Irgendwann, zieh ich diese Frau an den Haaren aus der Wohnung!

Wie weit darf man in einer Freundschaft gehen? Darf man sich in Dinge einmischen, die einen eigentlich gar nichts angehen? Wie weit darf man eingreifen, wenn man merkt, dass ein Freund einen Fehler begeht? Diese Fragen schwirren mir aktuell akut im Kopf herum. Ein guter Freund von mir, begeht meiner Ansicht nach, gerade einen sehr großen Fehler. Seit einigen Monaten ist er mit seiner neuen Freundin zusammen. Ich hasse sie! Das klingt jetzt hart. Ich hasse sie nicht als Person, sondern ich hasse, wie sie mit meinem Freund umgeht. Führt man eine enge Freundschaft, ist einem am Wohl des anderen sehr viel gelegen. Manchmal könnte man es auch als „Mutti-Gefühle“ bezeichnen, die in mir für diesen Herren aufkommen. Ich möchte mich kümmern und dafür sorgen, dass es ihm gut geht. Er hat es verdient. Selten einen Mann, mit so einem guten Herzen kennengelernt. Leider äußert sich seine Gutherzigkeit auch in einer gewissen Naivität. Manchmal könnte ich wirklich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn ich mir Geschichten über seine Freundin anhöre.

Eifersucht ist in vielen Beziehungen ein Thema. Es gibt verschiedene Abstufungen, von leichter Eifersucht, bishin zu krankhafter Eifersucht. Meiner Ansicht nach ist eine leichte Eifersucht normal. So einen gewissen „Besitzanspruch“, hat man in einer Beziehung ja doch. Diesen unter Kontrolle zu behalten, sollte aber keine Schwierigkeit darstellen. Da gibt es dann aber Menschen, die absolut keine Verhältnismäßigkeit in Sachen Eifersucht kennen. Sie wittern in jedem Blick, in jeder Konversation die Gefahr, dass ihnen der Partner weggenommen werden könnte. Krankhaft eifersüchtig, das ist diese Dame in jedem Fall. Da führt schon ein kleiner Blick zu einer anderen Frau in der S-Bahn, zu beleidigtem ignoriert werden. Was fällt dem Kerl denn auch ein, gerade aus zu schauen, wenn dort eine attraktive Frau sitzt. Schämen sollte er sich was! Pfui!

Besonders frech ist es, dass ich ihren Freund schon vor ihr kannte. Und dem ganzen wird die Krone aufgesetzt, wenn man darüber nachdenkt, wie wir uns kennenlernten. Tinder…da ist doch klar, dass da was gehen muss. Alles andere, wäre absolut unmenschlich! Dass wir schon beim 2. Date merkten, gute Freunde sein ist eher unser Ding, zählt nicht. Wir haben es sogar mit Alkhol versucht, half alles nichts. Kein Funke, keine Anziehung. Aber das erkläre mal jemand einer krankhaft eifersüchtigen Frau. Sie kann froh sein, dass ihr Freund so tolle Kontakte hat! Denn die Freunde sind es, die für ihn da sind, wenn er jemanden zum Reden braucht. Die Freunde sind es, bei denen er seine Sorgen loswerden kann. Wir sind es, die ihn wieder aufbauen, wenn sie ihn wiederholt zerstört hat. Ich werde schon wieder ungemein wütend, während ich diese Zeilen schreibe. In Details möchte ich mich nicht verlieren, sonst könnte ich über diese Dame glatt ein Buch schreiben. Zusammengefasst behandelt sie meinen Kumpel wie Dreck. Und das ist noch nett ausgedrückt.

Ich habe den ganz starken Impuls, diese Frau an den Haaren aus der gemeinsamen Wohnung zu ziehen. Wie gerne würde ich eingreifen! Doch mache ich es damit nicht noch schlimmer? Jeder Kontakt, der zwischen meinem Kumpel und mir besteht, wird direkt als Affäre ausgelegt. Sie macht ihm die Hölle heiß, und er leidet. Was also tun? Mit reden habe ich es versucht. Der ganze Freundeskreis hat es versucht. Seine Familie hat es versucht. Aber anscheinend, reicht das zugefügte Leid noch nicht aus. Wie sollten Freunde reagieren, wenn sie merken, dass etwas komplett schief läuft in einer Beziehung? Haben sie überhaupt eine Möglichkeit einzugreifen?

