus. Er versuchte mich abzulenken, indem er mich zu seinem Kumpel schob. Dieser war mir ebenfalls vom Junggesellenabschied bekannt, da er der Glückliche war, welcher heiraten durfte.

„Der S. hat heute Ausgang, du kannst mit ihm machen was du willst.“ – motivierte mich der Herr, an dem ich mich so vehement festkrallte. Ich begrüßte S und versuchte, nüchtern zu wirken. Es klappte nicht. Ich schwankte ihm entgegen und er wehrte ab. Er hielt mir seinen Ehering entgegen, und betonte mehrmals, dass er jetzt verheiratet sei, und der Junggesellenabschied eine Ausnahme darstellte.

Nach der nächsten Erinnerungslücke fand ich mich auf der Tanzfläche wieder. Es lief der letzte Song, das muss gegen 04:30 Uhr gewesen sein. Die Bar war noch voll, und wir standen dort etwas perplex. Ein paar Bekannte motivierten uns, noch in eine andere Bar weiter zu ziehen.

Dort angekommen kratzten wir unser letztes Geld zusammen und gönnten uns ein abschließendes Bier, So richtige Erinnerungen habe ich an diese Bar nicht mehr. Vermutlich bin ich auch ab und zu eingeschlafen, ich war vollkommen hinüber.

Irgendwann gegen 07:30 Uhr stolperte ich die Treppenstufen zu meiner Wohnung hoch und fiel bis zum Nachmittag ins Koma. Meine Strafe für diesen Abend erhielt ich nach dem Aufwachen. Mir war bis zum Abend so schlecht, dass ich weder etwas essen, noch mehr als drei Schritte gehen konnte.

Merke: Auch wenn man mehrere Wochen nicht feiern war, ist das kein Grund, doppelt so doll zu feiern!

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