Bitte vergleiche uns nicht!

Prinzipiell bin ich ja der Meinung, dass es zwischen Männern und Frauen gar nicht so viele Unterschiede im Verhalten gibt, wie so gerne behauptet wird. Allerdings mache ich in einer Sache eine Ausnahme: Freundschaften! Eine Freundschaft zwischen Männern ist einfach etwas ganz anderes, als eine Freundschaft zwischen Frauen. Auch wenn sich grundlegende Verhaltensweisen wie: füreinander einstehen, sich unterstützen, Haare halten beim Übergeben (je nach Haarlänge natürlich ;)) nicht unterscheiden, gibt es einige Punkte, die auffällig sind. Davon ganz besonders markant: Männer vergleichen sich nicht untereinander! Naja, zumindest belassen sie es bei Oberflächlichkeiten. Wer hat die größten Muskeln? Wer kann zielgenauer pinkeln? Diese „Schwanzvergleiche“ trifft man öfter in Männerfreundschaften an. Das ist allerdings harmlos gegenüber den Vergleichen, die Frauen in engen Freundschaften anstellen. Auch wenn die beste Freundin eine Seelenverwandte ist, kommen uns nicht selten Gedanken in den Kopf wie: „Ist sie besser als ich? Ist sie vielleicht weniger zickig? Ist sie begehrenswerter?“. Na, kommt euch das bekannt vor? Verdammt, erwischt! Wie oft ich mich schon gedanklich mit meinen Freundinnen verglichen habe, lässt sich vermutlich schon gar nicht mehr beziffern. Das Problem an der Sache ist, dass sich zwei Individuen einfach nicht vergleichen lassen. Wir sind ja nicht zwei Kreise die man übereinander legt um zu schauen, welcher von beiden den größten Durchmesser hat. Wir haben Ecken und Kanten. Somit ist von vornherein klar, dass wir bei einem Vergleich den Kürzeren ziehen werden. Am Ende kommt immer heraus, dass eine andere Person irgendwie besser zu sein scheint, als wir selbst.

Stelle niemals eine Sahneschnitte zwischen zwei Freundinnen

Diese Vergleiche hören allerdings nicht bei uns selbst auf, wir ziehen da auch gerne andere Menschen mit hinein. Wir Frauen machen nämlich den Fehler, dass wir uns über Männer definieren. Wer hat den größeren, stärkeren und erfolgreicheren Mann? Wer zieht mehr bei der Männerwelt? Unser Selbstwert wird nicht selten von außen definiert. Darum ist es oftmals auch so leicht, einen Keil zwischen zwei Frauen zu treiben. Stellt man einen attraktiven Mann in die Mitte und wartet einen Moment, kann man ein Schauspiel beobachten. Auch wenn sich die Damen vorher geschworen haben, die Finger von der Sahneschnitte zu lassen, sind das meist nur hohle Worte. Ich darf gerade selbst eine Situation erleben, die ich niemandem wünschen möchte. Ein Mann, der erst mein Herz eroberte, schmiss sich an meine beste Freundin heran. Gleichzeitig natürlich.  Soweit, so unschön. Ich zog die Konsequenzen und verbannte diesen Herren aus meinem Leben. Leider hatte ich nicht damit gerechnet, dass das vielleicht nicht klappen könnte. Denn urplötzlich war da etwas zwischen ihm und meiner Besten. Und zwar etwas das von ihm ausging. In meinen Augen ein absolutes No Go. Das größte Problem an der Sache war, dass diese Situation nur zu noch ausgiebigeren Vergleichen zwischen uns führte. Was hat sie, was ich nicht habe? Warum war ich nicht gut genug? Was, wenn er ihr die intimsten Details unserer gemeinsamen Zeit erzählt? Das was dadurch zwischen zwei Freundinnen passiert, kann sehr grausam sein. Misstrauen, Angst und Verschlossenheit sind die Folge. Das Schlimme ist, dass Frauen eine solche Situation oft zulassen. Männer würden die Sache entspannt angehen, high-fiven und die Dame in den Wind schießen. Bros before Hoes!

Am Ende heißt es: Freundschaft oder Mann?

Ich weiß nicht, warum wir Damen das nicht hinbekommen. Brauchen wir wirklich eine Selbstbestätigung von Männern, die sich zwischen uns drängen? Natürlich könnte Frau nun sagen, dass dieser Mann von beiden „abgelegt“ werden sollte, aber da wir Frauen sind, kommen wir auch in so einer Situation ins Grübeln. Was, wenn wir unserer Freundin den Mann fürs Leben verwehren? Vielleicht ist es genau der, der sich zwischen uns stellt? Kann ich es mir verzeihen, wenn ich ihr Glück damit zerstöre? Das ist ziemlich naiv! Denn am Ende stellt man sich indirekt die Frage: Freundschaft oder Mann? Eine enge Freundschaft kann nicht bestehen, wenn ein Part zurücksteckt und sich verletzt in seine Ecke zurückzieht. Aber gibt es eine Lösung für dieses Problem? Ich bin mir da im Moment nicht sicher. Vielleicht bin ich auch einfach zu nah an der Sache dran, so dass ich den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe. Auf der einen Seite möchte ich niemandem im Weg stehen, auf der anderen Seite wäre es für mich nicht möglich, meine beste Freundin an der Seite dieses Mannes zu sehen. Nicht weil ich ihn gerne neben mir haben würde, sondern weil ich weiß wie schnell er kleine zarte Herzchen brechen kann. Eines steht nämlich fest: Brichst du meiner Freundin das Herz, breche ich dir die Beine! Das zählt für jeden Mann, aber für Männer gleich doppelt, die vorher auch mich verletzt haben. Wie formulierte ich es so passend, als ich versuchte meine Emotionen zu erklären: Dieser Mann wird für mich ein rotes Tuch bleiben, da werde ich zum Stier und rammle alles um. So stehe ich nun in meiner kleinen Ecke, scharre mit den Hufen und hoffe, nicht losrennen zu müssen

2 Gedanken zu „Bitte vergleiche uns nicht!

  1. PfefferundSalz sagt:

    Ich glaube nicht, dass es dauerhafte und feste Frauenfreundschaften gibt. Ihr gönnt einander nicht die Butter auf dem Brot. Bei Freundschaften Männer-Frauen ist das auch immer seltsam, weswegen ich persönlich Freundschaften mit Frauen nicht eingehe. Es sind gute Bekannte aber keine Menschen auf die ich mich für 10 ct verlassen würde.
    Ernste Freundschaften gibt es nur zwischen Männern.

    • Juleblogt sagt:

      Da halte ich dagegen! Es gibt „richtige“ Freundschaften zwischen Frauen. Gleichwohl bin ich der Meinung dass man da erst reinwächst. Es ist nicht von Beginn an so. Man durchläuft auch Phasen wo man sich wie du es sagst die Butter aufm Brot nicht gönnt. Aber das geht vorbei, man wird älter und weiser 😉

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