Die Wut muss raus! Hat mal jemand Kabelbinder für mich?

„Manchmal denkt man sich: ach fick dich doch! Ins Knie oder sonst wohin“. Wer mich auf Facebook verfolgt, wird genau diesen Satz Sonntagmorgen gegen 4 Uhr gelesen haben. Ja was ist denn da los bei der Jule? Schlecht geträumt habe ich nicht, angepisst war ich trotzdem. Ich schrieb diese Worte in mein Smartphone, als ich auf den kalten Betonstufen vor meiner Stammbar saß. Samstagabend, tanzen und Spaß haben war angesagt. Ich hatte einige Freunde zusammengetrommelt, die mir diesen Abend versüßen sollten. Das klappte auch erstaunlich gut! Die Musik passte und der Gin Tonic schmeckte zwar nur durchschnittlich, aber für Stammbarverhältnisse doch noch recht gut. Der Pegel, sowie auch die Laune stieg. Ich traf schnell auf alte Bekannte, wie zum Beispiel eine Dame, die ich vermutlich noch nie im nüchternen Zustand kennenlernen durfte. Egal um welche Uhrzeit ich sie auf dem Tanzparkett traf, sie war jedes Mal so volltrunken, dass ich froh war, sie überhaupt noch stehend zu erleben. „Ich bin voll wie‘n Eimer“, war der Satz, der mich jedes Mal wieder an den Rande des Erstickungstodes brachte, weil ich aus dem Lachen nicht mehr heraus kam. Diese Dame entdeckte schnell, dass ich einen gutaussehenden Kumpel dabei hatte. „Der ist ja ein Schnuckelchen! Ist der Single?“, lallte sie mir ein mein Ohr. Wenn es darum geht Menschen glücklich zu machen, kenne ich ja kein Pardon. Ich versuchte ihr klar zu machen, dass der junge Herr natürlich Single wäre und sich sicherlich freuen würde, wenn sie sich ein bisschen mit ihm unterhalten würde. Okay, seine Blicke sprachen Bände als er genervt neben ihr stand, aber einen Versuch war es wert 😉 Als mich die Lady noch nach einem gemeinsamen Bekannten fragte, konnte ich mich ein wiederholtes Mal nicht zurückhalten. „Komm ins Pub, hab ne Frau für dich“, tippte ich in mein Telefon und drückte schneller auf Senden, als ich denken konnte. Nachdem mein angetrunkenes Hirn bemerkte, was ich da getan hatte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Verdammt! Ging die Nachricht doch an den Mann, der der Letzte war, den ich an diesem Abend hätte sehen wollen.

Wäre ich dabei gewesen, hätte ich ihn vor Ort kastriert

Vor einiger Zeit taufte ich ihn liebevoll den „Prinzen“, da er sich zu dieser Zeit noch durch einwandfreies, zuvorkommendes Verhalten auszeichnete. Es dauerte nicht lange bis er mein Herz gewann. Dass er diesen Gewinn nicht zu schätzen wusste, wurde mir leider kurz darauf schmerzlich bewusst. Ein feucht fröhlicher Abend endete für ihn an den Lippen meiner besten Freundin. Ich war heilfroh das nicht live miterlebt zu haben. Ich hätte ihn vor Ort kastriert! Allein die Bilder, die sich seitdem in meinem Kopf breit machen, lassen mich regelmäßig würgen. Eine beste Freundin ist ein heiliger Gral. Den darf man angucken, aber nicht anfassen! Ich hätte nie gedacht, dass sich Zuneigung einmal in so einen intensiven Hass entwickeln könnte. Er ist für mich zu einem roten Tuch geworden. Vielleicht sollte er auswandern oder so? Mir würde das zumindest gefallen.

„Selten so viel Wut in den Augen einer Frau gesehen“

Was dachte sich mein benebeltes Hirn dabei, genau diesen Herren auf die Party zu beordern? Vielleicht hatte ich für einen Moment vergessen was vorgefallen war? Später korrigierte ich mein Anliegen und sendete ein eindringliches „Komm nicht her!“. Vergebens. Als ich ihn mit meiner besten Freundin sprechen sah, kochte ich vor Wut. Ich hatte das Gefühl mich bei jedem Blick innerlich zu übergeben. Bäh! Ein Herr, den ich an diesem Abend kennenlernte betonte mehrmals, selten so eine Wut in den Augen einer Frau gesehen zu haben. Das war ihm wohl ein wenig unheimlich. Ich konnte es einfach nicht ertragen die beiden zusammen zu sehen. Die Bilder die in meinem Kopf rotierten, machten mich enorm aggressiv. Da Betrunkene bekanntlich selten die Klappe halten können, musste ich meine Wut loswerden. Zusammen mit einer Freundin und der neuen Bekanntschaft, ließ ich meiner Fantasie freien Lauf und erörtere eindrucksvoll, welche Kastrationsmethoden wohl am geeignetsten wären, um meinen Aggressionen Ausdruck zu verleihen. Wir blieben schlussendlich bei Kabelbindern hängen, die sich wohl perfekt eigneten, um mit möglichst wenig Dreck zu einem guten Ergebnis zu gelangen. Spannend fand ich, dass sich der männliche Part unseres Gesprächs so intensiv einbrachte. Ich hatte fast den Eindruck, dass er über gewisse Erfahrungen verfügte. Allein die Vorstellung mal etwas Gewalt anzuwenden, löste die Anspannung in mir und gab mir ein erleichterndes Gefühl. Über manche Dinge muss man einfach reden, damit es einem besser geht. Als sich meine beste Freundin und der „Prinz“ dann gemeinsam auf den Heimweg machten, ohne mir zumindest zum Abschied zu winken, brannten bei mir alle Sicherungen durch. Ich stellte mir vor den beiden jegliche mir bekannten Schimpfwörter hinterher zu brüllen, mit Flaschen zu schmeißen und mich generell wie ein hüpfender Rohrspatz zu verhalten. Das habe ich natürlich nicht getan, hoffe ich zumindest!

Wenn ich schon nicht gebrüllt habe, dann könnte man ja zumindest ins weitere Facebook-Universum hinausschreien, was man denkt: Ach fick dich doch! Ins Knie oder sonst wohin! Und ja, jetzt geht’s mir besser 🙂 Manches muss einfach mal raus.

2 Kommentare

  1. Freud hatte wohl doch Recht mit seinem Penisneid. Ich selbst würde NIE auf die Idee kommen einer Frau die Amputation ihrer Vagina zu wünschen – und ich habe da echt andere Sachen erlebt, von monatelangen Mobbingaktionen bis hin zu deutlich unangenehmeren Sachen aber so was würde ich nie einer Frau wünschen.
    Egal was mit diesem Mann vorher vorgefallen ist (wir erfahren es ja hier nicht) aber wenn das ganze spiegelverkehrt geschrieben worden wäre, würde ein #Aufschrei durchs Netz gehen.

    1. Man muss immer zwischen „ich hätte gerne“ und „ich mache“ unterscheiden 😉 Kastration in Gedanken ist meines Wissens nicht verboten.

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