Die Moral von der Geschicht: Fremde Männer schubst man nicht!

Gute Geschichten beginnen nicht mit „Als ich damals nüchern war“ oder „Weißt du noch, als ich mal so früh aufgestanden bin?„. Gute Geschichten haben nicht selten etwas mit Alkohol zu tun.

Angetrunken kommt man einfach auf die besten Ideen! Als ich letzten Samstag leicht beschwippst in meiner Stammbar tanzte, bestätigte sich diese Erkenntnis wieder einmal. Voll war es an diesem Abend, voller als es sonst normalerweise schon ist. Dementsprechend war es sehr schwierig, an Getränke zu kommen. Hatte man nicht gerade Kontakte zum Barpersonal, grenzte es an Unmöglichkeit, eine Bestellung aufgeben zu können. Meinen Joker hatte ich für diesen Abend leider schon gezogen. Es gibt einen kleinen Code den ich verwende, wenn sich jemand bestimmtes unter dem Barpersonal befindet. „Bezugsgruppe Dalek!„, brülle ich über den Tresen und schon ist mir die Aufmerksamkeit dieses Barkeepers sicher. Schneller kommt man selten an Getränke. Nun hatte ich leider diesen Joker schon gezogen, und musste andere Wege finden, um nicht an der Quelle zu verdursten.

Ich quetschte mich zwischen die vielen anderen Gäste am Tresen. Neben mir befand sich ein junger Herr, der mich direkt freundlich begrüßte. „Das kann hier noch ewig dauern, ich steh schon ne Weile!„, machte er mir wenig Hoffnung. Aber nicht mit mir! Ich kenne die Tricks und warte normalerweise kaum auf meine Getränke. „Pass mal auf, das geht ganz fix. Wetten?„, entgegnete ich ihm grinsend. „Ach spinn nicht rum, ich bin vor dir dran!„, behauptete der Herr neben mir. Das lass ich mir doch nicht zweimal sagen! „Okay, das werden wir ja sehen. Top, die Wette gilt!„. Da ich natürlich gewinnen wollte, stützte ich mich auf den Tresen, um meinen Nachteil in Bezug auf die Körpergröße auszugleichen. Man, muss das bescheuert ausgesehen haben! Im Gegenzug versuchte der Herr neben mir, sich besonders breit zu machen, und mich so wegzudrücken. Wie die kleinen Kinder kämpften wir um die Aufmerksamkeit des Barpersonals. Ich war ein wenig im Nachteil, da in diesem Moment nur Frauen Dienst hatten. Es ist kein Geheimnis, dass Männer eher Frauen und Frauen eher Männer bedienen.

Doch eh ich mich versah, fragte mich eine Barkeeperin, was ich denn trinken wollen würde. Auf Wunsch des Herren neben mir, bestellte ich ihm ein Bier mit. „Was bekommst du?„, fragte er, um seine finanziellen Schulden zu begleichen. Ich hatte keine Ahnung! Pauschal setzte ich 3 € an, die im Nachgang betrachtet, doch um einiges zuviel waren. „Hier, dein Bier! Ich hab gewonnen, du schuldest mir was.„, entgegnete ich meinem Nebenmann stolz. „Ich schulde dir gar nichts!„, antwortete der Herr, in einem sehr frechen Ton. So etwas lasse ich mir angetrunken natürlich nicht gefallen. Nachdem er sich umgedreht hatte, schubste ich ihn in Richtung Tanzfläche. Dass er dabei knapp 1/3 seines Bieres verlor, empfand ich als gerechte „Bestrafung“. Hatte er doch meinen Sieg nicht ordentlich gewürdigt! Ich fühlte mich stark und überlegen. Dass dieser Herr mich nun den ganzen Abend sehr böse anschaute, war für mich nur eine Bestätigung.

Doch wie es so oft ist, wenn sich die Promille verabschieden und man wieder zu sich kommt: Verdammt, war das peinlich!. Schwamm drüber, einfach vergessen. Ganz so leicht war das allerdings nicht. Man sieht sich bekanntlich immer zweimal im Leben. Als ich heute morgen total verschlafen und halb zombieartig an der S-Bahn stand, kam, ihr ahnt es schon, genau dieser Herr von Samstagnacht an mir vorbei. Ich zuckte zusammen und merkte, wie sich das Blut in meinem Kopf sammelte. Mit knallrotem Kopf und ein wenig hilflos, drehte ich ihm den Rücken zu. Peinlich! Keine Ahnung, ob er mich erkannte. Ich für meinen Teil merkte einmal mehr, dass ich nüchtern vielleicht gar nicht so selbstbewusst bin, wie ich immer dachte. Die Moral von der Geschicht: Fremde Männer schubst man nicht!

 

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