Tatenlos zusehen, ist für mich keine Möglichkeit. Der Versuch Angebote zu machen, ist anscheinend nicht gefruchtet. Wir würden das schon hinbekommen zusammen. Wir, die Freunde, auf die er sich verlassen kann, würden sich um Möbel kümmern, damit er nach einer Trennung nicht in einer leeren Wohnung sitzt. Es gibt so viele Möglichkeiten, wenn man sie nur in Betracht zieht. Wahre Freunde erkennt man daran, dass sie genau in solchen Situationen da sind. Dass sie unangenehme Wahrheiten aussprechen und ihre Hilfe anbieten. Den Impuls das selbst zu klären, werde ich wohl so schnell nicht loswerden können. Und wer weiß, vielleicht zieh ich sie wirklich irgendwann mal an den Haaren aus der Wohnung. Doch bis das passiert will ich hoffen, dass sich das irgendwie von alleine erledigt :/

16 Kommentare

  1. Wenn der Mann toll ist, dann nimm ihn Jule. Wenn er nicht Dein Mann ist, dann lass ihn in Ruhe. Wie sagte Oscar Wilde: „Zwischen Mann und Frau ist keine Freundschaft möglich. Es gibt Leidenschaft, Hass, Liebe, Verehrung, aber keine Freundschaft.“ Dein Freund muss sich entscheiden zwischen seiner Partnerin und seiner platonischen Liebschaft zu Dir und anderen Frauen. Partnerschaft ist exklusiv. In einer Partnerschaft hat ein Mann keine Freundin, keine Geliebte und trifft auch keine Nutte und wenn doch, dann ist die Partnerin zu Recht einfersüchtig und muss ihm die Leviten lesen oder ihn verlassen.

    1. Sehe ich nicht so. Ich habe sehr viele Männer als Freunde. Das sind tolle Freundschaften. Sie sind ziemlich genauso wie Freundschaften zu Frauen 🙂

      1. Warum wollen Deine Freunde keinen Sex mit Dir? Hast Du andere Vorteile, wie ein schmackhaftes selbst gekochtes Essen? -:)

        1. Wenn es keine sexuelle Anziehung zwischen zwei Menschen gibt, dann will man auch keinen Sex haben 😉 aber ja ich kann kochen. Das sehe ich aber nur als einen Pluspunkt für eine Freundschaft. Ich genieße es sehr mir die Sichtweisen der Männer anzuhören

          1. Eine Therapeutin bei der Mann sich ausheulen kann. Dazu lecker essen ohne Einsamkeit. Profit für beide Seiten. Geh davon aus, dass die Mehrzahl Deiner Freunde sofort bei Dir einziehen würde. Das Pech der weichgespülten Freundschaftsmänner ist leider, dass diese nie ins Bett dürfen. Ich wünsche Dir viel Spaß und viele neue Erfahrungen.

  2. „Darf man sich in Dinge einmischen, die einen eigentlich gar nichts angehen?“

    Unter Männern gibt es da ein ganz klares Kriterium: Man darf so weit gehen, wie man eingeladen wird zu gehen. Und was man nicht erzählt bekommt, geht einen nichts an.

    Und wenn dem Kerl auch noch soviel Übels widerfährt – wenn er das so will, dann ist das genau so. Kann man nix machen.

    Wie kommt es, daß Frauen mit der Selbstbestimmung anderer Menschen so große Probleme haben und unbedingt paternalistisch handeln wollen? Glaubt ihr, daß ihr mehr versteht, mehr könnt als andere Menschen?

  3. Wie verhält er sich denn in der Situation? Ich kenne sowas leider auch, da mein bester Freund auch männlich ist. Und ich denke der beste Weg ist mit ihm ehrlich und offen zu reden. Merkt er das denn selber nicht?

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